"Respekt vor dem Individuum lehren"
Flossenbürg
"Respekt vor dem Individuum lehren"
Treffen ehemaliger KZ-Häftlinge im Zeichen des Engagements für folgende Generationen
Flossenbürg. (nm) "Die Gedenkstättenarbeit darf nie enden": Unter diesem Tenor stand von Freitag bis Sonntag das Treffen ehemaliger Häftlinge des KZ Flossenbürg. Zum Höhepunkt und Abschluss der drei Tage versammelten sich am Sonntag mehr als 300 Menschen im so genannten Arrestbau.
Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit, der Direktor der Stiftung "Bayerische Gedenkstätten" Karl Freller, der Staatssekretär für Unterricht und Kultus Bernd Sibler, der Überlebende des Naziterrors Charles Dekeyser aus Belgien, dessen Tochter Solange und Yves Durnez als Sohn des ehemaligen Häftlings Marcel Durnez rückten übereinstimmend einen besonderen Aspekt in den Mittelpunkt. Immer weniger Zeitzeugen
Es dürfe nicht vergessen werden, dass es zwangsläufig immer weniger Zeitzeugen gebe, die authentisch vom Geschehen im KZ berichten könnten. Um so wichtiger werde es, deren Vermächtnis zu bewahren und im Interesse von Frieden und völkerübergreifender Freundschaft weiter zu geben. Sibler sicherte zu: "Auch der Freistaat Bayern steht in der Verantwortung. Wir werden ihr nachkommen."
Dekeyser brachte internationale Konflikte zur Sprache. Rassismus, Antisemitismus oder Terrorismus seien an der Tagesordnung. Mahnen alleine reiche als Gegenmittel bei weitem nicht. Es gelte vielmehr, den Respekt vor dem Individuum zu lehren: "Dazu ist es nötig, die eigene Geschichte zu kennen. Ohne ein solches Wissen wäre beispielsweise Europa ein Waisenkind. Führt deshalb unseren Auftrag weiter. Wir bauen auf euch."
Teilnehmer der zehnten "Internationalen Jugendbegegnung" der Evangelischen Jugend bestätigten den hohen Stellenwert der Chance, mehr über das Geschehen in der NS-Zeit zu erfahren: "Die Gespräche mit den Überlebenden berührten uns tief. Wir werden die Erfahrung nie vergessen."
Trauerzug
Ein Trauerzug - mitgetragen wurden Kränze in den Landesfarben - führte abschließend hinunter zum "Platz der Nationen" im "Tal des Todes".
Bereits am Sonntagvormittag hatte sich Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein zweieinhalb Stunden in der Grenzgemeinde umgesehen. In seinem Grußwort an die 80 ehemaligen Häftlinge und weitere Gäste - unter ihnen Herzog Max von Bayern, Landrat Simon Wittmann, Bürgermeister Johann Kick, Altbürgermeister Johann Werner, Dekan Wolfgang Scheidel, Werner Karg von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit und Abgeordnete des Bundes und des Landes - würdigte er das Engagement der Überlebenden: "Ihr Kommen und ihr Willen, für die Freundschaft der Völker beizutragen, beweisen menschliche Größe."
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