Rassistische Pöbeleien gegen Internationale Jugendgruppe
Internationales Jugendcamp Bergen-Belsen studiert Holocaust und erlebt aktuellen Rassismus
Bergen-Belsen/ Celle. Zehn Tage nahmen 70 Jugendliche aus Israel, Niederlande, Südafrika, Deutschland und sechs osteuropäischen Staaten am 14. Internationalen Jugendworkcamp der christlichen und gewerkschaftlichen Jugendverbände teil. Sie beschäftigten sich mit den Verbrechen von Nazis und Wehrmacht im KZ und den Lagern für sowjetische Kriegsgefangene von Bergen-Belsen. Arbeit im Archiv, Pflege der wenigen Fundamentreste, theoretische, künstlerische und musikalische Auseinandersetzung waren die Methoden, um über Opfer, Täter und Neofaschismus mehr zu erfahren. Ein Höhepunkt waren Zeitzeugengespräche mit Yvonne Koch und Anita Lasker-Wallfisch. Letztere überlebte, weil sie im Mädchenorchester Auschwitz spielte.
Bei einer Stadtführung in Celle mit Reinhard Rohde erfuhren sie, wie der Weg zur Nazi-Diktatur beschritten wurde und welchen Widerstand es gab. Allein die Geschichte der Synagoge zeigt, wie Menschen zu Tätern werden und trotz großer Verbrechen nach 1945 wieder öffentliche Spitzenpositionen erreichten.
Sehr angetan war die internationale Gruppe von der alternativen Jugendkultur im «Bunten Haus». Kulturangebote, Unterstützung von Flüchtlingen, gemeinsames Kochen und Engagement gegen Nazis beurteilten die jungen Russen, Slowaken, Israelis und all die anderen als «super» und nachahmenswert. Dass sozialer gleichberechtigter Umgang und selbstorganisiertes gemeinsames Leben vor Rassismus im eigenen Kopf schützt, konnte Pumeza Mandela den Akteuren des Bunten Haus, aus eigener Erfahrung, bestätigen. Die südafrikanische Delegationsleiterin ist die Nichte des Antiapartheitskämpfers und späteren Präsidenten Südafrikas, Nelson Mandela.
Die Neonazis fordern seit langem die Schließung des Bunten Hauses. Jetzt muss sich das «Bunte Haus» einer Kampagne von Polizeichef, Oberbürgermeister und Cellesche Zeitung erwehren. Der Antifaschismus ist ihnen ein Dorn im Auge.
Besichtigt wurde auch der größte westeuropäische Truppenübungsplatz Bergen, zu dem die Lager gehörten und von dem nicht nur die Kriege der Nazis ausgingen.
Die internationale Gruppe wurde durch gemeinsames Arbeiten und Erleben zur Gemeinschaft. So war es selbstverständlich, gut informiert den Protest gegen die rassistischen Ludendorffer in Dorfmark zu unterstützen. Dort schlug ihnen blanker Hass von Bürgern entgegen, der sie um so mehr in der Richtigkeit ihres Tuns bestärkte.Rassistische Pöbeleien gegen Internationale Jugendgruppe
Bad Fallingbostel-Dorfmark. Am Ende des zehntägigen Internationalen Jugendworkcamps Bergen-Belsen unterstützten die 72 Jugendlichen aus Niederlande, Israel, Südafrika, Deutschland und 6 osteuropäischen Ländern mit Transparenten, Straßentanz und «Youth against racism»-Rufen (Jugend gegen Rassismus) die Proteste von SPD, Grünen, Gewerkschaften und Antifa-Initiative am Karfreitag 21.3.08 gegen die Ostertagung des rassistischen «Bund für Gotterkenntnis (Ludendorffer) e.V.», in Dorfmark. Nach deren «Glauben» strebt die «jüdische Schachtrasse» mittels ihrer Tarnorganisationen Kirchen, Kommunisten, Freimaurer die Weltherrschaft an. Bekannte Nazis nehmen immer wieder bei den Ludendorffern teil. Die Ostertagung ist seit ca. 30 Jahren eine gute Einnahmequelle für Hotels, Gaststätten und Pensionen. Ein Grund, wie VVN/BdA und Antifas vermuten, warum Proteste dagegen kaum in der Lokalpresse landeten.
Das Antifaschistische Kreisbündnis aus Parteien-Gewerkschaften-Initiativen muss dagegen nach Fallingbostel ausweichen, weil in Dorfmark weder Kirche noch Gaststätten Räume für Informationen über Ludendorffer vermieten. Bündnisorganisator Charly Braun/ DGB: «Andernorts hat der Hotel- und Gaststättenverband beschlossen, keine Nazis und Rassisten zu bewirten. Das muss auch in Dorfmark möglich sein». Nazis zu bewirten oder nicht zu bewirten, nennt Annette Schütz vom SPD-Kreisvorstand eine «Entscheidung».
Während die Polizei den hannoverschen und örtlichen Nazis der «Autonomen Nationalisten» Platzverweise erteilte, pöbelten und beleidigten etliche Dorfmarker Männer die internationale Gruppe mit Rufen wie: «Ölaugen», «Kanaken raus», «unter Hitler haben die Neger nicht auf der Straße getanzt», «hier wird deutsch gesprochen», «Affen in den Urwald». Ein Mann, der sich gegenüber Journalisten als CDU-Mitglied vorstellte, behauptete lauthals in die Mikrofone, dass alle Ausländer kriminell seien, und er zeigte den Demonstranten den Stinkefinger. Die Polizei schritt nicht dagegen ein und nahm eine Strafanzeige wegen Beleidigung und Volksverhetzung einfach nicht an.
Wer die Proteste gegen die Ludendorffer unterstützt, muss sich vom Internet bis vor seiner Haustür Kritik und Beschimpfungen anhören: Dorfmark würde in den Dreck gezogen und dem Tourismus geschadet.
Auf der Altermedia-homepage schwär-men Nazis: «Es gibt sie also noch: Aufrichtige und tapfere Deutsche Volksgenossen. Schööööön». Seitenlang liest man z.B. «Neger-Aufstand» in Dorfmark», «Steckt die Affen in ein Klo und spült sie weg wie Scheiße», «scheint doch lediglich der Aufenthalt im KZ Bergen-Belsen vollkommen unproblematisch und schön gewesen zu sein. Wer hat das Tor aufgelassen?»
Das Gebräu aus sog. «Bürgerprotest», wirtschaftlichen Interessen an Nazis, friedlich erscheinenden rassistisch-religiösen Ludendorffern und bekannten Schlägern der «Autonomen Nationalisten» wurde vor allem durch Weser-Kurier, NDR-Radio und NDR-TV öffentlich. Jahrelang lehnte das Rathaus die Thematisierung der Ludendorffer ab: das sei Privatsache des Gastgewerbes. Jetzt wird Bürgermeister Reiner Schmuck/ CDU am 7.4.08 dem Rat eine Resolution vorlegen.
«In Deutschland hat Rassismus noch einen Boden, aber auch Menschen, die mit eigener Kultur und offenem Protest dagegen halten», kommentierten Pumeza Mandela und ihre neuen internationalen Freunde bei ihrer Abreise.
/image%2F1377997%2F20150108%2Fob_508aca_kban.jpg)