achteinhalb - Kino & Kultur e.V.
achteinhalb
Kino & Kultur e.V.
Liebes Publikum,diesmal eine etwas längere, persönliche Email von mir zum Status des Kino achteinhalb und ich werde mal meine Meinung zu Themen und Gerüchten äußern, die immer wieder mal an uns rangetragen werden: Kammerkino, Palasttheater, Kinderkino, Zuschauerschwund.
Ich schreibe aus meiner Sicht, diese wird nicht repräsentativ für das gesamte achteinhalb sein. Ich sage dies vor allem, weil diese Zeilen wie meistens nicht haargenau abgestimmt sind, sozusagen nicht redigiert sind.
Vorab: anlässlich dieser mir relativ wichtigen Mail, habe ich ungefragt unseren newsletter, um alle Adressen, die mal an achteinhalb@web.de gemailt haben, erweitert. Hier ist daher der Link, um sich ggf. wieder aus dem newsletter auszutragen:
Newsletter
achteinhalb – Kino & Kultur e.V. wurde vor 13 Jahren von 8 Frauen und Männern gegründet, ich bin von diesen 8 das letzte aktive Gründungsmitglied. Das achteinhalb hatte momentan aktive 9 Mitglieder und 6 Fördermitglieder, insgesamt hatten wir mit diesen in den 13 Jahren 39 Mitglieder.
Kino achteinhalb ist meines Wissens nach in seiner Form ein einmaliges Kulturprojekt in Deutschland und wie ich finde eine Erfolgsgeschichte. Wir hatten super gut besuchte Veranstaltungen, haben Filme gezeigt, die sonst nie in unsere Region gekommen wären, wir hatten 11 grosse Theaterveranstaltungen, zahlreiche Lesungen, viele Menschen haben sich im achteinhalb getroffen und kennengelernt.
Oskar Ansull schrieb uns zum zehnjährigen Jubiläum, dass uns klar seine müsse, dass dieses Jubiläum etwas ganz Besonderes sei, da normalerweise unabhängige Kulturinitiativen nicht so lange bestehen würden.
Alles hat seine Zeit, Menschen und Verhältnisse ändern sich. Deswegen habe ich auch nicht die Erwartung, dass es das achteinhalb ewig geben wird oder es sein Form nicht irgendwann nachhaltig ändert.
Um es vorwegzunehmen, der Publikumszuspruch ist im letzten halben Jahr zu mau, um damit unser Programm zu finanzieren, außerdem nagt die abnehmende Resonanz langsam an der Motivation. Ich z.B. habe seit Wochen die Internetseite, in die ich oft sehr viel Arbeit und Liebe gesteckt habe, nicht mehr ordentlich gestaltet, da es für mich frustrierend ist, Filmkunst wie Yella aufwendig zu beschreiben und dann zu sehen, dass nur 7 oder 12 Leute gekommen sind. Ich bin im achteinhalb für das Programm hauptverantwortlich. Ich finde unser Programm im Dezember/Januar war ein super Programm, in dessen Erstellung viel Arbeit steckt. Zuschauerzuspruch hatten wir aber nur bei Filmen, die mainstreamig waren oder denen der Ruf einer Komödie vorauseilte. Zu unseren andere Filme hab ich oft gehört: "die klingen so düster, da habe ich keine Lust drauf". Die Menschen, die dann im Kino waren, empfanden die Filme zwar oft überhaupt nicht als düster, aber man kann halt anstandshalber nicht jeden Film als Komödie etikettieren. Es gibt zudem wenig gute Komödien.
Nun möchte ich an dieser Stelle klar sagen, dass ich mich nicht an einem Projekt beteiligen werde, dass hauptsächlich Mainstream Kino zeigt, wer das sehen möchte, findet da ja bereits im Kammerkino ein gutes Angebot.
Wir fragen uns woran der Zuschauerschwund liegen mag: Ist es die Konkurrenz durch andere Kinos, Heimkino, anderen Veranstalter, ist unser Publikum mit uns alt geworden, will sagen hat sein Ausgehverhalten geändert, sind wir im Laufe der Jahre unspannend, selbstverständlich geworden, gibt es eine Kritik an uns? Ist es die Summe verschiedener Gründe ? Was uns überrascht, dass ein Teil des Stammpublikum ganz ausbleibt, also nicht weniger sondern so gut wie gar nicht mehr kommt.
Das Kammer sehe ich nicht als Konkurrenz zu uns, zudem haben wir zum Kammer - spätestens nach dem Betreiberwechsel – ein kollegiales Verhältnis, Mitarbeiter des Kammer haben uns z.B. bei technischen Problemen mit unserem Projektor unterstützt. Bevor wir unser Programm machen, gleichen wir das mit dem Kammer dahingehend ab, ob die Filme, die bei uns zur Auswahl stehlen, bereits im Kammer liefen.
Das Kammer hat sich ja zudem vor Jahren an den Filmkunstabspielring der nordmedia gehängt. Wenn ich auf den aktuellen Flyer der Filmkunsttage – Montagskino - schaue stehen dort 12 Filme, davon liefen 4 auch bei uns. „Kann das Liebe sein“ bei uns am 29.9. im Kammer am 28.1.08, „Full Metal Village“ bei uns am 26.10. im Kammer am 4.2.08, „Yella“ bei uns am 7.12. im Kammer am 23.12., „Sterben für Anfänger“ bei uns am 22.12. im Kammer am 11.2.08
Die nordmedia hatte uns Jahre bevor das Kammerkino den Abspielring abonnierte angeboten, ihren Abspielring zu spielen. Das hätte uns zwar viel Arbeit und auch erhebliche Fixkosten gespart, aber es entspricht nicht unserem Verständnis vom achteinhalb, wir wollen nicht nur Filmabspielstätte sein, sondern ein Programmkino sein, unser eigenes Programm gestalten, das auf unseren Programmvorstellungen beruht und uns die Möglichkeit einräumt, mit Menschen aus der Region gezielt zu kooperieren.
Wir sehen das Kammer nicht als Konkurrenz zu uns. Grundvoraussetzung für die Entstehung und Erfolg des achteinhalb, war zudem, dass das Kammer jahrelang so gut wie keine Filmkunst zeigte. Wir haben halt das gespielt, was das Kammer nicht wollte oder konnte. So ist es ja im Prinzip auch jetzt noch, wenn ein Film ne Woche lang im Kammer lief, läuft er anschließend nicht im achteinhalb. Sprich was bei uns läuft, lief vorher nicht im Kammer. Jeder Filmverleih ist natürlich froh wenn er seinen Film im Kammer plazieren kann statt im achteinhalb, das ist normal und diese Interessen respektieren wir auch..
Das Palasttheater, wiederum sehe ich als Konkurrenz zu uns.
Eine Politikerin - Stadtratsmitglied - sagte kürzlich zu mir, wie toll für Celle, dass es zwei Kinos wie das Palast und das achteinhalb hat. Ich meinte für die Stadt mgl. auf den ersten Blick ne zeitlang toll, aber nicht für die Kinos, weil Celle für 2 Kinos zahlenmässig nicht das Publikum hat.
Niemand weiss wie lange es noch das Palasttheater geben wird – die wackere Frau Zeleniak ist ja bereits 80 Jahre alt. Im Palast werden Filme gezeigt, die zum Teil sonst bei uns laufen würden oder könnten. Es kam auch mehrmals vor, dass wir einen Film, den wir leihen wollten, nicht bekamen, weil das Palast ihn bereits geliehen hatte.
Das Angebot des Palast richtet sich – wie gesagt - teilweise an ein ähnliches Publikum wie das achteinhalb. Sprich wer wochentags ins Palast geht, geht Freitag vermutlich nicht mehr ins achteinhalb. Uns wird immer wieder gesagt, warum wir nicht mit dem Palast kooperierten. Das achteinhalb steht all die Jahre für Kooperation. Was das Palast angeht hatte ich u.a. auch den Seniorenbeirat beraten bei der Einführung des Seniorenkinos im Palast – das ich für ne gute Sache halte, die auch ins Palast gehört und hatte seinerzeit Frau Zelezniak die Kinotechniker vermittelt, die im Palast die gesamte Technik eingebaut haben. Wir hatten dem Palast im Juni 2006 schriftlich einen Kooperationsvertrag vorgelegt, der in unseren Augen fair und sinnvoll war. Grob gefasst lautete das Angebot, wir teilen uns die Kosten, der Film läuft Freitag und Samstag im achteinhalb und die nächsten 12 Tage im Palasttheater. Ein Gespräch hierüber wurde abgelehnt. Im Gegenteil wurden seitens des Palast immer wieder in böswilliger Manier gehässige Geschichten über das achteinhalb respektive mich in Umlauf gesetzt. Am 11. Juni sollte im Palast laut Flyer innerhalb des Seniorenkinos „Darf ich bitten“ laufen, aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem Palast weigerte sich Buena Vista, dem Palast nochmal einen Film zu leihen. Daraufhin wurde ich seitens des Palast bearbeitet diesen Film fürs achteinhalb zu leihen und dann dem Palast zu überlassen. Ich sagte, ich werde Buena Vista anbieten, dass das achteinhalb leiht und bezahlt, aber ich werde keine falschen Angaben machen was den Spielort angeht. Tessa Brunke von Buena Vista sagte mir, sie würden dem Palast auch gegen Vorkasse keinen Film mehr leihen. Daraufhin kam in Celle das Gerücht auf, ich hätte bei Buena Vista dafür gesorgt, dass das Palast diesen Film nicht bekäme, ich hätte die Programmreihe des Seniorenkinos sabotiert. Daraufhin habe ich nochmal mit Buena Vista und dem Familienbüro/Seniorenbeirat der Stadt Celle gesprochen. Buena Vista hat gegenüber der Stadt Celle klargestellt, dass ich mich im Gegenteil für das Palast verwendet hätte. Die Beteiligten trafen letztlich ein Übereinkommen so dass der Film dann laufen konnte.
Ein weiteres Gerücht, dass sich hartnäckig hält, lautet: im achteinhalb würde man ja eh nicht reinkommen, wäre ja immer ausverkauft. Dass Leute nach Hause gehen mussten, weil wir ausverkauft waren, kam zwar verschiedene Male vor, liegt aber Jahre zurück. Wer sicher sein will ne Karte zu kriegen kann bei uns ja per Mail reservieren, demnächst werden wir auf unserer Internetseite sogar ne automatische Reservierungsfunktion haben.
Das achteinhalb kann mit seiner sehr dünnen Personaldecke professionellen Ansprüchen nicht kontinuierlich gerecht werden. Deswegen kann es schon mal vorkommen, dass das Programm erst auf den letzten Drücker fertig wird, der Flyer mal später kommt oder sonst mal irgendetwas nicht klappt. Wir arbeiten in unserer Freizeit fürs achteinhalb und bezahlen 10 Euro Mitgliedsbeitrag im Monat, um den Laden am Laufen zu halten. Benzingeld, Telefonkosten und ähnliches werden nicht erstattet. Ganz früher hatten wir dazu noch selber Eintritt gezahlt und den Verzehr bezahlt. Wir nehmen zwar 4,50 Euro Eintritt, aber damit könnten wir keine Technik finanzieren unser Ehrgeiz ist es, mit dem Eintritt die reinen Filmkosten von ca. 150 Euro in der Woche zu decken, was uns ja auch über die Jahre weitestgehend gelungen ist. Meine Bitte ans Publikum ist, sich aktiv um unser Programm zu bemühen und auf unsere Internetseite zu gucken, was im achteinhalb läuft. Momentan ist die Seite zwar nicht so super – wegen meiner angesprochenen Motivationsprobleme - wie die Monate zuvor, aber das bessert sich wieder. Das Programm für Februar/März ist aus selben Grund leider auch noch nicht fertig.
Warum die Leute ausbleiben wissen wir wie gesagt nicht, es kann ja auch ne normale Entwicklung sein, andere, neue Veranstaltungsorte. Ein Kulturexperte sagte mir, dass ginge vielen Kulturtreffs ähnlich, das Publikum sei in die Jahre gekommen, hätte ihr Freizeitverhalten geändert und neues Publikum für dieses Angebot wüchse nicht nach.
Also der Lauf der Zeit, das wäre dann ja auch okay. Ich möchte lediglich ohne Umschweife aus meiner Sicht informiert haben. Wenn das achteinhalb seine Zeit – gute Zeit - gehabt hat, ist das okay. Ich möchte nur nicht, dass es so ähnlich läuft wie vor Jahren bei dem Käsefachgeschäft in der Passage, das dicht machte. Und die Käseleute mir erzählten, dass viele Leute, die dort seit Jahren kaum noch eingekauft hätten, ihnen anläßlich der Schließung sagten, wie überrascht sie von der Schließung seien und wie traurig sie das fänden.
Es gibt auch Sachen, die mich immer gewundert haben:
Dass nicht mehr Menschen im achteinhalb mitmachen, das achteinhalb und seine Infrastruktur nutzen. Mehr als 12 aktive Mitglieder waren wir nie, meistens 7 bis 8 aktive Mitglieder.
Dass nicht mehr Leute einfach nach dem Film im achteinhalb verweilen.
Dass es bisher nicht gelungen ist, Kinderkino und politisches Kino zu etablieren. Wir haben Superton, nen super DVD-Player und Beamer, leider aber arbeitstechnisch nicht die Kapazität mehr Veranstaltungen anzubieten. Also man muss bei uns nur aufschliessen, Strom einschalten und ne DVD einwerfen. Das bieten wir wie Sauerbier an, könnt unser Kino kostenlos haben, wenn ihr Veranstaltungen anbietet, das ist nicht an eine Mitgliedschaft geknüpft. Unser Interesse ist es regelmässig Kinderkino anzubieten für umsonst oder wenig Geld. Eintritt maximal 2 Euro, am liebsten gar kein Eintritt. Wir unterstützen das so gut wie uns möglich, auch finanziell.
Das gleiche gilt für politisches Kino.
Generell sind wir sehr an Feedback interessiert.
Jedenfalls laden wir so oder so ein und zwar zu unserem 13jährigen Jubiläum. Und zwar am Freitag, den 29. Februar und Samstag, den 1. März. Was wann genau läuft, vermutlich einmal der namensgebende Film achteinhalb von Federico Fellini und einmal Kurzfilme, teilen wir im Februar mit.
mit schönem Gruß
achteinhalb - Kino & Kultur e.V.
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