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antiziganismus

Fotowettbewerb 2012 "Europäer: Sinti und Roma" Stiftung EVZ

12. Mai 2012 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antiziganismus

24 Fotowettbewerb 2012-page-001

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"Fremd im eigenen Land" eine zusammenfassende Geschichte der Sinti und Roma in Niedersachsen

19. Januar 2012 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antiziganismus

Donnerstag, 26.1.12 um 11:00 Uhr im Historischen Museum Hannover
wird das
Buch vorgestellt. "Fremd im eigenen Land" eine zusammenfassende
Geschichte der Sinti und Roma in Niedersachsen nach
dem Holocaust. Mit der Veröffentlichung dieser Publikation
ist die Absicht verbunden, ein besseres Verständnis zwischen Sinti
und Roma  und Verwaltung und Politik zu schaffen.
 

 



Einladung zum Pressegespräch
am Donnerstag, 26. Januar 2012, 11.00 Uhr im Historischen Museum

Anlässlich der Buchvorstellung:

Reinhold Baaske/Boris Erchenbrecher/Wolf-Dieter Mechler/Hans-Dieter Schmid u.a.:
Fremd im eigenen Land                                                                                                                     Sinti und Roma in Niedersachsen nach dem Holocaust                                                       Bielefeld 2012, 192 Seiten mit DVD                                                                                              Verlag für Regionalgeschichte             ISBN 978-3-89534-789-4
Ein Projekt des Vereins für Geschichte und Leben der Sinti und Roma in Niedersachsen e.V.

Teilnehmer: Dr.Thomas Schwark, Historisches Museum Hannover
Reinhold Baaske, Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Leben der Sinti und Roma in Niedersachsen e.V.
Douglas Laubinger, Puppenspieler und Zeitzeuge
Rolf Keller, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten

„Fremd im eigenen Land“ – so beschreiben viele Sinti ihre Situation in Deutschland nach 1945. Die Sinti und Roma, die den Holocaust in Niedersachsen überlebt hatten oder nach Niedersachsen als ihrer alten Heimat zurückgekehrt waren oder hier eine neue Heimat gefunden hatten, erlebten in ihrem Alltag in der Nachkriegszeit, dass die Diskriminierung und Ausgrenzung durch die Behörden und die Bevölkerung und die oft willkürliche und demütigende Behandlung durch die Polizei und die Ordnungsämter weiter bestand. Erst ab den 1970er Jahren – unterstützt durch die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma und durch das zivilgesellschaftliche Engagement bürgerlicher Gruppen – besserte sich allmählich ihre rechtliche und gesellschaftliche Position, während ihre wirtschaftliche Situation weiterhin prekär blieb.
Diese Entwicklung, aber auch die Annäherung und wachsende Kooperation von Kommunen mit ortsansässigen Sinti wird im Buch vor allem am konkreten Beispiel der Lebensumstände von Sinti in Hildesheim, Stade, Braunschweig, Leer, Hannover und weiteren niedersächsischen Orten nachgezeichnet. Ein eigenes Kapitel über die Roma in Niedersachsen ergänzt diese Darstellung, die in vielerlei Hinsicht wissenschaftliches Neuland betritt. Das Buch bietet die erste zusammenfassende Darstellung der Geschichte der Sinti und Roma eines Bundeslandes vom Ende der NS-Zeit bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. Es soll dazu beitragen, ein besseres Verständnis zwischen den Sinti und Roma und der Verwaltung und Politik zu schaffen.
Es dient gleichzeitig als Begleitbuch der Ausstellung „Fremd im eigenen Land. Sinti und Roma in Niedersachsen nach dem Holocaust“, die erstmals 2009/2010 im Historischen Museum Hannover zu sehen gewesen ist und seitdem durch Niedersachsen wandert. Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ hat Ausstellung und Buch maßgeblich gefördert und die „Stiftung niedersächsische Gedenkstätten“ einen großzügigen Beitrag zum Entstehen des Buches geleistet.
Beigefügt ist eine DVD mit lebensgeschichtlichen Interviews, die Schüler aus der Region Hannover mit Sinti dreier Generationen geführt haben.
Kontakt: Wolf-Dieter.Mechler@Hannover-Stadt.de  und Tel.:0511-1684-2387
Weitere Informationen zum Ausstellungsprojekt unter:
http://www.stiftung-evz.de/projekte/menschenrechte/sinti-und-roma/ausstellung-sinti-niedersachsen/

 
Historisches Museum Hannover     Für weitere Presseauskünfte wenden Sie sich bitte an:
   
Pferdestraße 6     Britta Sternberg
30159 Hannover    Historisches Museum Hannover
Tel.: (0511) 168 - 43052     Tel.: (0511) 168 – 42352
Fax: (0511) 168 – 45003     Fax: (0511) 168 – 45003
     
www.Historisches-Museum-Hannover.de    presse-hannover-museum@Hannover-Stadt.de

Einladung zum Pressegespräch
am Donnerstag, 26. Januar 2012, 11.00 Uhr im Historischen Museum

Anlässlich der Buchvorstellung:

Reinhold Baaske/Boris Erchenbrecher/Wolf-Dieter Mechler/Hans-Dieter Schmid u.a.:
Fremd im eigenen Land                                                                                                                     Sinti und Roma in Niedersachsen nach dem Holocaust                                                       Bielefeld 2012, 192 Seiten mit DVD                                                                                              Verlag für Regionalgeschichte             ISBN 978-3-89534-789-4
Ein Projekt des Vereins für Geschichte und Leben der Sinti und Roma in Niedersachsen e.V.

Teilnehmer: Dr.Thomas Schwark, Historisches Museum Hannover
Reinhold Baaske, Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Leben der Sinti und Roma in Niedersachsen e.V.
Douglas Laubinger, Puppenspieler und Zeitzeuge
Rolf Keller, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten

„Fremd im eigenen Land“ – so beschreiben viele Sinti ihre Situation in Deutschland nach 1945. Die Sinti und Roma, die den Holocaust in Niedersachsen überlebt hatten oder nach Niedersachsen als ihrer alten Heimat zurückgekehrt waren oder hier eine neue Heimat gefunden hatten, erlebten in ihrem Alltag in der Nachkriegszeit, dass die Diskriminierung und Ausgrenzung durch die Behörden und die Bevölkerung und die oft willkürliche und demütigende Behandlung durch die Polizei und die Ordnungsämter weiter bestand. Erst ab den 1970er Jahren – unterstützt durch die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma und durch das zivilgesellschaftliche Engagement bürgerlicher Gruppen – besserte sich allmählich ihre rechtliche und gesellschaftliche Position, während ihre wirtschaftliche Situation weiterhin prekär blieb.
Diese Entwicklung, aber auch die Annäherung und wachsende Kooperation von Kommunen mit ortsansässigen Sinti wird im Buch vor allem am konkreten Beispiel der Lebensumstände von Sinti in Hildesheim, Stade, Braunschweig, Leer, Hannover und weiteren niedersächsischen Orten nachgezeichnet. Ein eigenes Kapitel über die Roma in Niedersachsen ergänzt diese Darstellung, die in vielerlei Hinsicht wissenschaftliches Neuland betritt. Das Buch bietet die erste zusammenfassende Darstellung der Geschichte der Sinti und Roma eines Bundeslandes vom Ende der NS-Zeit bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. Es soll dazu beitragen, ein besseres Verständnis zwischen den Sinti und Roma und der Verwaltung und Politik zu schaffen.
Es dient gleichzeitig als Begleitbuch der Ausstellung „Fremd im eigenen Land. Sinti und Roma in Niedersachsen nach dem Holocaust“, die erstmals 2009/2010 im Historischen Museum Hannover zu sehen gewesen ist und seitdem durch Niedersachsen wandert. Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ hat Ausstellung und Buch maßgeblich gefördert und die „Stiftung niedersächsische Gedenkstätten“ einen großzügigen Beitrag zum Entstehen des Buches geleistet.
Beigefügt ist eine DVD mit lebensgeschichtlichen Interviews, die Schüler aus der Region Hannover mit Sinti dreier Generationen geführt haben.
Kontakt: Wolf-Dieter.Mechler@Hannover-Stadt.de  und Tel.:0511-1684-2387
Weitere Informationen zum Ausstellungsprojekt unter:
http://www.stiftung-evz.de/projekte/menschenrechte/sinti-und-roma/ausstellung-sinti-niedersachsen/

 
Historisches Museum Hannover     Für weitere Presseauskünfte wenden Sie sich bitte an:
   
Pferdestraße 6     Britta Sternberg
30159 Hannover    Historisches Museum Hannover
Tel.: (0511) 168 - 43052     Tel.: (0511) 168 – 42352
Fax: (0511) 168 – 45003     Fax: (0511) 168 – 45003
     
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Spiegel antiziganistischer Vorurteile

26. Dezember 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antiziganismus

Screenshot von Spiegel-TV-Kanal bei Youtube

Im Juni und September 2011 brachte Spiegel TV zwei Berichte über rumänische Flüchtlinge in Berlin-Neukölln, die nicht nur vor lauter Vorurteilen und Verurteilungen triefen, sondern auch gegen das Persönlichkeitsrecht verstoßen und antiziganistische Meinungsmache betreiben.

Von Linda Polónyi
 
Stell dir vor: Es klingelt an der Tür, Sie öffnen und schauen direkt in eine laufende Kamera. Obwohl Sie zu verstehen geben, nicht gefilmt werden zu wollen und die Tür wieder schließen, sehen Sie sich kurze Zeit später im Fernsehen. Noch dazu wird Ihr Haus gezeigt, Ihre Straße genannt und Ihr Türschild gefilmt. Im deutschen Rechtsstaat gibt es ein Gesetz, dass derlei Vorgehen verbietet: Das Kunsturhebergesetz. Teil des Gesetzes ist das Recht am eigenen Bild. Demnach darf jeder bestimmen, ob und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm oder ihr veröffentlicht werden dürfen.

„Kontaktaufnahme“ bei laufender Kamera

In dem im September auf Spiegel-TV ausgestrahlten Bericht „Von Bukarest in den deutschen Sozialstaat: Klein-Rumänien in der Harzerstraße Berlin“ wird den Anwohnerinnen und Anwohnern der Harzer Straße dieses Recht allerdings nicht zugebilligt. Stattdessen bedienen sich die Reporter einer Herangehensweise, die mehr als fragwürdig ist: Durch den Blick der Kamera werden die Anwohnerinnen und Anwohner zu rechtlosen Objekten – es wird auf sie herabgeschaut, es wird über sie be- und gerichtet, ohne dass eine Erlaubnis dazu als nötig angesehen wird. Indem sie mit laufender Kamera privaten Raum betreten, üben die Reporter eine Macht aus, die ihnen nicht zusteht. Auch in dem Bericht „Einwanderer Elend: Die neuen ‚Gastarbeiter‘ vom Ost-Balkan“ wird eine solche Methodik angewandt. Die Reporter bemängeln, dass die Klärung bestimmter Problematiken „meist schon an der Kontaktaufnahme scheitert“. Als die Erwachsenen dem Kamerateam bei deren „Kontaktaufnahme“ mit laufender Kamera keine Auskünfte geben wollen, werden hier sogar einige Kinder gegen den Willen der Eltern gefilmt und befragt.
 
Dass die Skepsis der Anwohnerinnen und Anwohner gegenüber dem Kamerateam nicht grundlos ist, zeigt sich anhand der gesamten Berichterstattung der beiden Beiträge. Der Kern der Berichte ist die Diffamierung der in Deutschland lebenden rumänischen Roma als illegale Einwanderer, die sich durch Betrug staatliche Hilfsleistungen erschleichen. Auch werden Roma als Müll und Schmutz anhäufende und ihre Nachbarn belästigende Probleme dargestellt.
 
In den Berichten wird dabei völlig undifferenziert von rumänischen Einwanderern, illegalen Einwanderern und Roma gesprochen. Während zu Beginn unterstellt wird, dass die nach Deutschland kommenden rumänischen Flüchtling hauptsächlich Roma sein, endet der Bericht zu Harzer Straße mit dem Satz „Übrigens: Rumänien hat 21 Millionen Einwohner – die Auswanderungswelle in den goldenen Westen hat gerade erst begonnen“. Auch wird angeführt, dass in Berlin-Neukölln etwa 30.000 illegale Einwanderer leben. Dies impliziert die Annahme, dass es sich bei den dortigen Anwohnerinnen und Anwohnern um illegal Eingewanderte handele. Wer wirklich in den gezeigten Wohnhäusern wohnt und wer aus welchen Gründen aus Rumänien flüchtet, bleibt in den Berichten ungeklärt.
 
Roma werden als Trickbetrüger diffamiert

Die Berichterstattung der zwei Beiträge ist zudem sehr einseitig, die Hintergründe der genannten Problematiken werden kaum beleuchtet. So wird zwar in investigativem Stil berichtet, „aufgedeckt“ wird allerdings nur der angebliche „Trick der Armutsflüchtlinge“, mithilfe eines angemeldeten Gewerbes in Deutschland bleiben zu können. Die Notsituation, in der sich rumänischen Roma befinden, die Gründe für die Flucht nach Deutschland oder die Aufnahmelage von rumänischen Flüchtlingen in Deutschland kommen hingegen nur marginal zur Sprache.
 
Auch seit der europaweiten Öffnung des Arbeitsmarktes gilt in Deutschland nach wie vor die Regelung, dass deutsche Arbeitnehmerinnen und -nehmer vorrangig beschäftigt werden müssen. Im Falle, dass ein Unternehmen einen ausländischen Mitarbeiter oder eine ausländische Mitarbeiterin einstellen möchte, muss der Nachweis erfolgen, dass keine adäquate Person mit deutscher Staatsbürgerschaft gefunden werden konnte. Die Arbeitsmarktsituation der rumänischen Flüchtlinge ist dementsprechend besonders schwierig. „Die Aufnahme eines eigenen Gewerbes ist zumeist die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen, um die Familie versorgen zu können“, erklärt Britta Kollberg von der RAA Berlin, die verschiedene Projekte zur Unterstützung von Sinti und Roma, u.a. bei der Integration in die Schule und beim Einstieg ins Berufsleben, anbietet. Auch könne davon ausgegangen werden, dass antiziganistische Vorurteile potenzieller Arbeitgeberinnen und -geber die Situation nicht gerade vereinfachen.
 
Im Bericht von Spiegel-TV wird geradezu unterstellt, dass das Scheitern der Versorgung durch ein eigenes Gewerbe ein gezielter Prozess sei. Doch woher kommt diese Annahme? Die nach Deutschland kommenden rumänischen Roma flüchten aus Lebensumständen, in denen sie ausgegrenzt oder gar verfolgt werden und am Rande der Gesellschaft in Dörfern ohne fließend Wasser und Strom leben müssen. Die Flucht nach Deutschland ist schlichtweg der Versuch, sich selbst und die eigene Familie durchzubringen. Aus dieser Situation heraus ein gewinnbringendes Gewerbe in einem anderen Land – im Sinne eines abgesicherten Wirtschaftsplans – vorzubereiten, ist ohne Frage ein schwieriges Unterfangen. Die Umstände, wie Preise, Nachfrage, gesetzlich vorgeschriebene betriebliche Nebenkosten etc. sind für jemanden, der gerade erst in Deutschland ankommt, schwer zu ermessen. Das Scheitern der Existenzsicherung durch ein eigenes Gewerbe also unreflektiert als „Trick“ abzutun, bedient vielmehr gängige Klischees und Vorurteile, wie das Bild des „Zigeunerdiebs“, der in diesem Fall angeblich Steuergelder klaut. Stattdessen sollte hinterfragt werden, wie es zu bestimmten Situationen – wie der Abhängigkeit der Flüchtlinge von staatlicher Hilfe – kommt.

Klischees statt Hintergründe

In den Berichten werden auch Klischees bedient, dass Roma schmutzig seien und ihre Kinder nicht in die Schule schickten. Gezeigt werden als Beispiel die sich stapelnden Müllberge auf einem Hinterhof oder eine hinterlassene Wohnung. Auch hier fehlt es an Hintergründen. In einem Nebensatz wird immerhin die Summe genannt, die ein Vermieter den Roma für eine 40 Quadratmeter-Wohnung abknöpft – ein stolzer Preis von zwischen 1.000 und 1.800 Euro für Berlin-Neukölln. Vermietende nutzen hier die Notsituation der Familien aus, schnellstmöglich in eine Wohnung ziehen zu müssen. Eine deutsche Familie müsste für eine Wohnung der gleichen Größe in dieser Gegend nur etwa die Hälfte zahlen. Bei solchen Mietpreisen sind die Familien gezwungen, eine Wohnung, die für drei Personen ausgelegt ist, mit wesentlich mehr Personen zu beziehen. Bei einer solchen Überbesetzung der Wohnungen ist es kein Wunder, dass es zu logistischen Schwierigkeiten wie zum Beispiel mit der Müllbeseitigung kommt. Auch wird im Bericht behauptet, eine Roma-Familie hätte sich einen guten Nebenverdienst durch die Untervermietung der Räume eingeheimst. Dass eine solche Untervermietung teilweise notwendig ist, um die Miete zahlen zu können, findet dabei keine Erwähnung. Leider verfehlt Spiegel-TV auch hier eine Hintergrundrecherche und zeigt anstelle dessen, wie andere Mieter sich von den Roma-Nachbarn gestört fühlen.
 
Verstörend an den Berichten ist nicht nur was gesagt wird, sondern auch mit welcher Wortwahl. Die Tatsache, dass einige Roma sich selbst als „Tigan“ bezeichnen, reicht den Reporter aus, um die diskriminierende Bezeichnung  „Zigeuner“ im gesamten Bericht zu verwenden. „Dass sich innerhalb der Community einige auf sarkastische Weise selbst so bezeichnen, gibt niemandem das Recht, andere in so respektloser Weise anzusprechen. Das gilt für Sinti und Roma ebenso wie für Schwarze. Jeder hat das Recht auf den eigenen Namen. Es ist zwar nicht vergleichbar, aber auch ich würde nicht im TV als Brillenschlange bezeichnet werden wollen; da gilt auch nicht die Rechtfertigung, eine andere Brillenträgerin hätte die Bezeichnung lustig gefunden“, erklärt Britta Kollberg.

Antiziganistische Stimmung

Mit dieser Art der Berichterstattung werden Ängste und Antiziganismus geschürt. Es wird geradezu eine antiziganistische Stimmung erzeugt, die die Bewohnerinnen und Bewohner im schlimmsten Fall ernstlich gefährden kann. In welche Art von Stimmungsmache die Berichte sich einreihen, kann anhand der Kommentare zu den Berichten auf Youtube eingesehen werden, in denen die Roma als „Parasiten“ oder „Räudiges Pack“ beleidigt werden.
 
In den letzten Monaten kam es in mehreren osteuropäischen Ländern wieder vermehrt zu pogromartigen Angriffen auf Roma. In ganz Europa sind Ausweisungen an der Tagesordnung. Während die Berichterstattung deutscher Zeitungen und Magazine zu dieser Thematik in den letzten Monaten wesentlich differenzierter ausfiel, als dies noch bis vor Kurzem der Fall war, fällt der Spiegel mit diesen beiden Reportagen weit hinter die Ansprüche an eine professionell demokratischen Berichterstattung zurück. Die Art von Meinungsmache, wie sie in diesen Berichten betrieben wird, ist nicht nur bedenklich, sondern auch potentiell gefährlich. Sie füttert ein seit Jahrhunderten tradiertes Bild von den Sinti und Roma an, das weit in die Mitte der Gesellschaft hineinreicht und die Grundlage der Anerkennung von Ausgrenzung, Ausweisung und mangelnder Bekämpfung von Angriffen auf Roma in ganz Europa bildet. Vom Spiegel hat man mehr erwartet. Bisher war Spiegel-TV nicht bereit, ein Statement zu den Berichten abzugeben.

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Erkennen. Benennen. Verändern! - Antiziganismus

8. November 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antiziganismus


Erkennen. Benennen. Verändern!
 Unter diesen Schlagworten beleuchtet eine Flyerserie der Amadeu Antonio Stiftung verschiedene Elemente Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, wie z.B. Antisemitismus und Sexismus. Die unterschiedlichen Flyer erklären jugendgerecht das jeweilige Phänomen, warum es uns alle betrifft und was man dagegen unternehmen kann.

Die Themenflyer können kostenlos bei der Amadeu Antonio Stiftung unter der Telefonnummer 030 240 886 10 oder per E-Mail an info@amadeu-antonio-stiftung.debezogen werden. Als pdf-Dateien können die Flyer auch im Folgenden betrachtet und heruntergeladen werden.

 

Antiziganismus1.png

 

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Zwei kurze Buchkritiken zur Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma

2. Oktober 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antiziganismus

Das Pariser Zentrum für Sinti- und Romaforschung hat mit dem schmalen Band „Sinti und Roma unter dem Nazi-Regime. Von der „Rassenforschung“ zu den Lagern“ (Berlin, 1996) ein bemerkenswert detailreiches Buch herausgegeben, dass auch mit Originalquellen arbeitet.
Im Buch selbst werden die diversen Analogien von Antiziganismus und Antisemitismus betont. Beide Minderheiten stehen aus völkisch-nationalistischer Sicht dem Ideal der nationalkulturellen Homogenität im Weg.
Sinti und Roma dienten dazu auch noch als Objekte um von Staatsseite Einheit und Einheitlichkeit durchzusetzen, d.h. sie waren eine Minderheit, an der allen sozialen Randgruppen exemplarisch gezeigt wurde, wie mit ihnen verfahren wird, wenn sie sich nicht in die „Volksgemeinschaft“ integrieren: „Sinti und Roma dienten als Modelle zur Definition des Asozialen“ (Seite 12)
Als rassisch definierte Minderheit hatten die deutschen Sinti und Roma freilich nie diese Möglichkeit. Bereits im Kaiserreich und in der Weimarer Republik gibt es eine Tradition der Verfolgung und Bevormundung von Sinti und Roma. Im Dritten Reich setzt dann ein „Völkermord auf Raten“ ein, mit Zwangssterilisierungen seit 1934 beginnt. Auch die Überwachung verschärft sich:

„Die Polizei ging von der traditionellen Überwachung der als suspekt geltenden mobilen Bevölkerung zu einer vorbeugenden Identitätskontrolle in den Städten über.“ (Seite 11)


Zwar gibt es starke Kontinuitäten von der Weimarer Republik zum Dritten Reich im Bereich der Behandlung der Sinti und Roma, aber es lassen sich auch Bruchstellen feststellen.
Im Nationalsozialismus wird nämlich schlicht das Existenzrecht negiert (Vernichtungswille), statt der in der Weimarer Republik zu findenden Rechtsgleichheit der Individuen, gibt es im Dritten Reich eine „Gleichheit der Rasse“.
So werden Sinti und Roma in „Zigeunerlagern“ konzentriert, die immer mehr von der Außenwelt isoliert werden, allerdings eine Zeit lang noch keine echten Konzentrationslager a la Buchenwald darstellten. Die Lager werden mit Verknappung der Arbeitskräfte nach 1939 verstärkt als Zwangsarbeiterreservoir genutzt.
Die „Zigeunerlager“ werden im Buch teilweise noch einmal einzeln vorgestellt. Viele finden sich im Ruhrgebiet, aber es gibt auch solche Lager in Ravensburg (1937-45), in Magdeburg (1936-43, auf der Ebendorfer Chaussee) oder in Neubrandenburg.
Während an einigen Orten Sinti und Roma zwangskonzentriert werden, werden sie anderswo verdrängt:

„In Freiburg wurde im Mai 1935 eine Vertreibung sämtlicher Sinti und Roma beschlossen, der seit Ende der zwanziger Jahre bestehende Wohnwagenstellplatz geschlossen und die dort lebenden Menschen aus der Stadt vertrieben.“ (Seite 47)

Schade, dass im Buch nicht erläutert wird, dass mit der NS-Bezeichnung „nach Zigeunerart Umherziehende“und „Zigeunermischlinge“ häufig Angehörige der Jenischen, einer soziokulturellen Minderheit, gemeint waren.

Till Bastian hat mit seinem kleinen Band „Sinti und Roma im Dritten Reich. Geschichte einer Verfolgung“ (Nördlingen, 2001) eine gute und lesenswerte Einführung zum Thema verfasst. Er liefert einen Abriss über die nationalsozialistische Vernichtung der Sinti und Roma in Europa. Auch die Beteilung von NS-Kollaborateuren findet Erwähnung, beispielsweise das vermutlich 30.000 „Zigeuner“ von den ungarischen Pfeilkreuzlern ermordet bzw. den Deutschen ausgeliefert wurden.

 

Quelle: http://antizig.blogsport.de

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ZENTRALRAT DER SINTI UND ROMA

4. August 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antiziganismus

Rose warnt vor Rechtsruck in Europa

HEIDELBERG Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, hat vor einem Rechtsruck in Europa gewarnt. 66 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur gewönnen nationalistische Kräfte immer mehr an Boden, die Minderheiten gezielt als Sündenböcke benutzten, so Rose laut Redemanuskript bei einer Gedenkveranstaltung zum Völkermord an den Sinti und Roma in Auschwitz. Das Aufmarschieren rechtsgerichteter paramilitärischer Organisationen in Romadörfern oder -vierteln stelle Rechtsstaatlichkeit und staatliches Gewaltmonopol gleichermaßen infrage, so Rose. (epd)

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Hakenkreuze an der Hauswand

30. Juli 2011 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antiziganismus


SINTI UND ROMA Angriffe und Beschimpfungen gehörten für viele von ihnen auch heute noch zum Alltag, berichtet Wilhelm Reinhardt, Sohn einer Jüdin und eines Sinto

AUS TRIER FABIAN JELLONNEK

Das Auto rast an seiner Wohnung vorbei, fünf junge Leute darin: Sie grölen "Zigeuner raus!" und werfen mit Glasflaschen. Es ist nicht das erste Mal. Diesmal beschließt der 73-Jährige, sich zu wehren und erstattet Anzeige. Das war im April. Nun erreichte den Sohn einer Jüdin und eines Sinti ein Schreiben der Trierer Staatsanwaltschaft. Obwohl die Täter gefasst werden konnten, wurde das Verfahren eingestellt. Wegen Geringfügigkeit.

Für Wilhelm Reinhardt klingt das nach blankem Hohn. "Es passiert zwei bis dreimal im Jahr. Vor allem im Sommer." Aufgesprühte Hakenkreuze, Parolen, Böller - die Dummheit kennt viele Formen. "Irgendwann muss doch auch mal Schluss sein mit der Diskriminierung", sagt seine Frau Katharina.

Die Angst der rund 70.000 Sinti und Roma in Deutschland wächst. In Leverkusen flogen am Montag Brandsätze in das Haus einer Sinti-Familie. Die Bewohner retteten sich mit knapper Not. Die Polizei schließt einen rechtsradikalen Hintergrund nicht aus.

"Ich hab das als Kind alles mitbekommen", sagt Reinhardt. Zwei Jahre war er alt, als er seinen Vater das letzte Mal sah. "Erst Warschau, dann Auschwitz", sagt er nur. Er selbst verbrachte die Zeit des Naziterrors in christlichen Kinderheimen. Versteckt und getarnt. Die Mutter hatte Kontakte und gab die Kinder ab. Ihr jüngstes Kind war da gerade acht Tage alt. Die Heime riskierten viel. Entsprechend nervös seien die Schwestern gewesen: "Sie sagten uns: Seid ruhig, sonst kommt ihr weg." Das disziplinierte.

Sein berühmtester Verwandter, der Jazzmusiker Django Reinhardt, war einer der wenigen Überlebenden der Familie. Der Cousin seines Vaters überstand die NS-Zeit in Paris. Doch viel mehr ist von seiner Familie nicht geblieben. "Tanten, Onkels und Cousins", die meisten Familienmitglieder Reinhardts endeten wie sein Vater in Auschwitz. Um Spuren ihrer Existenz zu beseitigen, vernichteten die Nazis sämtliche Papiere und Unterlagen: "Als hätten wir nie gelebt."

Ihm wird deshalb, wie vielen der etwa 700 Überlebenden, bis heute die Opferrente verwehrt. "Nachzuweisen, dass man Opfer der Nazis war, ist schwierig, und die Behörden sind dabei äußerst restriktiv", kritisiert Arnold Roßberg, Jurist des Zentralrats für Sinti und Roma in Deutschland.

Die Reinhardts sind nicht die einzigen Opfer der Diskriminierung. Im Wohnblock nebenan wohnt ebenfalls eine Sinti-Familie. Sonst wohnt hier fast keiner mehr. Zur nächsten Bushaltestelle braucht man zu Fuß eine halbe Stunde. Aus den leerstehenden Wohnungen wachsen kleine Bäume. Auch die Sintifamilien sollten einst fortziehen.

Der Grund: Ein jahrzehntealter Abrissbeschluss. Die benachbarte Papierfabrik wollte sich erweitern. Später stellte sich heraus, dass die Grundstücke zu einem Naturschutzgebiet gehören. Die Papierfabrik blieb wo sie war. Die Häuser blieben auch, und es blieb auch der Abrissbeschluss - bis heute. Und es blieben die beiden Familien, die sich nicht trennen mochten und keine vergleichbare billige Wohnung finden konnten.

Die Wohnungen in den braunen 60er-Jahre-Blöcken sind in einem erbärmlichen Zustand. "Die Stadt hat uns gesagt, dass sie keinen Cent mehr investiert", erzählen die Reinhardts. Alle Reparaturen zahlen sie selbst. Die Bewohner fühlen sich alleingelassen.

Wilhelm Reinhardts Geschichte ist eine Geschichte vom Erinnern und Vergessen. Zum Gedenken an die Naziverbrechen an Sinti und Roma will die Stadt Trier noch in diesem Jahr ein Mahnmal bauen. Eine Anfrage, ob die Stadt Trier Stellung bezieht zu dem Vorfall im April, bleibt unbeantwortet. Auf ein Zeichen der Solidarität gegen aktuelle Diskriminierung warten die Reinhardts vergeblich.

Willie, wie Freunde ihn nennen, ist nicht der Typ, der Vorträge hält oder Bücher schreibt. Der Rentner will bloß ein ganz normales Leben für sich und seine Familie. Seine Geschichte erzählt er jetzt, weil genau das nicht möglich scheint.

Am Abend des Vorfalls im April war Wilhelm Reinhardt derart in Rage, dass er zu einem Polizisten sagte: "Wenn das nicht endlich aufhört, helfen wir uns beim nächsten Mal selbst." Die Antwort des Polizisten: "Jetzt machen sie sich doch nicht unglücklich."

"Ich habe das als Kind alles mitbekommen"

WILHELM REINHARDT, ÜBERLEBENDER DES HOLOCAUST

 

Quelle: taz 29.07.2011

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