Rezensionen
Rezensionen
- Das Frankreich der Reaktion
Von August Lindler
Der neue Präsident Frankreichs, Nicolas Sarkozy, hat schon in seinem Wahlkampf anlässlich der Riots in den Banlieues gezeigt, wie autoritärer Populismus zum Wahlerfolg führen kann. Der Journalist Bernhard Schmid zeichnet in der Neuerscheinung den Werdegang des französischen Präsidenten nach und setzt ihn ins Verhältnis zu den Entwicklungen der extremen Rechten in Frankreich. "Selten wurde Frankreich so weit rechts regiert", so der Autor. Den Erfolg von Sarkozy erklärt Schmid mit dessen Fähigkeit zur Modernisierung des Rechtspopulismus in Kombination mit wirtschaftliberalen Politikansätzen. Seine Parolen an "das Frankreich, das früh aufsteht und sich abplagt" haben eine nationalistische und immigrantenfeindliche Stoßrichtung und appellieren an die nationalkonservative Bürgerschaft, wobei auch der Teil bewusst einbezogen wird, der vorher zur FN-Wählerschaft gehörte. Sarkozy hat nach Ansicht des Autors bewusst Parolen von Le Pen übernommen und diese neoliberal transformiert.
Das Buch stellt in gut lesbarer und prägnanter Form die Rechte in Frankreich dar und stellt ihren Erfolg in den Kontext gesellschaftlicher Auseinandersetzungen um soziale und migrationspolitische Belange.
Ein Buch, dessen Lektüre lohnt!
Bernhard Schmid
Das Frankreich der Reaktion. Neofaschismus und modernisierter Konservatismus
Pahl-Rugenstein Verlag, Bonn 2007, 193 S., 14,90 Euro
- Räume der Neoliberalisierung
Von August Lindler
Die Neuerscheinung beinhaltet die Nachzeichnung der neoliberalen Wende hin zu einem neokonservativen Gesellschaftsmodell im internationalen Maßstab und die theoretische Auseinandersetzung mit Möglichkeiten zu gesellschaftlichen Alternativen. Der Autor David Harvey ist ein marxistisch orientierter us-amerikanischer Geograf. Er versucht, den Raum als Schlüsselbegriff für ein Verständnis und eine Ortbarkeit sozialer Kämpfe zu entwickeln (s. Matrix hierzu): "Es liegt auf der Hand, dass wir das sich wandelnde Terrain, auf dem sich politische Subjektivitäten formen und politisches Handeln stattfindet, nur verstehen können, wenn wir berücksichtigen, was im relationalen Sinne geschieht."
Harvey versucht, die Theorie des Raumes für eine materialistische Staats- und Gesellschaftsanalyse nutzbar zu machen und damit sozialen Kämpfen theoretische Grundlagen an die Hand zu geben.
David Harvey
Räume der Neoliberalisierung. Zur Theorie der ungleichen Entwicklung
VSA-Verlag 2007, 157 S., 14,80 Euro
- Kontroversen über den Zustand der Welt
Von August Lindler
Der kleine Band des operaistischen Theoretikers Karl Heinz Roth mit dem Titel "Der Zustand der Welt" hat deshalb Wirkung gezeigt, weil dort in prägnanter Form aus einer radikal linksemanzipativen Sicht jenseits ideologischer Scheuklappen ein theoretisch fundierter Blick auf die aktuellen Entwicklungen der sozioökonomischen Verhältnisse und Ansatzpunkte zu neuen sozialen Kämpfen geworfen wurde.
Der Sammelband erschien zum 65. Geburtstag des im Hamburg niedergelassenen Arztes und Mitherausgeber der Zeitschrift "sozial.geschichte" (früher: "1999").
Die Autorenschaft ist allesamt dem linken Denken verschrieben und daher findet sich in dem Band, der zugleich eine Festschrift für "Carlo" Roth ist, eine weit gefächerte Auseinandersetzung mit dem Oberthema Klassenzusammensetzung und soziale Kämpfe. Leider kommt die direkte Auseinandersetzung mit dem Band des Gefeierten zu kurz. Dieser Umstand verhindert jedoch nicht, den Sammelband als eine anregende Anknüpfung an die notwendige Debatte um zeitgemäße materialistische Analysen zum gegenwärtigen Kapitalismus und den Ansatzpunkten für soziale Alternativen hierzu zu begreifen und zu nutzen.
Marcel van der Linden/Christoph Lieber (Hrsg.): Kontroversen über den Zustand der Welt. Weltmarkt - Arbeitsformen - Hegemoniezyklen VSA-Verlag 2007, 253 S. 17,80 Euro
- 88 Fragen und Antworten zur NPD
Von Tanja Herrmann
Das Buch "88 Fragen und Antworten zur NPD" diskutiert Weltanschauung, Strategie und Auftreten der NPD. Fragen, die besonders dann im Licht der Öffentlichkeit stehen, wenn wieder ein Verbot der Partei auf der politischen Tagesordnung steht. Die Herausgeber Fabian Virchow und Christian Dornbusch haben nun ein Werk zusammengestellt, das - anders als viele oftmals spezialisierte Publikationen zu der extrem rechten Partei - als Handreichung für "Gespräche und Diskussionen, im Schulunterricht oder am Arbeitsplatz, der politischen Bildungsarbeit oder im Rahmen politischen Engagements" dienen soll. Gemeinsam mit 42 namhaften Autoren aus Wissenschaft, Journalismus und Praxis, darunter Andrea Röpke, Andreas Speit, Jan Raabe, Alexander Häusler und Rena Kenzo, geben sie jeweils in mehreren kurzen Beiträgen Antworten zu zwölf verschiedenen Themenblöcken. Neben der historischen Entwicklung, Weltanschauung und Strategie werden hier auch Positionierungen, Führungspersonal, Geschlechterfragen, Infrastruktur, Bündnispartner und die Verbotsdebatte diskutiert. Ein letzter Abschnitt befasst sich mit der Frage, wie der NPD entgegen getreten werden kann und gibt Empfehlungen beispielsweise für Schule und Jugendarbeit, Gewerkschaften sowie ein entschlossenes Handeln auf der Straße und in den Parlamenten. Einen von den Herausgebern bewusst provokant gewählten Vorgeschmack auf die manchmal "versteckte" Ideologie der NPD gibt bereits der Titel des Buchs. Die 88 steht für das Buchstabenkürzel HH, den achten Buchstaben im Alphabet, und damit für den verbotenen Gruß "Heil Hitler".
Zwar wird nicht jeder Artikel immer dem Anspruch gerecht, auch für nicht wissenschaftlich geschulte Leser leicht lesbar zu sein. Im Großen und Ganzen jedoch laden die kurzen und ohne Fußnoten geschriebenen Artikel sowie der Aufbau zum Lesen ein. Dabei eignet sich das Buch sowohl als Nachschlagewerk als auch zum Einstieg in das Themengebiet. Den Autoren ist der Balanceakt gelungen, trotz 44 Beitragenden ein stimmiges Werk zu erstellen.
Fabian Virchow, Christian Dornbusch (Hrsg)
88 Fragen und Antworten zur NPD. Weltanschauung, Strategie und Auftreten einer Rechtspartei - und was Demokraten dagegen tun können
Wochenschauverlag 2008, 336 S., 24,80 Euro
- Schwule Nazis
Von Johannes Lohmann
Das Verhältnis der extremen Rechten zum Thema Homosexualität ist nicht frei von Widersprüchen. Obwohl es auch in der NSDAP Schwule gab - prominentes Beispiel war der 1934 ermordete SA-Chef Ernst Röhm - wurden Homosexuelle im Nationalsozialismus verfolgt, interniert und ermordet. Der Neonaziaktivist Michael Kühnen bekannte sich in den 1980er Jahren offen zu seiner Homosexualität und stieß bei vielen seiner Kameraden auf Ablehnung. Auch heute gehören Schwule zu den Opfern der extremen Rechten - und dennoch gibt es schwule Nazis.
Markus Bernhardt beleuchtet in seinem Buch dieses Phänomen und stellt es in einen gesellschaftspolitischen Kontext. Denn auch in der schwullesbischen Szene sind rassistische und menschenverachtende Positionen zu finden, wie der Autor an Beispielen zur Diskussion um Homophobie bei MigrantInnnen verdeutlicht. Insbesondere bei einigen Szene-Medien sowie Verbandsfunktionären spiegele sich ein gesellschaftlicher Rechtsruck. Von den emanzipatorischen Forderungen der Schwulenbewegung hätten sie sich schon längst verabschiedet. Flankiert wird diese Entwicklung von einem weit verbreiteten Körperkult und dem Spiel mit rechten Codes und Kleidungsstücken.
Neben einigen theoretischen Abhandlungen kommen in Interviews der erste bekennende schwule Bundestagsabgeordnete Herbert Rusche und der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim zu Wort. Koray Yilmaz-Güney, Sprecher des Berliner Vereins Gays & Lesbians aus der Türkei (GLADT) erläutert das Bedürfnis nach einem ethnospezifischen Rückzug, für den langjährigen Aktivisten Gottfried Ensslin ist die Befreiung der Schwulen und Lesben ohne den Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus nicht möglich.
"Schwule Nazis" will sich nicht auf die vermeintliche Objektivität einer wissenschaftlichen Arbeit zurückziehen, sondern Position beziehen und mit dem Vorurteil aufräumen, dass Lesben und Schwule aufgrund der ihnen zuteil gewordenen Unterdrückung nicht für rechte Phrasen empfänglich wären. Die informative Mischung aus journalistischen Essays, Interviews und Dokumentation stellt einen lesenswerten Einstieg in diese Diskussion dar.
Markus Bernhardt
Schwule Nazis und der Rechtsruck in Gesellschaft und schwuler Szene
Pahl-Rugenstein Nachfolge, Bonn 2007, 164 S., 16,90 Euro
- Rechtspopulismus: Teil Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
Von Rainer Brahms
Unter Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wird ein Einstellungssyndrom verstanden, dessen theoretisches Konzept von WissenschaftlerInnen des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung entwickelt wurde. Im Rahmen eines breit angelegten Forschungsprojekts wird dort versucht, über einen längeren Zeitraum zu analysieren, in welchem Maße gesellschaftliche Minderheiten wie beispielsweise MigrantInnen, Obdachlose oder Behinderte von abwertenden und ausgrenzenden Einstellungen und diskriminierendem Verhalten betroffen sind und warum diese in den vergangenen Jahren Bestand haben oder sogar zunehmen. Seit dem Jahr 2002 werden jedes Jahr 2.000 repräsentativ ausgewählte Personen in Deutschland interviewt.
Im Rahmen dieses Projekts sind bereits zahlreiche interessante Studien entstanden, ausgewählte Ergebnisse werden jedes Jahr in der Reihe "Deutsche Zustände" veröffentlicht.
Sven Schönfelder kommt der Verdienst zu, auf Basis einer Kombination der Umfragedaten des GMF-Surveys aus dem Jahr 2003 mit der Analyse von Leserbriefen auf der Internetseite der REP-Parteizeitung und Interviews mit hessischen Kommunalpolitikern der Republikaner, das Phänomen des Rechtspopulismus im Konzept gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu verorten.
Kern der Analyse ist die Frage nach dem Potential gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der deutschen Bevölkerung. Schönfelder gelingt es nachzuweisen, dass spezifische Einstellungen wie autoritäre Aggression, Fremdenfeindlichkeit, Etabliertenvorrechte und sekundärer Antisemitismus, die zentrale Elemente im theoretischen Konzept gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit darstellen, eine ebensolche Rolle im Rechtspopulismus spielen. Dieser gilt Schönfelder als eine Art Abwehrmechanismus gegen minoritäre Bevölkerungsgruppen. Für die Entstehung rechtspopulistischer Einstellungen ist ihm zufolge insbesondere eine Kombination aus sozialstrukturellen Ursachen, individuellen Einstellungen und dezidiert ideologischen, politischen Orientierungen verantwortlich.
Sven Schönfelder
Rechtspopulismus. Teil Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
Wochenschau Verlag 2008, 242 S., 24,80 Euro
- Antisemitismus und radikaler Islamismus
Von August Lindler
Der Sammelband ist Ergebnis einer Tagung des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin im Dezember 2005. Angefügt wurde ein Beitrag zum Antisemitismus im Iran unter Mahmud Ahmadinedschad, andere länderbezogene Beiträge werfen einen Blick auf die Entwicklungen in Schweden und die Niederlande. Im Zentrum der Debatte steht das Verhältnis von Antisemitismus und Islamismus in der arabischen Welt.
Während ein Beitrag das historische Verhältnis von Nationalsozialismus und Antisemitismus beleuchtet, setzen sich vier Beiträge mit dem aktuellen Verhältnis von Antisemitismus und Islamismus auseinander. Hilfreich ist hierbei die Erläuterung des Autors Michael Kiefer zu Begriff und Genese eines islamisierten Antisemitismus.
Der Sammelband bietet einen interessanten Einblick in das Thema und ist frei von ideologisierten Debatten, die sonst bei diesem Thema oftmals prägend sind.
Wolfgang Benz/Juliane Wetzel (Hrsg.)
Antisemitismus und radikaler Islamismus
Klartext Verlag, Essen 2007, 218 S., 22,90 Euro
- Gestern Morgen
Von August Lindler
Kann man neunzig Jahre nach der russischen Oktoberrevolution ein Buch über die totalitären Auswüchse und zugleich über die "Re-Konstruktion einer kommunistischen Begierde" schreiben? "Wir können - wir müssen das sogar zusammen denken", so die Autorin Bini Adamczak. Die Autorin durchforscht die Geschichte der kommunistischen Bewegung und bürstet sie gegen den Strich. Konträr zu den zeitgeistkompatiblen Entsorgungen des Kommunismus durch die postmodernen Intellektuellen beharrt Adamczak auf das menschliche Recht auf ein freies Leben ohne Ausbeutung, auf eine kommunistische Gesellschaft. Allerdings: Ein Zurück zur "wahren Lehre", zu einem "ursprünglich reinem" Sozialismus kann es ihrer Ansicht nach nicht gegen. Es gibt keinen "wahren Sozialismus", sondern nur die reale Geschichte und die Lehren, die daraus gezogen werden können, so Adamczak. Die Autorin sucht daher bei den von der Partei "gesäuberten" Intellektuellen, den "Quertreibern", Kritikern, vom Glauben Abgefallenen, Verstoßenen, Ermordeten nach Antworten. Sie lässt in ihrem Rückblick Diejenigen zu Wort kommen, die Akteure der Revolution und Opfer derer Auswüchse zugleich waren. Sie führt uns in die Gedankenwelt der Verzweifelten, die nach den Gründen der totalitären Auswüchse ebenso suchen wie nach der Möglichkeit für eine freie Gesellschaft.
Es ist ein beklemmendes Buch, das durch die schonungslose Betrachtung des realsozialistischen "Gestern" zugleich die Tür öffnet für die Frage nach dem Wie eines gesellschaftlichen "Morgen" jenseits des Vorherrschenden.
Bini Aadamczak
Gestern Morgen. Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft.
Unrast-Verlag, Münster 2007, 160 S., 12 Euro
- Gebrauchsanleitungen für die Vergangenheit
Von August Lindler
Der Politikwissenschaftler Enzo Traverso beschäftigt sich mit seiner vom Unrast Verlag herausgegebenen Essay-Sammlung mit dem vorherrschenden Umgang mit der Vergangenheit, mit der Politik der Erinnerung. Erinnerung als sozialwissenschaftliche Kategorie - so der Autor - ist eine relativ neue Kategorie, welche der Beschäftigung mit der Vergangenheit eine spezifische Form gegeben hat: Der Blick des Opfers, der Ort der Täter. Hierbei offenbart sich laut Traverso zugleich die Selektion im Gedenken: Im vorherrschenden Geschichtsbild wird zugleich der Widerstand gegen den Faschismus, der politische Kampf für eine andere Gesellschaft ausgeblendet, entsorgt. Die vorherrschende Erinnerungspolitik habe zu einer "Verdinglichung der Vergangenheit" geführt, die mit einem "Erinnerungstourismus" und der kulturindustriellen Vermarktung von Schreckensbildern zu einer selektiven und verzerrenden Interpretation des Vergangenen beiträgt. Erinnerungspolitik beinhaltet nach Ansicht des Autors zugleich die politische Instrumentalisierung des Vergangenen zur Rechtfertigung aktueller politischer (militärischer) Handlungen. Die einseitige Fixierung auf die NS-Vernichtungspolitik beinhalte zudem die Abwehr vom Begriff des Faschismus und des Antifaschismus: "Die Abwehr des Faschismusbegriffs (und konsequenterweise des Antifaschismus) führt zurück auf die ewige Frage nach dem Verhältnis von Geschichte und Erinnerung. Sie gräbt einen radikalen Hiatus zwischen der aktuellen Historisierung des Nationalsozialismus und seiner Wahrnehmung durch die Zeitgenossen. Schließlich war der Faschismus, bevor er zu einer analytischen Kategorie wurde, eine Gefahr, gegen die man kämpfen musste, und es war der Antifaschismus, bevor er zur Staatsideologie wurde, ein Ethos des demokratischen Europas und auch der deutschen Kultur im Exil."
Diese Sammlung von Aufsätzen ist hilfreich für einen kritischen Blick auf die vorherrschende Erinnerungspolitik und deren Fallstricke - ein empfehlenswertes Buch für Antifaschist/inn/en!
Enzo Traverso
Gebrauchsanleitungen für die Vergangenheit. Geschichte, Erinnerung, Politik.
Unrast Verlag, Münster 2007, 112 S., 12,80 Euro
- Rechtsextremismus in Brandenburg
Von Alexander Häusler
In dem Sammelband wird ein umfangreicher Einblick zu Entwicklung und Erscheinungsformen des Rechtsextremismus in Brandenburg gegeben. Diese Neuerscheinung ist mehr als eine bloße Aufsatzsammlung: Sie dient zugleich als Handbuch zur Aufklärung und antifaschistischen Praxis vor Ort. Die Publikation richtet sich an diejenigen, die als "Amtsträger oder engagierte Bürger mit den Problemen von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit konfrontiert sind, sich über Hintergründe und Erscheinungsformen informieren wollen und nach verschiedenen Möglichkeiten fragen, wie vorgebeugt oder gegengesteuert werden kann." Das Land Brandenburg hat ein großes Problem mit dem Erstarken der extremen Rechten. Zugleich sind in Brandenburg allerdings auch Initiativen gestartet worden, die Vorbildcharakter für andere Bundesländer und Kommunen haben - so etwa der im Jahr 2001 in Potsdam verabschiedete "Lokale Aktionsplan".
Die Neuerscheinung zeigt anhand von detaillierten Fakten auf, wie vielfältig und gefährlich die Einflussnahme der extremen Rechten in Brandenburg ist und zugleich, wie sich dessen zu erwehren ist.
Die umfangreiche Analyse und die Auflistung von Präventions- und Hilfemöglichkeiten in der antifaschistischen Arbeit macht die Neuerscheinung zu einem empfehlenswerten Hilfsmittel.
Julius H. Schoeps/Gideon Botsch/Christoph Kopke/Lars Rensmann (Hrsg.)
Rechtsextremismus in Brandenburg. Handbuch für Analyse, Prävention und Intervention.
Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2007, 455 S., 19,80 Euro
- Orient- und Islambilder
Von Lars H. Schmidt
Für alle, die sich über den Islam oder den Orient informieren wollen oder nach differenzierten Berichten über islamische Lebensweisen suchen, sei das Buch nicht geeignet, stellt die Herausgeberin Iman Attia in der Einleitung klar: "Die Beiträge dieses Sammelbandes handeln weder vom Islam (bzw. individuellen, gesellschaftlichen etc. Lesarten oder Praxen desselben) noch geben sie sonst Auskunft über den Orient. Beides gibt es weder als Region noch als Kultur."
Orient wie Islam werden vielmehr als Wirklichkeitskonstruktionen gesehen. Wie diese Konstruktionsprozesse entstehen und welche Bilder und Diskurse im Westen vorherrschen, steht im Mittelpunkt des Sammelbandes. Neben zwei lesenswerten theoretischen Einführungen, die sich vor allem auf die Post-Colonial Studies beziehen, vereint der Band zehn Beiträge, die sich mit den Orient- und Islambildern in der westlichen Wissenschaft, Politik und Kultur befassen. Es wird untersucht, wie zum Beispiel die Rezeption der Märchen aus 1001 Nacht oder die Romane von Karl May die europäische Sicht eines Orient geschaffen haben, der einerseits exotisch verklärt wird und andererseits als gefährliche Bedrohung erscheint. Abgerundet wird der Sammelband durch Beiträge, die zeigen, wie in den aktuellen Debatten um Zuwanderung oder Kopftuchverbot diese Sicht mitschwingt.
Iman Attia (Hg.)
Orient- und Islambilder. Interdisziplinäre Beiträge zu Orientalismus und antimuslimischen Rassismus
Unrast-Verlag, Münster 2007, 307 S.,19,80 Euro
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