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Zoff in KZ-Gedenkstätte

10. Juni 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #soziale Gerechtigkeit - gewerkschaftliche Kämpfe

Museumspädagoge will keine Bundeswehrangehörigen über das Gelände führen

OLAF WUNDER

Das KZ Neuengamme: Heute ein Ort des Gedenkens an die 50000 Menschen, die im Dritten Reich dort zu Tode kamen. Jetzt ist ein heftiger Streit entbrannt. Nachdem die Leitung der Gedenkstätte einen Museumspädagogen gefeuert hat, proben dessen Kollegen den Aufstand, sprechen von "Berufsverbot" und davon, dass einem kritischen Mitarbeiter ein "Maulkorb" verpasst worden sei.

Im Kern geht es um das Verhältnis der Gedenkstätte zur Bundeswehr. Die Museumspädagogen, aber auch die Vereinigung der ehemaligen Häftlinge sehen es kritisch, dass das Militär den Ort dazu benutze, Soldaten auf Auslandseinsätze vorzubereiten. Eine Museumpädagogin berichtet: "Den Soldaten wird das Lager gezeigt und dann heißt es, der Einsatz im Ausland ist wichtig, damit sich dort das nicht wiederholt, was sich hier ereignet hat."

Nach Ansicht der Kritiker handelt es sich beim Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan und anderswo um Krieg und nichts anderes. Die KZ-Gedenkstätte dürfe sich dafür nicht instrumentalisieren lassen, denn es gelte die Losung, die die überlebenden Häftlinge Neuengammes 1945 ausgaben: "Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!"

Der Konflikt, der bereits seit Langem schwelt, trat offen zutage, als bekannt wurde, dass ein Geschichts-Student der Bundeswehr-Uni in das Team der Museumspädagogen aufgenommen wird. Dass ein Soldat Führungen durch die Gedenkstätte veranstaltet, hätte zuvor mit den Opferbänden diskutiert werden müssen, so die Kritiker. Weil das unterblieben war, teilte Olaf K., einer der Musuemspädagogen, mit, er stehe künftig für die Betreuung von Bundeswehrgruppen nicht mehr zur Verfügung. Das hatte seinen Rauswurf zur Folge.

Karin Schawe, Sprecherin der Gedenkstätte, verteidigt diesen Schritt: "Es kann nicht sein, dass unsere Guides entscheiden, wen sie führen. Bei uns ist jeder Besucher willkommen, auch Soldaten." Und sie erinnert: "Es ist schließlich die Bundeswehr, und nicht die Wehrmacht!"

Dagegen stellt sich die "Arbeitsgemeinschaft Neuengamme" als Interessenvertretung der überlebenden Häftlinge in einer schriftlichen Erklärung auf die Seite des geschassten Museumspädagogen: "Die Gedenkstätte darf kein Ort werden, an dem ein Armeeangehöriger exponiert auftritt, für den die Richtlinien des Gehorsams und der Einsatz kriegerischer Mittel nicht infrage stehen."

Die Fronten sind verhärtet. Für Mittwoch ist eine Krisensitzung geplant.

Zitat:
"Bei uns ist jeder Besucher willkommen, auch Soldaten"

Karin Schawe, Sprecherin

(MOPO vom 09.06.2008 / SEITE 10)

Siehe auch folgende Artikel:


Berufsverbot für kritischen Mitarbeiter

Guide ist nicht gleich Guide

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