Samstag, 01.03.2008 Antifaschistische Demo gegen die Verherrlichung von Agnes Miegel 14.00 Uhr Bahnhofsvorplatz Bad Nenndorf
Wer war Agnes Miegel?
Agnes Miegel war mehr als nur eine heimatverbundene Schriftstellerin. Kennen werden sie nur wenige eingefleischte Literaturkenner und die Mitglieder der "Landsmannschaft Ostpreußen". Denn besonders dort ist sie hoch angesehen und wird immer noch liebevoll "Mutter Ostpreußens" genannt. Mit ihren Gedichten huldigte sie dem Führer Adolf Hitler und unterstützte sie die Eroberungskriege des deutschen Reiches. Als Senatorin der Preußischen Akademie war sie selbst Stütze des NS-Regimes. Nach der Befreiung Deutschlands ist sie ihrer faschistischen Ideologie treu geblieben und unterstützte neofaschistische Organisationen. Aber gerade diese politische Agnes Miegel wurde ignoriert, wenn sie für unzählige Straßen, Schulen usw. zur Namenspatronin wurde. Diejenigen, die an diesen Straßen wohnen oder die Gebäude nutzen, wissen oft nichts von diesen Hintergründen oder blenden diese bewusst aus.
Agnes Miegel im Faschismus
Doch wer war Agnes Miegel? Sie wurde am 9. März 1879 in Königsberg geboren und starb am 26. Oktober 1964 in Bad Salzuflen. In der Zeit von 1920-26 war sie bei der "Ostpreußischen Zeitung" für das Feuilleton zuständig. Miegel schrieb vor allem Erzählungen und Lyriken über ihre Heimat Ostpreußen. Nicht nur tief verwurzelt in ostpreußischen Boden war Agnes Miegel, sondern auch vom christlichen Weltbild geprägt. Schon in den 20er Jahren war sie bei den konservativen Zeitgenossen hoch angesehen.
Bereits 1933 wurde sie Mitglied in der nazistischen "Deutschen Akademie der Dichtung". Und während der NS-Zeit überhäufte man sie mit Ehrungen, bekannte sie sich doch immer wieder in der Öffentlichkeit zum NS-Staat. Von ihr stammen glorifizierende Hymnen auf Adolf Hitler wie z.B.: "Neid hat er und Bruderhass gestillt. Unsere Herzen, hart von Not und Krieg, hat mit seinen glühenden, glaubensvollen Worten er durchpflügt wie Ackerschollen, bis ein neuer Frühling auf uns stieg".
Der 08. Mai 1945 war keineswegs das Aus für die Schriftstellerin. In Bad Nenndorf, wo Agnes Miegel nach dem Krieg lebte, wurde sie sogar zur Ehrenbürgerin ernannt.
Wie wenig unbeleckt Miegel war, wird deutlich, wenn selbst im eher als konservativ einzustufenden Brockhaus-Enzyklopädie zu lesen ist: " (...) Sie griff Tendenzen der Heimatkunst auf und ließ Blut-und-Boden-Romantik und Sympathien mit den national-sozialistischen Ideen erkennen." Die Miegel-Biografin und -Freundin Anni Piorreck will uns hingegen glauben machen, dass dem nicht so sei wenn sie schreibt: "Ohne das Agnes Miegel auch nur den geringsten Kontakt zum Nationalsozialismus gehabt hätte (...)" oder "Im Jahre 1937 trat Agnes Miegel in die N.S. Frauenschaft ein und wurde 1940 von da aus in die NSDAP überwiesen." Die NS-Frauenschaft verstand sich als Elite, denn in die NSDAP wurden nur rassisch und sozial "wertvolle" Frauen aufgenommen. Sie nahm unter den faschistischen Frauenorganisationen eine maßgebliche Rolle ein.
Die zum Dunstkreis der "Landsmannschaft Ostpreußen" gehörende und gut 700 Mitglieder umfassende "Agnes-Miegel Gesellschaft" veranstaltet Seminare zu Ehren von Miegel. Referentin war u.a. Dr. Beate Sörtkuhl vom Bundesinstitut für ostdeutsche Kultur und Geschichte in Oldenburg. "Als einzige wissenschaftliche Einrichtung ist das Bundesinstitut auch nicht geographisch auf einen bestimmten Bereich gegrenzt (...)" (BMI, 1997)
Das ehemalige Wohnhaus von Agnes Miegel ist heute "Gedenkstätte und Museum" (Agnes-Miegel-Platz 3 in Bad Nenndorf) der Agnes-Miegel-Gesellschaft
Für den Abriss des Miegelhauses in Bad Nenndorf!!
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