Zur beabsichtigten Kündigung Angelo Luciferos
17.01.2008 (Junge Welt)
Zur beabsichtigten Kündigung Angelo Luciferos
Der Landesvorstand Der Partei Die Linke in Bayern nimmt zur
beabsichtigten
Kündigung Angelo Luciferos durch den ver.di-Landesbezirksvorstand
Stellung:
Liebe Kollegen, wir haben erfahren, daß der ver.di-Landesbezirk
Sachsen,
Sachsen-Anhalt, Thüringen Kollegen Angelo Lucifero kündigen will,
nachdem
kurz zuvor seine Suspendierung und ein Hausverbot ausgesprochen wurden.
(...) Als Begründung für die Kündigung wird u. a. angegeben, daß Angelo
»in
unzulässiger Weise persönliche politische Arbeit auf Kosten und mit
Mitteln
der Gewerkschaft ver.di betrieben« habe. Weiter heißt es in diesem
Zusammenhang, der Kollege sei gleichzeitig mit einem drakonischen
Strafbefehl belastet, weil er sich mit einer Schreckschußpistole gegen
tätliche Angriffe mehrerer Neonazis gewehrt habe. Angeblich hätten
diese
Anwürfe aber nichts mit der
Kündigung zu tun.
Für uns ist diese Begründung nicht nachvollziehbar. Hier wäre
eigentlich
gewerkschaftliche Solidarität gefragt.
Wir sind schon sehr verwundert, daß der ver.di-Bezirk nicht einmal die
Hauptverhandlung über den Strafbefehl abgewartet hat, gegen den der
Kollege
Lucifero Widerspruch eingelegt hat. Sollte nicht auch in den
Gewerkschaften
bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung die Unschuldsvermutung
gelten?
Niemand weiß im Augenblick, ob ein rechtsstaatliches Verfahren den
Kollegen
nicht vielleicht wegen Notwehr freispricht oder die Strafe drastisch
verringert. Das Gericht wird auch zu werten haben, daß der Strafbefehl
aufgrund der Zeugenaussagen von Neonazis und ohne Anhörung von Kollegen
oder
von Entlastungszeugen erlassen wurde. Der Gebrauch einer
Schreckschußpistole
durch einen Gewerkschaftssekretär im Verlauf einer öffentlichen
Kundgebung
ist grundsätzlich sicher
problematisch, doch müssen die genauen
Umstände
geklärt werden, aus denen heraus es dazu gekommen ist. Wir und unsere
Angehörigen wurden im Unterschied zum Kollegen Lucifero nicht mehrfach
schon
wegen unserer politischen und gewerkschaftlichen Aktivitäten mit Gewalt
bedroht. Noch nicht?
Daß die Kündigung des Kollegen nun damit begründet wird, daß ihm als
Gewerkschaftssekretär ausgerechnet sein antirassistisches und
antifaschistisches Engagement als »gewerkschaftsfremde politische
Arbeit«
angelastet wird, erscheint uns abwegig und grotesk. Angesichts der
Beschlüsse von ver.di erscheint es auch fragwürdig. (...)
Die angekündigte Kündigung durch die ver.di-Landesbezirksleitung
erweckt den
Eindruck, als sei sie politisch motiviert. Vor dem Hintergrund der
unbestrittenen Verdienste des Kollegen Lucifero sowie der
neonazistischen
Bedrohung nicht nur von GewerkschafterInnen und nicht nur in den
neuen
Bundesländern halten wir dies für sehr bedenklich. Unser Landesvorstand
drückt dem Kollegen Angelo Lucifero seine volle Solidarität aus. Wir
hoffen
auf euer Einsehen.
Lieber Kollege Bsirske, wir bitten dich: Bitte interveniere beim
Landesbezirk zugunsten des Kollegen Lucifero. (...)
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