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Den Nazis die Räume nehmen

21. August 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

 Kampagne Nazis die Räume nehmen! Hannover

 Hannover, den 21.08.2008



Pressemitteilung Handreichung für Gastwirte zum Umgang mit extrem rechten
Gruppierungen
Immer wieder werden Treffen und Zusammenkünfte von Neonazis in Hannover
bekannt. Für großes Aufsehen in der Öffentlichkeit sorgten z. B. der
Stammtisch Nationaler Kräfte (eine monatliche Veranstaltung der NPD und so
genannter freier Kräfte) im Vereinsheim des Fußball-Bundesligisten Hannover 96
(November 2006), in der Garbsener Sportgaststätte des MTV Meyenfeld (März
2007) oder erst
kürzlich in der Auseinandersetzung um eine angekündigte
Nazi-Party am 4.7.08 im Scum-Club in der Innenstadt.
Die Kampagne Nazis die Räume nehmen für ein antifaschistisches Hannover! hat
diesbezüglich für Gastronomiebetriebe im Raum Hannover eine Handreichung zum
Umgang mit extrem rechten Gruppierungen erstellt. Darin wird beschrieben wie
Nazis versuchen, Räume anzumieten und welche Möglichkeiten es gibt, sich davor
zu schützen und solche Veranstaltungen zu verhindern. Ergänzt ist diese durch
eine Literaturliste und Internetseiten über extrem rechte Organisationen,
Bands, Symboliken und Kleidung.
(siehe hier)
Solche Veranstaltungen werden oftmals unter falschem Namen oder als private
Veranstaltung angemeldet. Wir wollen Gaststättenbetreibende unterstützen und
eine Hilfestellung geben wie sie im Vorfeld solche Veranstaltungen erkennen.
Auch ist es möglich, am selben Abend Veranstaltungen dieser Art noch
abzusagen.
Um sich rechtlich abzusichern bieten wir neben der Handreichung einen
Vertragsvordruck an, der per Mail oder postalisch angefordert werden kann. So
Regina Sonnentor als Sprecherin der Kampagne.
Weiter führt sie aus:
Wie aus dem Kampagnenmotto hervorgeht, wollen wir Nazis und anderen rechten
Organisationen ihre Rückzugs- und Rekrutierungsräume für ihre rassistischen
und nationalistischen Positionen nehmen. Gleichzeitig sollen Menschen
informiert, sensibilisiert und motiviert werden, um selbst aktiv zu werden.

Mit freundlichen Grüssen
Regina Sonnentor
für die Kampagne Nazis die Räume nehmen für ein antifaschistisches
Hannover!

Nazis die Räume nehmen!

Ob rassistische Aufkleber an Hannovers Laternen, ob der Kiosk nebenan, der die neueste Ausgabe der NPD Zeitung im Angebot hat oder der Nachbar, der mit Thor Steinar Jacke in die Disco geht. Drei Beispiele, die alltäglich und keineswegs neu sind. Neu daran ist, dass diese Entwicklung in immer breiteren Kreisen auf Akzeptanz stößt. Anders ist das immer häufigere selbstsichere Auftreten von organisierten Nazis und SympathisantInnen im Innenstadtbereich nicht zu erklären.

Schon jetzt können Nazis Wochenende für Wochenende in Läden wie etwa dem Rockhaus ganz offen und selbstverständlich auftreten, feiern und versuchen Jugendliche für sich zu gewinnen ohne dort auch nur wenigstens böse an geguckt zu werden, geschweige den angepöbelt oder gar vertrieben zu werden. Sie sind dort mittlerweile ein so selbstverständlicher Teil des Stammpublikums, dass sie den Türstehern sagen können wer raus geschmissen wird.

Die Zeiten in denen ein Großteil der jugendlichen Neonazis im Skinhead-Stil mit Springerstiefeln und Bomberjacken als klar erkennbar galten, längst vorbei sind. Heute wollen sie sportlich, modisch und diskreter auftreten, allerdings ohne auf ihre rechtsextremen Symbole zu verzichten. Marken wie etwa „Thor Steinar“ bieten hierzu die Möglichkeit und es gibt sie nur in wenigen speziellen Läden.
Selbst vor gezielter Übernahme von Codes, die mit der radikalen Linken verbunden sind, wie z.B. dem Antifalogo, schrecken sie nicht zurück. Es ist zu beobachten, dass die Nazis immer mehr versuchen an verschiedenen Jugendkulturen anzuschließen und das nicht ohne Erfolg. So sind sie nicht nur, wie oben beschrieben, im Rockhouse oder auch in der „1 Euro bar“ Normalität, sondern etablieren sich auch immer mehr in anderen Umfeldern. Man kann sie z.B. vermehrt bei Hardcore- und Punkkonzerten antreffen und selbst der Besuch von vermeintlich alternativen Läden gehört anscheinend immer öfter zu den Wochenendplanungen der Nazis. Eine klares Statement gegen Nazis kommt dabei immer seltener. Dies gilt es zu ändern!

Die Akzeptanz für Nazis kann aber nicht mit einem Klamottenwechsel erklärt werden. Generell scheint der Umgang auch mit deutlich-erkennbaren Nazis kein Problem mehr zu sein. Bei Partys und Konzerten ist oft das friedliche Verhalten der entscheidende Faktor. Doch auch wenn sie gerade keine linken Jugendlichen anpöbeln oder MigrantInnen angreifen, stellt ihre Präsenz, schon allein durch ihre menschenverachtende Ideologie, eine Aggression dar.

Nazis fallen nicht vom Himmel. Sie können sich dann ungehindert ausbreiten, wenn die Gesellschaft das zulässt. In einer gesellschaftlichen Situation, wo Flüchtlinge und MigrantInnen diskriminiert und angegriffen werden, wo die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander klafft und nicht zuletzt Grossereignisse, ob Grand-Prix oder EM, zusätzlich nationalistisch aufgeladen werden, fühlen sich die Nazis äußerst wohl. So gerne sie sich auch revolutionär oder radikal sein wollen, treiben sie lediglich nur gesellschaftlich weit verebreitete Positionen auf die Spitze.

Es bleibt dabei: Wir haben keinen Bock auf Nazis! Ganz egal welche Klamotten sie tragen, ob mit Baseballcap und Piercing oder mit Schlips und Kragen. Sie stehen für alles, was wir hassen. Seien es rassistische Unterdrückung und Ausgrenzung, Frauenbilder die nur „Gebährmaschine“ und Mutterrolle bedeuten oder ihr nationaler Wahn. Das alles hat mit unserer Vorstellung von einem guten Leben nicht das geringste zu tun! Wir wollen sie weder auf Straße, noch bei Partys, nicht in der Kneipe, nicht in der Schule, nicht im Stadion, nicht an der Uni und nicht auf der Arbeit oder sonst irgendwo dulden.

Kämpfen wir zusammen und nehmen wir den Nazis die Räume!
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