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Sommercamp 2008 - Ferien von Deutschland machen....

24. Mai 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Jugend- Freizeit - Ferien - Abenteuer

Sommercamp 2008 - Ferien von Deutschland machen....

Sommercamp gegen Kapital und Nation vom 24.-31.07.2008 in Niedersachsen

Autos aus Berlin und Bremen werden organisiert, bei anderen Orten versuchen wir es


Eine Woche lang Sonne und Theorie, Sommer und Diskussion, Freibad und Argumente. Täglich werden zu vernünftigen Zeiten zwei Workshops angeboten, die wie im echten Leben in Konkurrenz stehen zu Sauna, Schwimmen, Schlafen, Spaziergängen, Kickern und Lagerfeuerromantik (letzteres sehr umstritten). 


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Es wird Workshops u.a. zu folgenden Themen geben: Drogenpolitik, Realsozialismus, Homophobie und Sexualität, Kritik der Schule, Kapitalismuskritik, Mythos Finanzkapital, Kritik der Ehe, Einführung in das ‚Kapital’ von Marx, Evolutionsbiologie und Geschlechterverhältnis, Krankheit&Behinderung als Super-GAU des bürgerlichen Individuums, Rechtsstaat, Eliteuniversität, NPD, PC-Verschlüsselung, Hirnforschung, Klassenkampf, Demokratie, EU … und das war längst nicht alles.

Außerdem haben wir bereits die Zusage von Andrea Trumann, Autorin des Buches "Feministische Theorie. Frauenbewegung und weibliche Subjektivierung im Spätkapitalismus" (Stuttgart 2001), für zwei Workshops. Der eine wird zum Thema "1968ff - Orgasmusschwierigkeiten & die Frauenfrage" gehen, der zweite den Versuch einer materialistischen Kritik des Geschlechterverhältnisses wagen. Weitere angefragte Personen/Gruppen sind die FreundInnen der Klassenlosen Gesellschaft (Berlin), die Antinationale Gruppe Bremen und T.O.P. Berlin.

Zur inhaltlichen Einstimmung hier schon mal eine ausführlichere Übersicht des Geplanten:

We don`t need no education - Kritik der Schule
Früh morgens aufstehen - Angebrüllt werden oder verständnisvolle Lehrerinnen ertragen - Klausuren und Noten - Auswendiglernen - Sich auf Kommando sportlich betätigen - "Pubertär" oder "engagiert" genannt werden - Aufsätze über blödsinnige Fragestellungen schreiben - Ex-Linke LehrerInnen - Bleierne Langeweile – An die Tafel müssen - Auf Konstruktivität verpflichtet werden – Lehrplanwissen – Staatsbürgerkunde. Und dann sind da auch noch die Mitschüler, die all ihre Kreativität ausspielen, um dem ganzen Horror des Schulalltags noch die besondere Note zu geben. All das und vieles mehr soll im Workshop anhand von Texten und Lehrplänen diskutiert werden.

Alles für die Volksgesundheit – Kritik der Drogenpolitik
Einigkeit besteht allerorten, dass Drogengebrauch nicht sein soll und der Verkauf von Drogen unmoralisch und damit zu Recht vom Staat verboten ist. Über die gefährliche Wirkung der Drogen von Abhängigkeit und körperlichem Verfall bis hin zu Beschaffungskriminalität und Tod durch Überdosierung informieren die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Kirchen und Bürgervereine. Wir wollen diskutieren, inwiefern die typischen Probleme verelendeter Drogenbenutzer auf die Substanzeigenschaften zurückzuführen sind und welche Rolle die Drogenpolitik selber dabei spielt; was von dem Anspruch des Staates auf den Stoffwechsel seiner BürgerInnen zu halten ist und wie er in die Welt kommt; warum die Legalisierungsbewegung daran oftmals nur laue Kritik äußert.

Du denkst, Dein Hirn lenkt – Kritik der Hirnforschung
Die naturwissenschaftliche Erforschung des menschlichen Gehirns beschäftigt in den letzten Jahren zunehmend auch die Geisteswissenschaften. Es geht dabei um die Fragen, ob unser freier Wille eine bloß subjektive Einbildung sei; ob das Strafrecht dahingehend reformiert werden müsse, dass es keine Schuld im moralischen Sinne geben kann, da Täter durch die neuronale Struktur ihres Gehirns determiniert seien; ob Kinder durch Erklärungen die Welt begreifen, oder nur durch Reize lernen können. Der Workshop soll zeigen, was der ideologische Gehalt der modernen Hirnforschung ist und wie mit ihm unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Objektivität reaktionäre Politik legitimiert werden kann.

Homophobie und Sexualität
Sexualität spielt in der bürgerlichen Gesellschaft unbestreitbar eine große Rolle. Warum eigentlich? Nur weil sie Spaß macht/machen kann, wohl kaum. Warum ist Sexualität – was ist das eigentlich? - die Projektionsfläche für Glück, erfülltes Leben, Erfolg etc. pp.? Sexualität ist sogar so wichtig, dass die Menschheit nicht nur in zwei biologische Geschlechter zerfallen soll, sondern auch noch in die Untergruppen derjenigen, die mit dem anderen und mit derjenigen, die mit dem eigenen Geschlecht Sex haben wollen. Aber was ist eigentlich drin in den Schubladen "Heterosexuell", "Homosexuell" und "Bisexuell"? Und warum müssen sich Schwule und Lesben auch im aufgeklärten 21. Jahrhundert mit soviel Scheiße rumschlagen?

Marxismus-Leninismus an der Macht - Realsozialismus
Sieht mensch einmal von den kümmerlichen Überresten in China, Kuba und Nordkorea ab, so fällt unmittelbar auf: Der real existierende Sozialismus gehört der Vergangenheit an – und das ist auch ganz gut so.
Die Geschichte des Realsozialismus dient jedoch bis heute für viele als der beste Beweis der unverbesserlichen Menschennatur und ist ein beliebtes Totschlagargument gegen jegliche Kritik am Hier und Jetzt. Der Realsozialismus soll in diesem Workshop keinesfalls verteidigt, sondern erklärt werden und zwar dadurch, dass man sich seine Grundlagen, seine Ziele und seinen Verlauf ansieht.

1968ff - Orgasmusschwierigkeiten & die Frauenfrage
Den Beginn der neuen deutschen Frauenbewegung markiert Helke Sanders Tomatenwurfrede auf der Delegiertenversammlung des SDS, dem avanciertesten Teil der Studentenbewegung von 1968: „Genossen eure Veranstaltungen sind unerträglich. Ihr seid voll von Hemmungen, die ihr als Aggressionen gegen die Genossen auslassen müsst, die etwas Dummes sagen oder etwas dass ihr schon wisst. Warum sagt ihr nicht endlich, dass ihr kaputt seid vom letzen Jahr, euch in politischen Aktionen körperlich und geistig zu verausgaben ohne dabei Lustgewinn zu verbinden. Warum sprecht ihr hier vom Klassenkampf und zu Hause von Orgasmus¬schwierigkeiten. Ist das kein Thema für den SDS?“ 
Die Hoffnungen der SDS-Frauen von den allgemeinen Emanzipationsbestrebungen der Studentenbewegung profitieren zu können wurden zerstört, indem hier die Trennung zwischen Privat und Öffentlich wieder hergestellt wurde, die für die bürgerliche Gesellschaft konstitutiv ist. Die Frauen leckten die Wunden der Revolutionäre, die ihnen in den politischen Führungsstreitigkeiten und im Kampf gegen die Staatsgewalt zugefügt worden waren und fühlten sich dabei auch nicht anders als die Ehefrau, die ihrem Mann nach getaner Arbeit das Essen vorsetzt. 
Ging es den SDS-Frauen politisch um die Aufhebung der Trennung von Produktion und Reproduktion, Öffentlich und Privat, also um die Aufhebung der Geschlechter, so schlug sich die kurz darauf bildende Frauenbewegung stets auf eine Seite der Trennung. Entweder also auf die Annährung an die Männer im Gleichheitsfeminismus oder eine Überhöhung der Weiblichkeit im Differenzfeminismus.
Das dies aber erst geschah als die Möglichkeit der Revolution verspielt worden war, ist kein Zufall. Denn die Trennung zu akzeptieren heißt auch gleichzeitig Staat und Kapital zu akzeptieren.

Versuch einer materialistischen Kritik des Geschlechterverhältnisses
Einem linken Vorurteil nach existieren einmal das Geschlechterverhältnis und dann die Ausbeutung durch das Kapital. Es verwundert kaum, dass sowohl die Kritik an dem einen, wie an dem anderen erkannten Übel nicht gelingen mag, da durch solche vom Verstand vollzogenen Trennungen der Blick auf die sich zu einer Totalität verdichteten Gesellschaft bereits verstellt wird, bevor man überhaupt angefangen hat über einen bestimmten Gegenstand zu reflektieren. Die vorhandene fundamentale Spaltung der Gattung in einen weiblich-sinnlichen und einen männlich-disziplinierten Teil soll aus den Erfordernissen der Kapitalverwertung selbst erklärt werden: Um sich als arbeitsfähiges Subjekt zu setzen, müssen die Vereinzelten jeweils ihr Begehren abspalten und dieses auf die Frau projizieren, welche den Schmuck stellvertretend tragen muss. Unter kritischen Rückgriff auf Butler und Foucault, sowie Marx und Freud soll dieser Verdrängungsmechanismus am Beispiel der verleugneten Homosexualität dargestellt werden.

Kapitalismuskritik
Alte und immer noch aktuelle Fragen: Warum gibt es neben dem Reichtum in den kapitalistischen Gesellschaften soviel Armut? Warum sorgt der technische Fortschritt nicht für mehr Muße, sondern für Arbeitslose auf der einen Seite und Überstunden für die Beschäftigten auf der anderen Seite? Und warum fällt der angeblich rettende Einsatz des Staates für die Bedürftigen in dieser Gesellschaft immer so dürftig aus?

Hauptsache gesund! Krankheit, Behinderung als Super-GAU des bürgerlichen Individuums
Das Wichtigste im Leben ist doch die Gesundheit. Klar, Kranksein ist doof, und dass Krücken als unsexy gelten, das weiß jeder, der schon mal einen Sportunfall hatte. Krank oder behindert sein will niemand. Nicht umsonst gibt es die Dauer-Debatte um die Sterbehilfe, denn trotz Lebensschutz-Primats ist Konsens: „An Schläuchen hängen - niemals“. Die damit verbundene Abhängigkeit ist DAS Katastrophenszenario des sich als frei gerierenden bürgerlichen Individuums. Kein Wunder, dass die Repräsentanten dieser Katastrophe Unbehagen erzeugen. Abscheu, Mitleid, Bewunderung – sind vielfältig und oft extrem. Was sind die Stereotypen rund um abweichende Körperlichkeit? Was bedeutet der (intakte) Körper im Kapitalismus? Und was bringen die Behindertenbewegung, Rampen und Integrationsjobs?

Evolutionsbiologie und Geschlechterverhältnis - „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken können“
Wir wollen mit euch den gleichnamigen erfolgreichen Beziehungs- und Sexratgeber als Hörbuch anhören (~40 Min.); dessen evolutionsbiologische „Erklärung“ der Probleme des modernen Geschlechterverhältnisses skizzieren, und möchten gerne mit euch überlegen, warum so ein Unsinn so verbreitet und funktional ist für das Geschlechterverhältnis im Kapitalismus, für den Gefühlshaushalt der derart als Männer und Frauen Sortierten.

Der Rechtsstaat – die Faust aus dem Westen
In Zeiten des Internationalen Terrorismus wird "unsere Freiheit" durch Rechtsstaatsreformen gesichert. Was ist Freiheit, dass sie permanent gesichert werden muss und stimmt der von Kritikern Schäubles gemachte Vorwurf, dass die Freiheit zugunsten der Sicherheit flöten geht?

Mythos Finanzkapital
Ob Franz Müntefering oder die NPD, BüSo oder attac: Linke wie Rechte sehen das "Finanzkapital" gern als Wurzel allen Übels dieser Welt. Wir wollen einen Einstieg in das schwierige Thema Finanzmärkte bieten und unsere Kritik an der Unterscheidung vom gutem ("schaffendem") und bösem ("raffendem") Kapital mit Euch diskutieren.

Demokratie oder die Freiheit einer Staatsgewalt zuzustimmen
In der Bundesrepublik gilt trotz der verordneten Bescheidenheit weitgehend, dass die Demokratie, eine gute Sache ist. Immerhin gibt es Wahlen, Meinungs- und Demonstrationsfreiheit. Man kann sich also in die Politik einmischen, Kritik und Unmut (auf der Straße) äußern und ist nicht einfach nur passiver Untertan. Was damit schon einmal unhinterfragbar feststeht: 1. dass es Über- und Unterordnung geben muss und 2. dass es innerhalb dieser Ordnung notwendig zu Interessenskonflikten und Schädigungen bei den Untertanen kommt, die von der Politik - und nur ihr - betreut werden. Wo kommen diese Interessenskonflikte her und wie funktioniert politische Willensbildung in der Demokratie denn in der Praxis? Wozu gibt es Wahlen und wieso soll es einen Unterschied machen, einer gewählten Mann- bzw. Damenschaft Untertan zu sein, als einer nicht gewählten?


Zu den Örtlichkeiten: Das Camp findet in der Nähe von Hannover statt und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Übernachtung in Betten oder selbst mitgebrachten Zelten. Die Anlage ist leider nur bedingt rollstuhlgerecht. Organisierte Selbstverpflegung, manchmal kochen und abwaschen aber täglich essen, stets auch vegetarisch (und auf Ansage vegan). Vorhanden sind Tagungsräume, Kicker, Billardtisch, Tischtennisplatte, WLAN, Grillplatz mit Steinofen für lecker Pizza, Kinoraum, Musik- und Veranstaltungsraum mit Instrumenten und Anlage, große Rasenfreifläche für sonst was, eine kleine finnische Sauna und ein Freibad in Fußnähe. Hunde werden angeleint geduldet.

Organisatorisches: Der Teilnahmebeitrag beträgt je Tag 7 Euro für BettennutzerInnen und 5 Euro für Zeltende. Materialien und Vollverpflegung inklusive. Fürs Freibad wird ein Sonderpreis ausgehandelt. Anmeldung auf dieser Seite. Bitte angeben, von wann bis wann Du kommst, ob Du im Haus oder Zelt schlafen willst (im Zusatzfeld) und ob Du vegetarische bzw. vegane Kost bevorzugst.

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