Trauerrede für WALTER TIMPE am 12.6.08 - gehalten von Peter Brenner
Trauerrede für WALTER TIMPE am 12.6.08 - gehalten von Peter Brenner, jahrzehntelang Hauptamtlicher der Gewerkschaft HBV Ortsverwaltung Hannover, zuletzt stellvertretender Vorsitzender des ver.di - Landesbezirks Niedersachsen-Bremen und inzwischen Rentner
Es gilt das gesprochene Wort
Liebe Irmgard,
liebe Familienangehörigen,
liebe Freunde und Wegbegleiter von Walter
Wir trauern um Walter Timpe
Wir trauern um einen Menschen, der Spuren hinterlassen hat
Spuren in jedem von uns
wir werden ihn nicht vergessen,
er hat einen Teil unseres Lebens mitbestimmt, beeinflusst und gestaltet.
Walter Timpe habe ich Mitte der sechziger Jahre als Mitglied unseres HBV-Vorstandes in Hannover kennen gelernt.
Er brachte Leben in unsere Arbeit:
Inhaltlich, durch Widerspruch und ein außerordentliches Maß an historischer Erfahrung in der politischen Arbeit
Durch seine lebendige und packende Art,
und durch seine Ausstrahlung.
Damit hat er selbst politische Gegner für sich eingenommen.
Wenn Walter sprach, haben alle zugehört – denn er hatte etwas zusagen
Als ich von seinem Tod erfuhr, habe ich mich gefragt:
Was war unser Freund und Wegbegleiter für uns ?
In erster Linie ein Kämpfer für Gerechtigkeit und Frieden,
für Toleranz und Gradlinigkeit
und er war ein angagierter Antifaschist
bis zu seinem letzten Tag
Er war ein überzeugter Demokrat:
Als in den siebziger Jahren die Gewerkschaften mit verschärften Ausschlußverfahren Mitglieder der K-Gruppen ausschließen wollten,
hat Walter Timpe dazu aufgerufen die politische Diskussion mit den jungen Leuten zu suchen.
Wir waren stolz darauf, das es in unserer Ortverwaltung keine Ausschlußverfahren gegeben hat.
Er war ein Antifaschist und Kriegsgegner:
Wer mit Walter über die Einheitsgewerkschaft gesprochen hat, konnte spüren, dass er mit tiefster Überzeugung für sie eintrat als Erkenntnis aus den Erfahrungen mit dem Faschismus und als Auftrag des Schwurs von Buchenwald.
Ob Friedensdemos gegen die Aufrüstung mit Persching II-Raketen Anfang der achtziger Jahre
oder
Ostermärsche in Hannover:
Walter fehlte nie
Er war ein kämpferischer Gewerkschafter:
Er ist in der gesamten Organisation aktiv gewesen:
In der Ortsverwaltung
In der Fachgruppe
In der Tarifkommission Versicherungen
Im Gewerkschaftsausschuss und Hauptvorstand
Und in den letzten Jahren bei den Senioren auf allen Ebenen
Walter reklamierte als Gewerkschafter ein umfassendes Mandat zur Wahrnehmung der Arbeitnehmerinteressen:
Es ging nicht nur um Tarife und Betriebsverfassung,
es ging auch um andere politische Kampffelder:
z.B.:
Fahrpreiserhöhung der Üstra
Er war so prägend, das ich sage:
Walter Timpe und die HBV-Ortverwaltung Hannover waren in den siebziger und achtziger Jahren ein Synonym.
Dieses politische Profil hat für viele von uns eine Beziehung zu Walter entstehen lassen:
Walter war authentisch,
Er war kompetent und kämpferisch
Und in diesem Sinne war er ein Vorbild für viele von uns,
hat uns geprägt
und hat uns damit viel für unser politische Leben geschenkt.
Dafür sind wir Ihm dankbar.
Aber es gibt noch eine weitere Seite von Walter:
Er war auch ein unterhaltsamer, spannender Gesprächspartner,
mit einer Einschränkung:
wenn ich mit Walter in seinem Auto saß, hätte ich mir manchmal etwas mehr Auto fahren und weniger Redeschwall gewünscht
Walter liebte es gar nicht, wenn es um seine Person ging.
Er brauchte keine Huldigungen und Auszeichnungen.
Er wollte für die Sache kämpfen.
Sein Geburtstag unterlag strengster Geheimhaltung und auf die Nennung seines Alters wurde stets verzichtet.
Von dem privaten Walter Timpe wissen wir nicht viel – aber das wollte er so.
Lieber Walter,
wir danken dir für die vielen Jahre gemeinsamer politischer Arbeit, für die vielen interessanten Stunden, die wir mit dir verbracht haben,
auch für die Freude an der Arbeit, die du uns vermittelt hast
diese Spuren werden uns immer wieder an dich erinnern:
„Nur sehr wenige Menschen sind wirklich je lebendig,
und die, die es sind, sterben nie;
es zählt nicht, dass sie nicht mehr da sind.
Niemand, den man liebt, ist jemals tot.
Ernest Hamingway
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