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Blick nach rechts zur Kommunalwahl in Kiel

24. Mai 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

Ausgabe 11/2008 - Altbekannte Kader

Zahlreiche NPD-Kandidaten für die Kommunalwahl im hohen Norden sind seit langen Jahren in der Szene aktiv. Einige unter ihnen haben bereits mit der Justiz Bekanntschaft gemacht.

Bei den Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein am Sonntag, den 25. Mai strebt die NPD in drei Kreisen und in der Landeshauptstadt Kiel Mandate an. Gemeinsam mit der DVU und Vertretern aus den Reihen Freier Nationalisten hat die Partei 102 Listenbewerber auf die Beine gestellt. Eine landesweite Kandidatur hat die NPD allerdings nicht realisieren können. So bündelt sie ihre Kräfte und verzichtet beispielsweise auf Stimmen in Lübeck und Neumünster, wo durchaus eine aktive rechte Szene anzutreffen ist.

Im Kreis Herzogtum-Lauenburg ist Kay Oelke Spitzenkandidat der Nationaldemokraten. Er fungierte bereits einmal als Landeschef der so genannten Schill-Partei. Auffällig: In der Kandidatenliste sind gerade zwei Bewerber jünger als 30 Jahre. Im Kreis Ostholstein schickt man mit Marcus Tietz aus Ahrensbök einen Spitzenkandidaten ins Rennen, der bei vielen Aufmärschen der rechten Szene dabei ist. Mit ihm kandidieren auch noch andere Familienangehörige. Ahrensbök stellt zugleich eine kleine Hochburg dar, kommen doch gleich sieben Bewerber aus dem Ort. Aus dem Kreisgebiet sind diverse Aktivitäten im Umfeld der verbotenen Strukturen von „Blood&Honour“ sowie „Combat 18“ bekannt. Da wird dann auch öfters mal auf Bauernhöfen eine Party mit Gesinnungsgenossen gefeiert, wie in Prozessaussagen bekannt wurde. Ob in Cismar, Grube, Bad Malente, Neustadt oder Röbel – eine junge Neonaziszene hat sich schon lange in dieser Region etabliert.

Im Kreis Nordfriesland heißt der Spitzenkandidat Kevin Stein. Er ist Kopf der dortigen NPD, nachdem er zuvor die Kameradschaft Nordfriesland auf die Beine gestellt hatte. Dem 23-jährigen Kader steht 
Arne Kaehne zur Seite, der bereits im Vorjahr für den Posten als Landrat kandidierte. Die auf Sylt lebende 70-jährige Renate Köhler saß von 1992 bis 1996 als DVU-Abgeordnete im Kieler Landtag, ist stellvertretende DVU-Landesvorsitzende und gehört dem Bundesvorstand ihrer Partei an. Jetzt sammelt sie unter dem NPD-Label Stimmen. 

Eine schillernde Figur unter den Mandatsbewerbern ist der Tönninger Jürgen Töpke (Jahrgang 1959). Informationen der „taz“ zufolge war er 1978 beteiligt, als in Husum ein britisches Militärfahrzeug von Neonazis überfallen wurde. Ursprünglich wohl scharf auf Waffen, waren den Tätern jedoch Papiere und Dokumente der Nato in die Hände gefallen. Tönning und Umgebung war bereits in den 80er Jahren eine Gegend mit regen NPD-Aktivitäten.

„Ruf des Nordens“


In Kiel führt der 54-jährige Hermann Gutsche die NPD-Liste an. Er fehlt auf fast keinem Neonaziaufmarsch, war beispielsweise in Hamburg am 1. Mai mit dabei. Das trifft auch auf Roland Fischer zu, der dem NPD-Kreisvorstand angehört und neuerdings im Landesvorstand mitwirkt. Kandidat ist außerdem der wegen Körperverletzung verurteilte Peter von der Born, der über Jahre Kontakte zu Freien Nationalisten pflegte. Er war lange Zeit bei Parteitreffen als NPD-Ordner aktiv. Vor Jahren wurde er bereits gesehen, wie er im von Neonazis aufgebauten Fitnessverein Athletik Klub Ultra in Neumünster ein und aus ging. Mit ihm lebt die Studentin 
Katharina Schubert zusammen, die auch dem NPD-Kreisvorstand angehört und Listenplatz zwei belegt. 

Ein weiteres schillerndes Pärchen auf dem Kieler Kandidatenzettel sind die Zwillingsbrüder Lars und Filip Jochimsen. Sie sind wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Einbruch und illegalen Waffenbesitzes in Erscheinung getreten und rechtskräftig zu einer einjährigen Jugendstrafe verurteilt worden. Aktuell hat die Staatsanwaltschaft wieder Anklage gegen sie erhoben, weil sie einen Türken zusammengeschlagen haben sollen.

Ebenfalls Kandidat ist Matthias Lehnecke – in Justizkreisen kein „Nobody“. Bei ihm stehen Verurteilungen wegen Haus- und Landfriedensbruch genauso zu Buche wie wegen Volksverhetzung. Er betreibt den Internet-Versand „Ruf des Nordens“, der sich mit seiner Produktpalette von Musik und Textilien an die rechtsextreme Szene richtet.

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