Polizei sprengt Nazi-Camp
NPD-Fahnen an Appens Baggersee: Zehn vermutlich rechtsradikale junge Camper versetzten Anwohner in Angst und Schrecken.
APPEN. Zwei rot-schwarz-weiße Flaggen der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands, mehrere Zelte und zehn junge Menschen, die sich der rechten Szene zuordnen lassen - mitten in Appen. Wie gestern bekannt wurde, löste die Pinneberger Polizei am vergangenen Sonnabend ein Camp Rechtsextremer auf, die sich auf dem Gelände der Heidornschen Kieskuhle am Lehmweg im Ortsteil Etz getroffen hatten.
Laut Polizeisprecher Frank Lassen hatten Anwohner die Polizei alarmiert, die das Treiben am Baggersee beunruhigt beobachtet hatten. Es war die Rede von Waffenübungen und "Nazimusik". Gegen 13 Uhr fuhr ein mit zwei Mann besetzter Streifenwagen zur Kieskuhle. Die Männer und Frauen aus dem Kreis Pinneberg und Hamburg hätten sich als NPD-Anhänger zu erkennen gegeben, sagte Lassen. Doch bis auf ein Messer fanden die Ordnungshüter nach Aussage des Polizeisprechers keine Waffen. Auch über neonazistisches Liedgut und Schießübungen sei nichts akten kundig. Die Versammelten mussten sich einem Alco-Test unterziehen - doch die Ergebnisse lagen laut Lassen zwischen 0,4 und 0,5 Promille - sturzbetrunken war keiner der Zeltenden. Nach seinen Angaben habe die Streifenwagenbesatzung die Truppe aufgefordert, ihre Versammlung bis spätestens 18 Uhr aufzulösen.
Die Kontrolle soll die mutmaßlichen Neonazis Gerüchten zufolge verärgert haben: Mit einem Schlauchboot sollen sie zum anderen Ufer des Sees übergesetzt und Badegäste belästigt haben, weil sie unter ihnen einen "Denunzianten" vermuteten. Die Polizei wollte diese Version nicht bestätigen. Es liege keine Anzeige Dritter vor, sagte Lassen.
Um nach dem Rechten zu sehen, patrouillierten Polizeiangaben zufolge sechs Beamte gegen 19.45 Uhr erneut an der Kieskuhle. Statt wie angeordnet ihre Zelte abzubauen, hätten die jungen NPD-Sympathisanten "ihr Fest sogar ausgeweitet. Die hatten schon Feuerholz gesammelt", berichtete Lassen. Als die Beamten die Personalien aufnehmen wollten, hätten sich ein 22-jähriger Halstenbeker und eine 21 Jahre alte Frau aus Hamburg geweigert, ihre Ausweise zu zeigen. "Die beiden traten die Polizisten, beschimpften und bissen sie sogar", sagte Lassen. Die Handschellen klickten, bis es den Einsatzkräften gelungen sei, die jungen Camper zu beruhigen. Anschließend habe die Polizei das Lager aufgelöst.
Appen als Neonazi-Treff? So will es Lassen nicht werten. Die Polizei habe das renitente Pärchen zwar wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angezeigt. Regelmäßige Patrouillen an der Kiesgrube soll es nach Aussage des Polizeisprechers aber nicht geben. Das Gebiet werde allerdings vom Streifendienst beobachtet. Denn dass sich ein rechtes Lager in Appen formiert, ist offenbar neu: Ordnungsamts-Chef Uwe Koopmann vom Amt Moorrege und Bürgermeister Detlev Brüggemann gaben auf Nachfrage an, zum ersten Mal von derartigen Vorfällen zu hören.
Die Appener SPD hingegen ist schockiert. Ortsvereinschef Ulrich Rahnenführer forderte einen Masterplan gegen rechtsextreme Aktivitäten: "Polizei, Politik und Verwaltung müssen ihre Erfahrungen bündeln, damit jeder furchtlos baden kann." Rahnenführer will sich heute mit Koopmann treffen.
Quelle: Pinneberger Tageblatt 7.8.08
/image%2F1377997%2F20150108%2Fob_508aca_kban.jpg)