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Rotenburger Rundschau 23.1.08 - Braune Hose unterm Anzug

26. Januar 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - lokal

Rotenburger Rundschau 23.1.08

Braune Hose unterm Anzug
Zwei Publikationen klären über die rechte Szene auf
Foto zum Artikel: Braune Hose unterm Anzug
Werben für zwei Publikationen, die über die rechte Szene aufklären: Charly Braun (links) und André Aden
Foto: Woyke
23.01.2008 17:00:00
Rotenburg. 
(ww). Wie hat sich die Neonazi-Szene in den vergangenen Jahren verändert? Wie arbeiten die Rechten? Und was passiert, wenn ein Aussteiger ihre Reihen verlässt? Nur drei Fragen, auf die eine Zeitung Antworten geben will, die nun erstmals erschien. Ihr Titel: Get up – Rechte Trends durchkreuzen. Herausgeber ist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Region Niedersachsen Mitte.

Was es mit dem Blatt auf sich hat, erklärt Charly Braun (Antifa-Steuerungsgruppe DGB Niedersachsen) gegenüber der Rundschau. Unterstützung bekommt er dabei von André Aden (Freier Journalist Recherche Nord), der mit zur Redaktion der Zeitung zählt. In den Beiträgen werden verschiedenste Bereiche beleuchtet – beispielsweise, wie Schüler aus Walsrode gegen Nazis mobil machen, wie sich Verden wehrt oder wie Rockmusik als Köder für die Nazis missbraucht wird. "Wir zeichnen ein aktuelles Bild der Szene“, erklärt Aden. Zudem bietet die Zeitung diverse Kontaktadressen, bei denen man mehr Infos zum Thema bekommen kann.

Finanziert wird das Blatt vom DGB, abgegeben wird es kostenlos. Die Auflage beträgt 100.000 Stück. "Die Nachfrage ist groß“, berichtet Braun. Vorrangig wird die Zeitung an Schüler und Jugendliche verteilt. "Der Aufklärungsgedanke steht für uns weit oben“, so Aden. Der Gesellschaft müssten die Augen geöffnet werden: "Es gibt Neonazis und die sind auch wirklich aktiv.“ Auch wenn sich ihr Erscheinungsbild in den vergangenen Jahren geändert habe. Tragen sie heute chice Anzüge, geben sie sich modern und kommen wie die netten Jungs von nebenan rüber, blieben sie doch Neonazis. "Wir ziehen sie aus und zeigen ihre braune Hose“, erklärt Braun.

Erst einmal wird es bei der einen Ausgabe von "Get up“ bleiben. Diskutiert wird bei den Herausgebern aber bereits, ob es später weitere Publikationen geben könnte. Ausgeschlossen ist das nicht. Wer sich für das Blatt interessiert – beispielsweise, um es an seiner Schule zu verteilen -, kann sich an jedes DGB-Büro wenden. Kontaktdaten gibt es im Internet auf www.hannover.dgb.de.

Einen ähnlichen Gedanken wie "Get up“ verfolgt die 120 Seiten starke Broschüre "rechtsabbieger – die unterschätzte Gefahr: Neonazis in Niedersachsen“. Die wurde gemeinsam vom Weser-Kurier und NDR Info herausgegeben. Auch auf diese machen Braun und Aden aufmerksam. In fünf Kapiteln wird berichtet, wie Jugendliche nach rechts abrutschen, wie es sich in der braunen Welt lebt, wer in der Szene das Sagen hat, wie Neonazis sich in den Alltag einschleichen und was gegen rechte Tendenzen wirkt. "rechtsabbieger“ klärt ausführlich über die Szene auf, zerrt Hintermänner an die Öffentlichkeit und zeigt auf, wie extremistische Strippenzieher ihre menschenverachtenden Einstellungen verbreiten und sie teils hinter intellektuellen Fassaden verstecken wollen.

"Verschweigen macht keinen Sinn“, appelliert Aden, der auch an dieser Publikation beteiligt war. "rechtsabbieger“ ist quasi der Nachfolger der Broschüre "Sie marschieren wieder“, die vor einigen Jahren erschien. Aufklärung, Information und Prävention stehen im Mittelpunkt. "In Bezug auf die Neonazis muss man einfach sagen: Wir haben ein Problem und müssen das auch beim Namen nennen“, so Aden. Ein Schwerpunkt von "rechtsabbieger“ widmet sich übrigens dem Gebiet Lüneburger Heide und ist daher für die Region besonders interessant – gerade auch im Hinblick darauf, wie die Rechten in manchen Orten geduldet werden und ihr Treiben unter dem Deckel gehalten wird.

Die Broschüre (Auflage 20.000 Stück) wird Schulen zur Verfügung gestellt. Interessierte können sie aber auch kaufen, im Buchhandel über die ISBN-Nummer 978-3-938795-05-7. Als pdf-Dokument ist die Broschüre kostenlos beispielsweise auf der Seite des Weser-Kuriers zu finden. Lesenswert ist sie übrigens nicht nur für Schüler, sondern für alle Altersklassen.

Klar ist: "Neonazis sind keine Demokraten, selbst wenn sie versuchen, sich so darzustellen“, so Aden. Eine gleichberechtigte gesellschaftliche Debatte, ergänzt Braun, dürfe es mit den Rechten nicht geben. © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG
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