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auslanderfeindlichkeit

POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALITÄT 2011 | Innenminister Friedrichs Statistikverständnis

14. Mai 2012 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Ausländerfeindlichkeit

POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALITÄT 2011

Innenminister Friedrichs Statistikverständnis

Im Jahr 2011 wurden rund 17.000 rechtsextreme Straftaten registriert und rund 1.000 Straftaten von Ausländern. Für Innenminister Friedrich „taugt“ diese Statistik wenig. Die größte Gefahr gehe nach wie vor von Ausländern aus.

Laut Angaben des Bundesinnenministeriums wurden im Jahr 2011 insgesamt 30 216 politisch motivierte Straftaten gemeldet. Davon gingen 1 010 oder 3,3 Prozent auf das Konto von Ausländern und mehr als die Hälfte (16 873) auf das Konto von Rechtsextremisten. Diese verübten im Schnitt 2,7 Gewalttaten täglich (828), verletzten pro Tag einen Menschen aus fremdenfeindlichen Motiven heraus (338), verübten täglich fast sieben fremdenfeindliche Straftaten (2 528) und versuchten fast in jedem zweiten Monat, einen Menschen zu töten.

„Unter Berücksichtigung der Morde des NSU und des bisherigen Ergebnisses der noch andauernden Überprüfung von Altfällen auf etwaige rechtsextreme Hintergründe sind bislang 60 Todesopfer rechter Gewalt seit dem Jahr 1990 zu verzeichnen“, so Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bei der Vorstellung der Zahlen am Freitag in Berlin. Das entspricht 2,7 Todesopfern pro Jahr seit dem Jahr 1990 und sind auch nur die offiziellen Zahlen der Bundesregierung. Inoffizielle Erhebungen gehen von über 180 Todesopfern aus.

Friedrich zeigte sich besorgt darüber, dass 2011 besonders ausländerfeindlich motivierte Gewalttaten mit etwa 22,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen hätten. Er verwies zudem auf die der rechtsextremen Kriminalität „innewohnende Brutalität“, die sich in einer deutlich höheren Quote an Verletzten im Verhältnis zur Anzahl der Gewalttaten offenbare.

Trotz dieser Faktenlage geht laut Friedrich die „größte Gefährdung“ aber nach wie vor von der politisch motivierten Ausländerkriminalität aus, zu dem auch der „islamistische Terrorismus“ zähle. Zwar weise der Bereich politisch motivierte Ausländerkriminalität die wenigsten Straftaten auf, doch könne man der Statistik in kleinen Phänomenbereichen nicht trauen. Hier „tauge“ die Statistik zur Einschätzung der Bedrohungslage nicht. (bk)

 

Quelle: http://www.migazin.de 14.05.2012
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Blamage für Ministerin Schröder

27. November 2010 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Ausländerfeindlichkeit

Gewaltbereitschaft junger Muslime

Blamage für Ministerin Schröder

Die CDU-Politikerin lässt Forscher ihre These vom Islam als Ursache für Gewalt prüfen, doch die finden keine Belege. Tatsächlich ist es ein Bündel von Faktoren die zusammenspielen, wenn junge Migranten gewalttätig sind.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder muss in Berlin zwei von ihr selbst in Auftrag gegebene Studien vorstellen, die die ministerielle These nur bedingt stützen.
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder muss in Berlin zwei von ihr selbst in Auftrag gegebene Studien vorstellen, die die ministerielle These nur bedingt stützen.
Foto: dpa

Gestern war kein guter Tag für Bundesfamilienministerin Kristina Schröder: Noch am Morgen hatte die CDU-Politikerin sich im Wiesbadener Kurier mit einer ihrer Lieblingsthesen zitieren lassen – dass nämlich die höhere Gewaltbereitschaft junger Muslime vor allem religiös-kulturelle Gründe habe: „Soziale Benachteiligung und Diskriminierung sind wichtige Faktoren, reichen aber nicht als Erklärung“, sagte Schröder ihrem Heimatblatt. Am späten Vormittag dann, in Berlin, musste die Ministerin zwei von ihr selbst in Auftrag gegebene Studien vorstellen, die die ministerielle These nur bedingt stützen.

Eindeutige Zahlen, die einen Zusammenhang zwischen muslimischer Religion und Gewaltbereitschaft belegen könnten, präsentierten die Forscher nicht. „Es gibt keine Zahl, wonach Muslime eine höhere Gewaltbereitschaft haben“, sagte der Dortmunder Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak. Muslimische Jugendliche würden meist nur dann anfällig für religiös bedingte Männlichkeitsbilder, wenn ihre soziale und wirtschaftliche Lage prekär sei.

Die Autorin der zweiten Studie für das Familienministerium, die Sozialwissenschaftlerin Sonja Haug, verwies auf eine Schülerbefragung von 2009. Darin äußerten Muslime häufiger Bereitschaft zu Gewalt als nichtmuslimische Jugendliche. Haug, die bestehende Studien auswertete, fand aber auch heraus, dass die Gewaltprävalenz bei schlecht integrierten russischen Jugendlichen höher ist als bei jungen Türken. Auch Haug kommt zu dem Schluss, dass ein Bündel von Faktoren wie Bildungsferne, Sprachdefizite, Armut, Gewalterfahrungen in der Familie und traditionelle Normen des Herkunftslandes zusammenspielen, wenn junge Migranten allzu häufig gewalttätig sind.

Neu ist das alles nicht: Viel umfangreichere Studien zum Thema liegen schon vor. Im Sommer hatten Wissenschaftler um den Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer herausgefunden, dass mit zunehmender Religiosität junger Muslime ihre Integration ab- und ihre Gewaltbereitschaft zunimmt – im Unterschied zu anderen Jugendlichen. Auch Pfeiffer betonte, dass Faktoren wie innerfamiliäre Gewalt, mangelnde Bildung und soziale Randlage ebenfalls großes Gewicht haben.

Zur Prävention regte Schröder nun an, Imame in Deutschland auszubilden. Die Entwicklung eines „deutschen Islams“ und Islam-Unterricht an Schulen seien wichtig, hat sie erkannt. Und auch damit nichts Neues zur Debatte beigetragen. ( mit epd)

 

Quelle: Frankfurter Rundschau 27.11.2010

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Walsrode: Rassistische Beschimpfungen gegen kurdischen Verein

5. August 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Ausländerfeindlichkeit


     
 

Ciwan entsetzt: Rassistische Beschimpfungen gegen kurdischen Verein

Walsrode. Aufregung beim SV Ciwan Walsrode: Der kurdische Fußball-Verein hat auf seiner Internet-Seite rassistische Beschimpfungen erhalten. Dabei stellt der anonyme Absender für sich einen Bezug zu Germania Walsrode her, was dessen Trainer Bernd Joachim (Foto links mit Ciwan-Führung Nasir Kilinc und Nasrettin Örper) und die Vereinsführung der SGW ebenso entsetzt zur Kenntnis genommen haben.

Walsrode. Germania Walsrode hat sofort erklärt, sich an der Aufklärung des Falles zu beteiligen.

Ciwan-Manager Nasir Kilinc hat Anzeige bei der Polizei erstattet, die nun entsprechend ermittelt. Dwr Verein hofft, dass der Absender über die IP-Adresse möglicherweise ermittelt werden kann.

Am vergangenen Dienstag ist die Hetz-Tirade im Internet-Gästebuch des SV Ciwan eingegangen.

Bei dem vom Absender angedeuteten Bezug zu Germania Walsrode stelt sich Germania-Trainer Bernd Joachim die Frage, ob es sich eventuell um jemand handele, der sich unter dem Deckmantel Germania verstecke, um für einige heißspornige Leute einfach Zündung zu legen.

In jedem Fall verlangt Joachim scharfe Konseuqenzen, wenn sich herausstellen sollte, dass der Absender aus dem Germania-Umfeld stammt und fügt hinzu: "Wenn es kein Vereinsmitglied ist, vielleicht nur irgendein Dummkopf, der nachts in angetrunkenem Zustand solche Sachen verschickt, dann müsste man trotzdem ein klares Signal setzen, dass wir uns von so etwas distanzieren". Germania hoffe natürlich, so Joachim, „dass wir zusammen mit Ciwan diese Sache aufklären können und der Übeltäter entsprechend in die Schranken gewiesen werden kann.“

Quelle: Walsroder Zeitung vom 5. August 2008

             
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Das unvollendete Projekt der Demokratie

20. Juni 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Ausländerfeindlichkeit

Studie: Der Wohlstand übertüncht nur, dass die meisten Deutschen noch immer rechtsextreme Ansichten pflegen




Berlin - Der Wohlstand hat’s verdeckt, nun bricht wieder auf, was darunter liegt: Ausländerfeindlichkeit ist in Deutschland eher Regel denn Ausnahme und entsteht aus einem allgemeinen starken Anpassungsdruck in der Gesellschaft. Für Vielfalt ist wenig Raum, die demokratischen Prinzipien sind noch nicht verinnerlicht.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die Wissenschaftler von der Universität Leipzig im Auftrag der SPD-nahen Friedrich- Ebert-Stiftung durchführten. 2006 hatten sie mit ihrer Untersuchung „Vom Rand in die Mitte“, in der sie rechtsextreme Einstellungen als gesellschaftliches Allgemeingut entdeckten, Aufsehen erregt. Die Folgestudie mit dem Titel „Ein Blick in die Mitte“ stellten die Sozialwissenschaftler Elmar Brähler und Oliver Decker am Mittwoch in der Berliner Zentrale der Stiftung vor.

Die Forscher hatten an zwölf Orten in Deutschland Gruppendiskussionen mit ausgewählten Teilnehmern der vorherigen Untersuchung geführt. In diesen Runden seien ausländerfeindliche Bemerkungen mit großer Selbstverständlichkeit geäußert worden, sagten die Forscher. Derartige Ressentiments, folgerten sie, seien offenbar sozialer Konsens. Allerdings in anderer Weise als früher: Im Vordergrund stehe nicht mehr die Sorge um weggenommene Arbeitsplätze, sondern Ärger über kulturelle Andersartigkeit. Die Forscher beobachteten bei den Diskussionsteilnehmern großes Bemühen, den gesellschaftlichen Normen zu genügen. Diesen Druck zur Gleichförmigkeit gäben sie an Ausländer weiter. „Die meisten unterscheiden zwischen dem guten und schlechten Ausländer“, lautet das Resümee der Forscher. Der gute passe sich an, der schlechte wahre seine kulturellen Besonderheiten. Die größten Vorbehalte gab es gegenüber Russen und Türken.

Dass die Deutschen sich mit Vielfalt schwer tun, hängt nach Ansicht der Forscher auch damit zusammen, dass sie nicht demokratieerprobt sind. Die meisten setzten Demokratie mit dem Wahlrecht gleich, sähen es sonst als „Sache der da oben“ und hätten keine Kenntnis darüber, wie sie sich selbst einbringen könnten. Glaube an Demokratie sei an die Erwartung von Wohlstand gebunden: „Immer dann, wenn der bröckelt, steigen antidemokratische Traditionen auf.“

Das Erbe des Nationalsozialismus ist nach Ansicht der Wissenschaftler immer noch präsent. Das Wirtschaftswunder in den 50ern, sagte Decker, habe als „narzisstische Plombe“ fungiert, die keinen Raum für Aufarbeitung, Scham und Schuld gelassen habe. Nun gebe es die gefährliche Tendenz, Täter und Opfer umzukehren und vor allem die Vertreibung der Deutschen durch die Russen zu beklagen.

Die Wissenschaftler riefen Schulen und Arbeitsstellen dazu auf, Menschen mehr Möglichkeiten zu bieten, sich einzubringen und damit Auseinandersetzung und Mitbestimmung zu üben. „Demokratie ist kein Sockel, der erreicht wird und als gesichert gelten kann“, sagte Decker. Vielmehr sei Demokratie ein noch lange nicht abgeschlossenes Projekt.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 19.06.2008)
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Wir Demokratiefeinde

20. Juni 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Ausländerfeindlichkeit

Rechtextremismus


VON VOLKER SCHMIDT

Der Nährboden für rechtsextreme Tendenzen liegt in der Mitte der Gesellschaft. Nach einer wissenschaftlichen Studie sind die Deutschen verbreitet ausländerfeindlich, autoritätsfixiert und demokratieunfähig, haben wahnhafte Angst davor, ausgegrenzt zu werden, und den Nationalsozialismus nie verarbeitet.

Elmar Brähler und Oliver Decker von der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Uni Leipzig hatten schon 2006 einem großen Teil der Gesellschaft ein "geschlossenes rechtsextremes Weltbild" bescheinigt. Der damaligen quantitativen Studie mit Fragen zu Themenfeldern wie Autoritätsglaube, nationaler Chauvinismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus lassen sie nun eine qualitative folgen: Sie ließen Gruppen diskutieren, um die Ressentiments genauer zu untersuchen.

Die Diagnose in Kurzform: "Rechtsextremismus gedeiht auf dem Boden von Angst- und Ausgrenzungserfahrungen. Gleichzeitig zeigen sich weit verbreitete ausländerfeindliche Einstellungen sowie eine geringe Wertschätzung der Demokratie in der deutschen Bevölkerung." Sie hätten die Ausländerfeindlichkeit in der Erhebung von 2006 noch unterschätzt, meinen die Autoren. Sie sei in den jetzt geführten Gruppengesprächen die am stärksten vertretene Dimension rechtsextremer Einstellungen gewesen - auch, weil sie anders als etwa antisemitische Sprüche mit "besorgniserregender Selbstverständlichkeit" geäußert werden konnte.

Die Ablehnung von Ausländern unterscheidet zwischen Migranten, deren Kultur (vermeintlich) der deutschen nahe ist, und solchen, die sich wenig "anpassen" - das trifft insbesondere Muslime. Die Psychologen deuten das ebenso wie Ressentiments gegen "Asoziale" (etwa Arbeitslose) als Projektion: Die Befragten hätten Angst, ausgegrenzt zu werden, und verschöben diesen Druck auf andere. Diese Angst entstehe aus der Erfahrung der Schutzlosigkeit gegenüber ökonomischen und staatlichen Eingriffen, die als Gewalt empfunden würden.

Auch in der Beziehung zur NS-Vergangenheit diagnostizieren die Forscher eine schwere Störung: Über Täter in der eigenen Familie wird geschwiegen, Verbrechen werden kleingeredet, Schlussstriche gefordert. Die Analyse: Die Deutschen haben das Scheitern der nationalsozialistischen Größenfantasie als Kränkung erfahren und die entstandene Lücke durch eine "narzisstische Plombe" ersetzt: das Wirtschaftswunder. Eine Plombe, "die in der Zeit gestiegener ökonomischer Unsicherheiten seit den 1990er Jahren ihren Halt verloren hat und den Blick freigibt auf antidemokratische Einstellungen nah an der Wurzel".

Anerkennung hilft

In der Biografie der Probanden fanden die Forscher Hinweise darauf, welche Erziehung Abhilfe schaffen kann: Anfällig für rechtsextreme Einstellungen war, wer mit autoritären Denkstrukturen in Gesellschaft und Familie sowie mit Gewalterfahrungen aufwuchs; "umgekehrt wirken die Fähigkeit zur Empathie und die Erfahrung von Anerkennung als Schutz davor". Darüber hinaus fordern die Autoren eine konsequente Demokratisierung von Schulen, Betrieben und Institutionen. Derzeit, so die Diagnose, erfahren viele Wahlen als den einzigen Moment, in dem sie an Demokratie teilnehmen - und auch das eher auf frustrierende Weise. Demokratie müsse aber erfahrbar sein.

Und um die NS-Verbrechen nachträglich aufzuarbeiten, setzen Brähler und Decker auf Denkstättenarbeit und Erinnerungskultur. Die dürfe aber nicht nur abstrakt von Schuld sprechen, sondern müsse Täter und Opfer aus dem je eigenen Umfeld benennen.

Quelle: Frankfurter Rundschau
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Ausländerfeindlichkeit gefährdet die Demokratie

20. Juni 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Ausländerfeindlichkeit

KOMMENTARE
Ausländerfeindlichkeit gefährdet die Demokratie
Sigrid Averesch

Einmal mehr hat die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Studie zum Rechtsextremismus vorgelegt, die erschreckt. Auch wenn diese Untersuchung nicht repräsentativ ist, gibt sie doch Einblicke in ein weit verbreitetes Denken. Ausländer werden als "Fremde",als "Schmarotzer" stigmatisiert. Da spiegelt sich vieles von dem wider, was in den Debatten der vergangenen Jahre zu hören war. Politische Schlagworte von der "Zuwanderung in die Sozialkassen" und von "nützlichen und unnützen Ausländern" sind offenbar weit in die gesellschaftliche Mitte hinein vorgedrungen und übernommen worden. Das rächt sich jetzt. Auch die weithin als Demokratieverdrossenheit wahrgenommen Stimmung reicht tiefer. Die Demokratie wird gering geschätzt, so ein Befund der Studie. Beide Einstellungen müssen aufhorchen lassen. Nicht nur, weil Ausländer- und Demokratiefeindlichkeit den Nährboden für Rechtsextremismus und Gewalt bilden können. Solche Haltungen bedrohen den Zusammenhalt und die Fundamente unser Gesellschaft, die auf Toleranz, Solidarität und politischer Teilhabe gründet, nicht aber auf Ausgrenzung.

Welche Konsequenzen kann die Politik ziehen? Politiker müssen endlich wieder eine Sprache finden, mit der sie die Menschen erreichen. Auch eine größere politische Teilhabe der Bürger, etwa durch Volksentscheide, wäre ein Weg. Das wirksamste Mittel aber bleiben persönliche Erfahrungen. Selbstbewusste, offene, engagierte und kritische Menschen, deren Wertesystem auf Achtung basiert, sind schwer verführbar für schlichte Parolen. Auch das sollte das Bildungssystem vermitteln.

Quelle: Berliner Zeitung

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"Die Ausländer nehmen sich was heraus"

20. Juni 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Ausländerfeindlichkeit

Eine neue Untersuchung zeigt, wie rechtsextreme Einstellungen entstehen
Sigrid Averesch

BERLIN. Die Sätze könnten überall in Deutschland fallen. "Ich habe nichts gegen Ausländer. Aber die nehmen sich Sachen heraus, die wir nicht dürfen. Jetzt kaufen sie die ganzen Geschäfte in der Umgebung auf." Gesagt hat dies eine Frau aus dem Ruhrgebiet in einer Diskussion über das Leben in ihrer Gegend. Solche und andere Bemerkungen fielen auch in anderen Gesprächen, berichtet die Wissenschaftlerin Katharina Rothe von der Universität Leipzig. Mit ihren Kollegen Oliver Decker und Elmar Brähler hat sie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung untersucht, wie rechtsextreme Einstellungen entstehen.

Die Studie, die gestern in Berlin vorgestellt wurde, ist zwar nicht repräsentativ. Zwölf Diskussionsrunden mit 60 Teilnehmern wurden geführt. Aber sie gibt ein Einblicke darüber, wie rechtsextreme Einstellungen entstehen. Die Untersuchung führt eine repräsentative Studie mit über 5 000 Befragten fort, die im vergangenen Jahr vorgestellt worden war. In dieser Untersuchung hatten 26,7 Prozent der befragten Deutschen ausländerfeindliche Einstellungen bekundet.

Hohe Ausländerfeindlichkeit

"Am gravierendsten ist die weit verbreitete Ausländerfeindlichkeit", zog Rothe ein Fazit. Ausländer würden in Gute und Schlechte eingeteilt. Ausländerfeindliche Ressentiments würden zudem mit einer Besorgnis erregenden Selbstverständlichkeit geäußert, auch von Personen, die sich nicht als rechtsextrem einstuften. Als eine Ursache wertete Rothe einen hohen gesellschaftlichen Druck. Abweichendes Verhalten werde nicht akzeptiert. Zuwanderer, aber auch Arbeitslose würden ausgegrenzt. Die Ausländerfeindlichkeit werde dabei mit einem kulturellen Gegensatz begründet: "Die passen nicht zu uns."

Als alarmierend wertete Decker die Geringschätzung des demokratischen Systems. Mehr als 50 Prozent der Befragten im Westen und 75 Prozent im Osten hatten sich in der ersten Studie mit der Demokratie unzufrieden gezeigt. Demokratie sei für die meisten etwas "für die da oben", Wahlen seien unbedeutend, in den seltensten Fällen begriffen sich die Menschen als Teilnehmer eines demokratischen Prozesses, ergab nun die Gesprächsrunden.

Faktor Wohlstand

Demokratie werde nur geschätzt, wenn sie Wohlstand bringe. Gehe dieser verloren oder erfüllten sich die Erwartungen nicht, würden antidemokratische Einstellungen freigelegt, bilanzierte Decker. Als weiteren Grund für die Entstehung rechtsextremer Einstellungen nannte er Gewalterfahrungen in Familie oder Schule. Hinzu komme eine Aggression gegenüber Schwachen und Neid gegenüber denjenigen, denen es besser gehe.

Anderseits gebe es Entwicklungen, die demokratiefördernd seien, so Decker. Etwa die Fähigkeit, Argumente oder Prozesse kritisch zu hinterfragen. Die Fähigkeit zum Mitgefühl zähle ebenso dazu wie die Anerkennung Andersdenkender und der Gewaltverzicht. Noch immer spiele auch die nationalsozialistische Vergangenheit eine Rolle. Die Auseinandersetzung mit ihr fördere das Demokratieverständnis, betonten die Autoren der Studie.

Als Konsequenz forderten sie die Demokratisierung der Institutionen, der Schulen und Betriebe sowie eine sensible Erinnerungskultur mit dem Nationalsozialismus.

Quelle: Berliner Zeitung

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Ausländerfeindliche Haltungen laut Studie weit verbreitet

20. Juni 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Ausländerfeindlichkeit

AFP - Mittwoch, 18. Juni, 16:56 Uhr

Berlin (AFP) - Ausländerfeindliche Einstellungen sind in Deutschland weit verbreitet, ebenso wie eine Geringschätzung der Demokratie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Universität Leipzig zu Ursachen rechtsextremer Einstellungen. Als Konsequenz aus der Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung plädierten die Wissenschaftler für eine "sensible Erinnerungskultur" bezüglich der deutschen NS-Vergangenheit und für mehr gesellschaftliche Teilnahmemöglichkeiten insbesondere für Migranten und bildungsferne Bevölkerungsschichten.

Mit ihrer neuen Studie knüpfen die Leipziger Forscher an eine 2006 veröffentlichte Repräsentativbefragung an, für die sie seinerzeit mehr als 5000 Deutsche befragt hatten. Diese erste Untersuchung ergab, dass rechtsextreme Einstellungen kein Randphänomen, sondern in der Mitte der Gesellschaft verwurzelt sind.

Ausländerfeindlichkeit ist demnach die am weitesten verbreitete rechtsextreme Einstellung - 26,7 Prozent der Befragten stimmten damals entsprechenden Thesen zu. Neun Prozent gaben an, sie betrachteten die Diktatur als die unter Umständen bessere Staatsform. 15,2 Prozent sehnten sich nach einem "Führer" mit starker Hand, 26 Prozent nach einer einzigen Partei, von der die "Volksgemeinschaft" verkörpert werde.

Für ihre aktuelle Untersuchung führten die Wissenschaftler nun mit 60 der damals Befragten insgesamt zwölf Gruppendiskussionen. Die Teilnehmer stammten aus unterschiedlichen sozialen Schichten, Generationen und Berufszweigen. Bei den Gesprächen stellten die Leipziger Forscher unter Leitung von Elmar Brähler und Oliver Decker nach eigenen Angaben fest, dass ausländerfeindliche Ressentiments "mit besorgniserregender Selbstverständlichkeit" formuliert wurden - auch von Menschen, die in der ersten Studie nicht durch rechtsextreme Äußerungen aufgefallen waren.

Auch verzeichneten die Forscher in den Diskussionen eine "alarmierende Geringschätzung des demokratischen Systems". Demokratie werde weitgehend nur als Garant von individuellem Wohlstand akzeptiert. Zugleich empfanden die Gesprächsteilnehmer einen "hohen gesellschaftlichen Normierungsdruck", verbunden mit der Zustimmung zu Sanktionen für abweichenden Verhalten. Dadurch würden besonders Migranten und Arbeitslose gesellschaftlich ausgegrenzt, warnten die Wissenschaftler. Von großer Bedeutung bei der Entstehung rechtsextremer Einstellungen sei zudem der Umgang mit der NS-Vergangenheit: Eine Verweigerung der Auseinandersetzung mit der Nazi-Diktatur befördere rechtsextreme Einstellungen.

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