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Rechte Pöbeleien vorm „Deutschen Haus“ - HAZ Online

27. März 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Artikelserie "Ludendorffer"

Rechte Pöbeleien vorm „Deutschen Haus“

Sie kamen aus aller Herren Länder, auch eine Nichte Nelson Mandelas war in das Heidedorf gereist. Doch der Empfang war alles andere als freundlich. Aufgebrachte Dorfbewohner zeigten der dunkelhäutigen Frau den Stinkefinger. „Kanaken raus“, brüllten sie. Und: „Schade, dass die Nazis nicht mehr am Ruder sind.“



Klatschend und tanzend in Dorfmark: Die Demonstration einer internationalen Jugendgruppe sorgte für einen Eklat.
Die Schmährufe galten einer Gruppe von 70 Jugendlichen unterschiedlicher Hautfarbe, die nach Dorfmark (Kreis Soltau-Fallingbostel) gekommen waren, um gegen die Ostertagung einer Vereinigung zu protestieren, die sich „Bund für Gotterkenntnis“ oder schlicht „Ludendorffer“ nennt.

Die „Glaubensgemeinschaft“ hält die rassistischen Ideen Mathilde Ludendorffs in Erinnerung, der 1966 verstorbenen Witwe des gleichnamigen Generals und Kampfgefährten Adolf Hitlers, die vor Rassenvermischung warnte und Juden als „Blutegel am Volksgut“ bezeichnete.

Doch bei ihrer Demonstration trafen die Jugendlichen nicht auf die Ludendorffer, sondern auf einheimische Dorfmarker. Und die stellten sich vor die Tagungsteilnehmer und schleuderten den Demonstranten ihre ganze Wut und Verachtung entgegen.

Die Jugendlichen waren aus zehn Ländern nach Deutschland gekommen, um sich über den Holocaust zu informieren – aus Israel, den Niederlanden, Osteuropa und aus Südafrika. Die Gruppe aus Südafrika wurde betreut von Pumeza Mandela, einer Nichte des früheren Präsidenten.

Bei einem Workcamp auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen hatten sie sich auf Spurensuche begeben. Am vorletzten Tag ihres Deutschlandaufenthaltes aber waren sie dann nach Dorfmark gekommen, um sich der Gegenwart zuzuwenden.

„Youth against racism“ (Jugend gegen Rassismus) skandierten sie, während sie sich klatschend und tanzend über die Dorfstraße bewegten.

„Wir sprechen hier deutsch, wir sind hier in Deutschland“, brüllten ihnen da einige Dorfmarker zu. Und einer der Dorfbewohner zeigte Pumeza Mandela den Stinkefinger und rief: „Geh lieber arbeiten, Kanake.“ Die Polizei hatte zuvor acht schwarz gewandeten Neonazis einen Platzverweis erteilt – „Autonomen Nationalisten“ aus dem Nachbarort Soltau, die von einem Informationsstand der örtlichen SPD angelockt worden waren, die ebenfalls gegen die „Ludendorffer“ protestierte.

Die Pöbeleien der Dorfbewohner gegen die Workcamp-Gruppe dagegen werden im Polizeibericht als „Unmutsäußerungen“ abgetan.

Ihren „Unmut“ äußert auch Ingrid Koch. „Für uns sind die ‚Ludendorffer‘ gern gesehene Gäste“, sagt die Hotel-Managerin des „Deutschen Hauses“. „Die halten hier seit 1970 ihre Tagung ab und haben mit Hitler und Fremdenfeindlichkeit nichts im Sinn.“ Der ganze Ort profitiere von der Ostertagung der 100 bis 120 Gäste, die Jahr für Jahr nach Dorfmark kämen.

Entsprechend groß sei nun der Widerstand gegen die Demonstranten gewesen. „Sie spüren, das ‚Deutsche Haus‘ wird angegriffen“, sagt Ingrid Koch. „Und die Dorfmarker stehen zum Deutschen Haus.“ Die „Kanaken raus“-Rufe lehne man selbstverständlich ab. „Davon distanzieren wir uns. Wir sind ein internationales Hotel, bei uns ist jeder gern gesehen, egal, welcher Hautfarbe oder Nationalität.“

Deutlicher distanziert sich der stellvertretende Bürgermeister Steffen Ahrens von den rechten Pöbeleien in seinem Dorf. „Das ist schon sehr schlimm“, sagt der Sozialdemokrat. „Dadurch entsteht der Eindruck, dass Dorfmark ein braunes Nest ist – ein Eindruck, der nicht den Tatsachen entspricht.“

Die Dorfmarker hätten sich an die Treffen der „Ludendorffer“ schlicht gewöhnt, sagt Ahrens. Um sie aus ihrer Gleichgültigkeit herauszureißen, habe die SPD einen Infostand errichtet. „Da müssen wir einfach Stellung beziehen.“

Pumeza Mandela ist mittlerweile wieder nach Südafrika zurückgekehrt. Die Eindrücke ihres Deutschlandaufenthalts sind durch den Dorfmark-Besuch deutlich eingetrübt. „Das hat mich schon entsetzt“, sagte die 34-Jährige vor ihrer Heimreise: „Das hätte ich nicht erwartet.“

von Heinrich Thies


Veröffentlicht am 24.03.2008 23:15 Uhr
Zuletzt aktualisiert am 24.03.2008 23:15 Uhr


und der Artikel in der WZ
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