NPD live bei »Google News«
Rechtsextreme Artikel werden bei der Suchfunktion mit angezeigt
Die »Nachrichten aus Niederschlesien und der Oberlausitz« haben bei »Google News«, dem Nachrichtenportal der weltgrößten Internetsuchmaschine Google, ihren festen Platz. Dabei haben sie weder etwas mit Nachrichten noch mit Journalismus zu tun. Es sind Presseerklärungen und Propagandatexte der NPD, die der Kreisverband Niederschlesien-Oberlausitz auf seiner Webseite veröffentlicht. Trotzdem listete »Google News« allein in dieser Woche unter dem Suchwort »NPD« sieben Beiträge aus dieser Quelle. Eine räumliche oder inhaltliche Trennung zu Artikeln seriöser Medien wie dem Berliner »Tagesspiegel« oder der »Süddeutschen Zeitung« findet dabei nicht statt.
»Als regelmäßiger Nutzer von Google News wundere ich mich schon bisweilen über die angezeigten Ergebnisse zum Suchbegriff NPD«, so Patrick Gensing. Der Fachjournalist betreibt den Informationsdienst »NPD-BLOG.INFO«, eine der profiliertesten Seiten gegen Rechts. Doch Google gibt sich zugeknöpft. Eine Antwort auf die Frage, ob Texte und Presseerklärungen der NPD überhaupt als journalistische Nachrichten zu bezeichnen seien, wie es der Name »Google News« suggeriert, blieb das Unternehmen auf ND-Anfrage schuldig. Ebenso wie Angaben darüber, welche Kriterien und Standards bei der Auswahl von Nachrichtenquellen gelten.
Zumindest spärliche Erklärungsversuche finden sich auf der Webseite des News-Portals. Danach handele es sich bei den »Nachrichten à la Google« um einen »neuartigen Ansatz«. »Redakteure, die Artikel auswählen oder entscheiden, welche Artikel eine Top-Platzierung erhalten sollen«, gebe es nicht. Stattdessen würden die Beiträge von Computern »ungeachtet ihrer politischen Aussage oder Ideologie« ausgesucht und gewichtet. Dabei käme es unter anderem darauf an, wie häufig und auf welchen Websites ein Beitrag online erscheine. Auf diese Weise mache sich »Google News« »das kollektive redaktionelle Urteil von Online-Nachrichtenunternehmen« zunutze.
Eines dieser »Online-Nachrichtenunternehmen«, die regelmäßig ihre Beiträge bei »Google News« platzieren, ist der schweizerische Dienstleister »News4Press.com«, der kostenlos Pressemitteilungen verbreitet. Außer kommerziellen Unternehmen zählt er die ganze Bandbreite des bundesdeutschen Rechtsextremismus zu seinen Kunden. So stammten die in der Rubrik »Politik« aufgelisteten Top-Meldungen der letzten Tage neben der NPD auch von der DVU, der »Bürgerbewegung pro Köln« und den Republikanern. Andere politische oder gesellschaftliche Akteure hingegen sind hier kaum zu finden.
»News4Press.com« selbst vertrete »keine rechtsextreme Meinung«, erläutert Geschäftsführer Vincent Jeppesen auf Anfrage. »Trotzdem muss auch die rechtsextreme Meinung gehört und diskutiert werden.« Man wolle später nicht zu jenen gehören, welche als »Bücherverbrenner« bezeichnet werden, so Jeppesen weiter. Deshalb würden Meldungen lediglich auf ihre Legalität hin überprüft. Ein Beitrag zum »kollektiven redaktionellen Urteil von Online-Nachrichtenunternehmen«, auf das »Google News« seine Auswahlpraxis gründet, ist das nicht.
Das halten auch Unternehmen für bedenklich, die den Schweizer Internet-Dienstleister bisher im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit genutzt haben. Frank Krüger, der bei der Software-Firma »Magix« für Public Relations zuständig ist, distanzierte sich auf Anfrage »deutlich von rechtsextremen oder gar rechtsradikalen Inhalten« und kündigte an, »in Zukunft auf die Nutzung des Pressedienstes News4Press verzichten« zu wollen. Auch Carsten Körnig vom »Bundesverband Solarwirtschaft e.V.« reagierte mit Ablehnung. Man habe News4Press weder bezahlt noch beauftragt, unsere Pressemitteilungen zu veröffentlichen«. Die Agentur sei nun aus dem Presseverteiler genommen worden.
Quelle: Neues Deutschland
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