NPD Verbot
Die Debatte erfreut Bundesregierung und Bundesinnenministerium wenig. Eine Diskussion um ein erneutes Verbotsverfahren gegen die NPD hätten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble gern vermieden. Große Bedenken der rechtlichen Chancen führt Schäuble staatstragend an. Bei Überlegungen zur Inneren Sicherheit gegen den Terrorismus trägt Schäuble solche Bedenken selten vor. In den vergangenen Monaten fragen aber immer mehr Betroffene, an die die "Zuständigen" stetig appellieren "Gesicht" und "Zivilcourage" zu zeigen: Was macht ihr? Bei Veranstaltungen beschweren sich immer wieder Gewerkschaften, Kirchen, Vereine und Schulen, bei Auseinandersetzungen mit dem Neonazismus von den staatlichen Organen regelmäßig alleine gelassen zu werden. Der Druck auf die Parteien hat sich jetzt erhöht. An die 160.000 Menschen unterschrieben für ein Verbot der NPD. Die "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen" (VVN-BdA) hatte die Kampagne gestartet, die längst von vielen politischen Initiativen und gewerkschaftlichen Strukturen mit getragen wird. Auf dem Bundesparteitag der SPD sprachen sich denn auch die Delegierten für ein neues Verbotsverfahren aus. Denn die NPD verfolge "unverhohlen aggressiv" ihre Ziele - angesichts der Zusammenarbeit mit den militanten Neonazis aus den "Freien Kameradschaften" und dem Ein- und Aufstieg von deren Führungskadern in der NPD ist das kaum verwunderlich.
"Schwer wäre so ein Verbotsverfahren", klagten sogleich die "Zuständigen". Sicher, solange die V-Männer weiter in der Partei wirken. Nur jene Durchsetzung der Partei mit V-Leuten ließ das Verfahren 2003 scheitern. Keine Überraschung, dass die NPD-Führung handelt. Mit einigen Dutzend Anhängern liefen Führungskader vor dem Parteitag unter dem Motto "Hände weg von der NPD!" auf. Die mobilisierten Unterstützer dienten nur als Staffage für die gewollte Publicity. Die Hausdurchsuchungen bei Mitgliedern des NPD-Parteipräsidiums Ende Oktober liefen der Partei-PR indes zuwider. Die Ermittler fanden mal wieder unter anderem Waffen. Die Verbotsüberlegungen und Waffenfunde werden vielleicht das Abschneiden der Partei bei den Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen am 27. Januar 2008 beeinträchtigen.
Neben dem Blick auf die Wahlen wird im DERRECHTERAND auch wieder auf die fortschreitende Etablierung der NPD und anderer Neonazis in der Lebens- und Freizeitkultur Heranwachsender und junger Erwachsener geschaut. Betrachtet wird, wie vor allem auf dem Land, nicht nur mittels RechtsRock, sondern auch mit Balladen, nicht nur als "Fans" im Stadion, sondern auch aktiv im Verein, die Verankerungen fortschreiten.
Die Diskussion um ein NPD-Verbot reduziert das "Problem" häufig auf diese eindeutig neonazistische Partei. Das Wirken anderer Organisationen und Strömungen der deutschen Rechten wird dagegen nur selten diskutiert. Erst Skandale lenken hin und wieder den Fokus auf sie. Seit Jahrzehnten ist das "Studienzentrum Weikersheim" an der Schnittstelle zwischen etabliertem Konservatismus und der extremen Rechten angesiedelt und treibt still den Dialog der Strömungen voran. Kurz unterbrochen durch das Getöse um die Rede Günther Oettingers (CDU) am Grab des ehemaligen NS-Marinerichters und Gründers dieses "Studienzentrums" Filbinger (CDU). Ohne kritisches Echo fand entsprechend der diesjährige Jahreskongress der "Weikersheimer" Ende September statt. Nachhall fand der indes, wie gewohnt, in der neurechten Wochenzeitung "Junge Freiheit", deren offenbar steigende Auflagenzahl und zunehmende Normalisierung jedoch viel zu wenig Beachtung findet, leider!
Aus "Der Rechte Rand" Nr. 109 November / Dezember 2007
/image%2F1377997%2F20150108%2Fob_508aca_kban.jpg)