Antifaschistische Aktion Informiert | Samstag, 21. Juni 2008
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Antifaschistische Aktion informiert:
Antifaschistische Demonstration gegen Nazitreffen in Eschede
Am 21. Juni 2008 wollen Neonazis in Eschede (bei Celle) wieder einmal eine „Sonnwendfeier“ durchführen. Ort der Veranstaltung soll der Hof von Joachim Nahtz sein.
Der Hof von Joachim Nahtz in Eschede entwickelte sich zu einem der wichtigsten Treffpunkte der norddeutschen Neonaziszene. Seit Jahren finden dort solche Veranstaltungen statt. Zum einen bietet der Schutz des Privatgeländes von Nahtz einen optimalen Rahmen für diese Treffen, zum anderen zeigt sich aber auch die zunehmende Bedeutung der „Kameradschaft 73 Celle“, die die Sonnwendfeier veranstaltet, in der norddeutschen Neonazistruktur.
Der 1935 in Pommern geborene Landwirt Joachim Nahtz lebt mit seiner Familie auf einem abgelegenen, ziemlich heruntergekommen Hof zwischen Eschede und Hermannsburg. Schon als 17jähriger trat er der "Deutschen Reichspartei" (DRP) bei, wechselte dann zur NPD, später zu den "Republikanern", um 2005 wieder der NPD beizutreten. Das langjährige NPD-Mitglied kandidierte 2005 zur Bundestagswahl und 2008 zur Niedersächsischen Landtagswahl für die NPD. Schon sein Vater war in der NPD aktiv.
Nahtz bietet seit Jahren zahlreichen Neonazi-Gruppierungen Platz auf seinem Anwesen für ihre Veranstaltungen. So fanden dort Wehrsportlager statt, wie z.B. 1992 von der später verbotenen "Nationalen Liste" aus Hamburg.
Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei Nahtz Waffen, SS-Liedgut und eine Reichskriegsflagge sichergestellt. Weiterhin fand dort im Dezember 2000 eine Wintersonnwendfeier der "Jungen Nationaldemokraten" statt, die von der Polizei aufgelöst wurde. Im Juni 2000 hatte bereits ein "Sommerfest mit Sonnenwende“ der niedersächsischen NPD dort stattfinden können.
Allein im Jahr 2007 fanden vier größere Naziveranstaltungen auf dem Hof Nahtz statt. Vom 25. bis 28. Mai 2007 fand dort das Pfingstlager der neonazistischen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) statt. Ungefähr 150 Personen, darunter viele Kinder und Jugendliche, nahmen an einem Zeltlager teil. Am 23. Juni 2007 luden die "Kameradschaft 73
Celle" und die "Nationale Offensive Schaumburg" zu einer Sommersonnwendfeier ein, an der knapp 200 Personen teilnahmen. Am 29. Oktober 2007 fand dort eine "Erntedankfeier" statt, an der ungefähr 76 Neonazis teilnahmen und am
22. Dezember 2007 fand dann noch eine Wintersonnwendfeier der neofaschistischen Szene Norddeutschlands statt. Ungefähr 160 Neonazis nahmen an dieser - von der "Kameradschaft 73 Celle" organisierten - Veranstaltung teil.
Im Landkreis Celle existierte von 1979 bis Februar 1998 ein Neonazi-Schulungszentrum. Auf einem größeren Grundstück, welches den Vereinen des Nazi-Rechtsanwaltes Jürgen Rieger aus Hamburg gehörte, trafen sich jahrzehntelang verschiedenste Naziorganisationen. U.a. führte die 1994 verbotene „Wiking Jugend“ ihre Lager dort durch. Nach antifaschistischen Protesten und vielen Medienberichten über das Treiben in Hetendorf, wurden zwei Vereine von Jürgen Rieger verboten und das Nazizentrum geschlossen.
Sonnwendfeuer löschen!
Ursprünglich ist die Sonnwendfeier ein heidnisches Fest, das von der Bevölkerung Europas bereits vor der Christianisierung gefeiert wurde. Es gibt jeweils eine Winter-, sowie eine Sommersonnenwende. Vor allem die Sommersonnenwende wurde als Beginn des Sommers und somit als Beginn der fruchtbaren und warmen Zeit gefeiert. Das Abbrennen von Holzstößen und das Überspringen des Feuers sollen Erneuerung, Reinigung und Fruchtbarkeit symbolisierten.
Auch im Nationalsozialismus wurden Sonnwendfeiern zelebriert und in eine „germanische“ Tradition gestellt, an der sich die Nazis orientiert haben. Während der Sonnwendfeiern wurde eine „Blut-, Boden, und Rassegemeinschaft“ abgefeiert, die scheinbar seit den Germanen in Deutschland existent sein sollte.
Neonazis veranstalten immer wieder solche Feste und nehmen dabei direkten Bezug auf den Nationalsozialismus. Während dieser Veranstaltungen wird in sog. „Feuerreden“ eine rassistische Weltanschauung propagiert und der deutsche Faschismus glorifiziert. Wobei sie die Sonnwendfeiern und andere vermeintliche „germanische Traditionen“ mystisch betrachten.
Diese Veranstaltungen – auch in Eschede – dienen neben dem ausleben einer neonazistischen Ideologie, auch der Vernetzung der Neonazis untereinander. Organisationen und Einzelpersonen treffen sich, Kontakte werden geknüpft und ausgebaut. Außerdem soll der Nachwuchs in die extrem rechten Strukturen eingebunden werden, wobei schon Kinder mit auf solche Veranstaltungen mitgenommen werden.
Schluss mit den Nazitreffen in Eschede!
Bislang konnten sich die Neonazis relativ ungestört auf dem Hof Nahtz in Eschede treffen. Nur gelegentlich beobachteten JournalistInnen das Treiben dort und die Polizei überwachte die Veranstaltungen.
Erst im Jahr 2007 kam es zu ersten Protesten gegen die Naziveranstaltungen. Am 23. Juni 2007 veranstaltete ein Bürgerschaftliches Bündnis gegen Rechts ein Johannisfeuer, die christliche Antwort auf das heidnische Sonnwendfeuer, im Freibad Eschede. Am 22. Dezember 2007 protestierten dann noch einige wenige Menschen - am Zufahrtsweg zum Hof Nahtz - gegen die stattfindende Wintersonnwendfeier.
In der scheinbaren Idylle im Wald bei Eschede, konnten sich die Neonazis bislang ungestört treffen und in den letzten zwei Jahren hat sich auch dadurch bedingt, die extrem rechte Struktur im Landkreis Celle verstärken können. Die
„Kameradschaft 73 Celle“ gehört in Norddeutschland zu den zahlenmäßig größten und aktivsten. Die Anführer der Kameradschaft, Dennis Bührig und Klaus Hellmund, gehören auch zu den Führungsaktivisten der niedersächsischen Kameradschaftsszene.
Die Ruhe und fehlenden Proteste, fassen die Neonazis als Einladung nach Eschede und Bestätigung für ihre menschenverachtenden Anschauungen auf.
Antifaschistische Demonstration gegen Nazitreffen in Eschede
Samstag, 21. Juni 2008
14.30 Uhr
Bahnhof Eschede
Infos: www.schlussmitnahtzischeiss.tk
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