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Veteranen willkommen - aber nur inoffiziell

26. April 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

Schaumburger Nachrichten, Datum: 19.04.2008

Veteranen willkommen - aber nur inoffiziell

Stadt lehnt einen Empfang ehemaliger britischer Soldaten ab / Furcht vor
Aufkochen der Wincklerbad-Thematik


Für Ken Moore aus der englischen Grafschaft Norfolk und drei seiner einstigen
Kameraden soll es eine Reise in die Vergangenheit werden. Der ehemalige
Gefreite des "King's Regiments" der britischen Armee will für einige Tage
nach Bad Nenndorf zurückkehren. An den Ort, in dem er von 1946 bis 1948
lebte, die Alliierten bei der Befreiung der Region von den
Nationalsozialisten unterstützte und zudem zahlreiche Freunde fand. Einen
Empfang soll es seitens der Stadt nicht geben - diese Entscheidung ist im
Verwaltungsausschuss (VA) gefallen. Eine offizielle Audienz würde zu teuer,
heißt es nach außen. Hinter den Kulissen befürchten jedoch viele, dass die
Thematik um das britische Internierungslager im Wincklerbad wieder aufkochen
könnte.
Bad Nenndorf. Zahlreiche Türen befreundeter Familien stehen den vier hoch
betagten Briten in Bad Nenndorf offen, wenn sie am Pfingstwochenende
anreisen. Am Rathaus wird jedoch die Kette vorgehängt. Grund dafür seien die
Kosten, die für einen gebührenden Empfang anfallen würden, wie Stadtdirektor
Bernd Reese sagt. Es habe "Forderungen" der Gäste gegeben, wonach es unter
anderem ein Konzert hätte geben sollen. Er habe sich im Telefonat mit Moore
verständigt, dass dies so nicht umsetzbar sei.
Möglicherweise handelt es sich dabei um ein Missverständnis, das durch die
häufig in einem Mix aus gebrochenem Deutsch und Englisch gehaltene
Briefkorrespondenz Moores resultieren könnte. Im SN-Gespräch sagte Moore
(83), es tue ihm leid, dass seine Anregungen als Forderung herübergekommen
seien. Mit dem "Konzert" war das Anspielen alter Noten gemeint, die sein
einstiger Kamerad Harry Henshaw (82) als Klavierschüler des damaligen
Kurkapellmeisters Berger erhalten hatte. Diese lägen ihm vor. Der Musiker
György Kovács könnte diese spielen, meint Moore. Kovács würde dies auch
kostenlos tun, sofern er "grünes Licht" seiner Vertragspartnerin Silke Busche
(KurT) bekäme, sagt der Musiker den SN. "Ich habe nie einen hochoffiziellen
Empfang erwartet", erklärt Moore. "Nur eine höfliche Tasse Tee und ein
kleiner Plausch." Zudem wolle er der Bürgermeisterin ein Gastgeschenk
überreichen.
Vor rund zehn Jahren, als Moore schon einmal mit Freunden in die Kurstadt
reiste, hatte ihn die damalige Bürgermeisterin Christine Heringslack (CDU)
und Stellvertreter Werner Tatge begrüßt. Sie gestalteten einen kleinen
Sektempfang im Rathaus und unterhielten sich mit den Besuchern. "Die Stimmung
war sehr gut", erinnert sich Heringslack. "Die einstigen Besatzer sind damals
als Freunde gekommen, so sehe ich diese auch heute noch", sagt die
Politikerin - obwohl es bereits damals im Nachhinein politische Dissonanzen
auf ihren Empfang gegeben hatte. "Ich hätte mich besser informieren sollen,
schließlich seien die Briten einst Feinde gewesen", habe es sinngemäß
geheißen.
Die heutige Bürgermeisterin Gudrun Olk verweist auf Anfrage auf den
VA-Beschluss. Zudem sei sie zu Pfingsten im Urlaub und könne die Engländer
nicht begrüßen. Dass die Besucher Ron Crann, Ken Moore, Harry Henshaw und
David March als Besatzer von 1946 bis 1948 nichts mit den folternden Truppen
im Wincklerbad zu tun gehabt haben und der Kontakt zwischen diesen
Abteilungen streng untersagt war, weiß Olk zwar. Sie nennt es jedoch ein
"schwieriges Thema", das "in der Öffentlichkeit schlecht darzustellen ist".
Die Bad Nenndorfer CDU-Fraktionsvorsitzende Ellen Hültenschmidt dazu: "Wenn
sich die Bürgermeisterin nicht imstande sieht, die Gäste zu empfangen, will
ich sie nicht dazu zwingen." Zudem gehöre "die Sache der Vergangenheit an und
sollte dort auch angesiedelt werden", sagt Hültenschmidt mit Blick auf die
Besatzungszeit. "Die haben sich hier nicht mit Ruhm bekleckert."
Ähnlich sieht es Volker Busse (SPD). Er trage die VA-Entscheidung mit. Busse
sagt aber auch, dass es "Themen gibt, die mich in Bad Nenndorf mehr
interessieren". Andreas Fedler (SPD) will sich mangels Kenntnis zu der
Thematik nicht äußern. Für "unnötig" hält WGN-Sprecher Frank Steen einen
Empfang, gleich welchen Ausmaßes. "Der Besuch von Moore ist eher privater
Natur, persönlich um die Kurstadt verdient gemacht hat er sich nicht." Jedoch
vermutet Steen auch aus persönlicher Sicht: "Hier geht es nicht nur um
Kosten", das Thema habe "genug Trubel verursacht".
Jetzt ist der Historische Arbeitskreis mit Richard Jung und Ingrid Groth, zu
der Moore seit Jahrzehnten ein freundschaftliches Verhältnis pflegt,
eingesprungen und will eine Führung mit den Besuchern durch Bad Nenndorf
unternehmen. Zudem will Jung eine diplomatische Lösung für die Situation
erreichen.
Ken Moore ist enttäuscht über die politischen Entwicklungen in seinem
einstigen "Zuhause auf Zeit". Er habe bei seinem Kurzbesuch nur Gutes im
Sinn. Dafür hat er im Jahr 2004 den "Segen" von hoher Ebene bekommen: Der
damalige deutsche Botschafter in London, Thomas Matussek, dankte Moore als
Zeitzeugen in einer "wichtigen Rolle" schriftlich für dessen Initiative, "im
Geist der Versöhnung und des guten Willens aktiv Kontakte und Freundschaften
zu suchen - für ein besseres Verstehen in der Zukunft".
fox
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S
Auffallend dabei, dass mehrere der Akteure Mitglieder einer Partei (der<br /> SPD) sind, die zwischen 1933 und 1945 verboten war und die ihreBetätigung<br /> nach dem 8.Mai 1945 genau den Soldaten verdankt, die sie jetzt nicht<br /> einmal sehen wollen. Der Vorgang macht mich - fast - sprachlos.
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