Ein Großaufgebot der Polizei hat in Ratzeburg eine Party beendet, bei der Nazi-Parolen und rechtsradikale Musik die Anwohner verschreckte. Vier Personen wurden in Gewahrsam genommen.
Ratzeburg – Mehr als 20 Polizeibeamte waren in der Nacht zu Sonntag in der Schmiedestraße auf der Ratzeburger Insel im Einsatz. Anwohner hatten die Polizisten alarmiert, weil es in einer Wohnung hoch herging: „Eine Nazi-Band spielte auf, rechtsradikale Sprüche wie ,Nobelpreis für Hitler’ und ähnliches wurden gegrölt“, berichtete gestern ein Informant den LN.
Ermittelt wird jetzt vom Kommissariat 5, der in Lübeck angesiedelten Polizeidienststelle, die für ausländer- und verfassungsfeindliche Straftaten zuständig ist. Frank Doblinski, der Sprecher der Polizeidirektion Lübeck, sagte den LN gestern auf Nachfrage, dass in einer Wohnung und auf dem Hof des Gebäudes in der Schmiedestraße am Sonnabendabend zunächst 20 bis 25 Personen einen Geburtstag feierten. Von den Gästen wurden schließlich acht überprüft und dann vier vorläufig in Gewahrsam genommen. Der Einsatz der Polizei habe von 22.40 Uhr bis 3 Uhr, also länger als vier Stunden gedauert.
Inwieweit sich bei der lärmenden Party Verfassungs- oder Ausländerfeindliches ereignete, werde noch geprüft. Zu klären sei auch, ob entsprechende Lieder von Geburtstagsgästen gesungen oder ob sie abgespielt wurden. Mögliches Beweismaterial wie Fahnen und CDs nahmen die Ordnungshüter mit. Die Beamten schrieben außerdem Anzeigen, weil sich einige der Partygäste der Überprüfung ihrer Personalien handgreiflich widersetzten.
Es war nicht das erste Mal, dass Bewohner des Hauses in der Schmiedestraße in den Fokus polizeilicher Ermittlungen gerieten. Der bereits zitierte Informant spricht sogar davon, dass die Anwohner schon lange in Angst und Schrecken lebten, weil es dort immer wieder zu Ruhestörungen und Hetzparolen von „stadtbekannten Rechtsradikalen“ komme. Es sei sogar schon überlegt worden, eine Bürgerinitiative zu gründen, um das beängstigende Treiben in der früher so ruhigen Schmiedestraße zu stoppen.
Nach Informationen der LN geht die Polizei bisher davon aus, dass sich in dem Haus kein organisierter Rechtsextremismus konzentriere. Dass sich unter den dort lebenden jungen Erwachsenen aber mindestens zwei bis drei Rechtsradikale befinden, ist offensichtlich unzweifelhaft. Die Betroffenen gelten außerdem, wie auch am Wochenende wieder beobachtet, als gewaltbereit, insbesondere dann, wenn Alkohol im Spiel ist.
Manfred Börner, der Dienststellenleiter der Ratzeburger Polizei, bestätigte den LN gestern die Einschätzung, dass es in dem Haus einige gewaltbereite rechtsextremistische Mieter gebe. Das Großaufgebot der Polizei am Wochenende beim Einsatz zur Beendigung der Party sei nötig gewesen, um eine Eskalierung der Lage zu verhindern. ln
Quelle: Lübecker Nachrichten 07.10.2008