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Rocken gegen Rechts in Alfeld, Finow, Isny, Weyhe

27. August 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

beim Konzert in weyhe 2007
Seit 2000 versuchen junge Leute mit dem  Aktionsbündnis „aufMUCKEn gegen Rechts“ im niedersächsischen Weyhe zunehmenden Neonaziaktivitäten im Bremer Umland etwas entgegenzusetzen. Einmal jährlich gibt es ein großes Konzert, das Treff- und Kristallisationspunkt für Gleichgesinnte ist und einlädt, ungezwungen politisch zu diskutieren. Am 30. August ist es jetzt wieder soweit.  Bereits am 29.8. stellt der Stadtjugendring in Alfeld (Leine) ein ähnliches Programm auf die Bühne und eine Woche später gibt es zum dritten Mal "Rock me Amadeu" in Finow bei Eberswalde. Dieses Konzert organisieren ebenfalls junge Leute ehrenamtlich, um gegen Rassismus Farbe zu bekennen. Aber auch in Isny im Allgäu wird gegen Rechts gerockt - bei Rock am Rain, ebenfalls am 6. September.

Sie heißen Stu!Shit, The Troom, Black Jack, Ichy Poopzkid und 'Das Goldenen Handwerk', junge Bands, die weit über den Weyher Raum bekannt sind und eins gemeinsam haben: Für sie ist klar, dass „es wichtig ist, dass mit diesem Festival eine breite Masse daran erinnert wird, dass Rassismus in unserer Gesellschaft nichts zu suchen hat,“ so die Weyher Musiker von Stu!Shit.


Plakat des Konzerts Aufmucken gegen rechts 2008
Die Weyher Aktion „aufMUCKEn gegen Rechts“ spielt bundesweit eine Vorreiterrolle. Nunmehr zum achten Mal stellen junge Leute in Eigenregie das Festival zusammen - unabhängig von Profiveranstaltern und Förderprogrammen. „aufMUCKEn gegen Rechts“ startete im Jahr 2000 nach mehreren beunruhigenden Neonaziaktivitäten als ein Projekt von Schülern, Jusos und Mitgliedern der Grünen Jugend, ist aber länst weit über alle Parteigrenzen hin in Weyhe etabliert.  Das Projekt legt seinen Schwerpunkt auf die Sensibilisierung, Information und Vernetzung der Weyher Bürger und bemüht sich, ein Anlaufpunkt vor allem für junge Menschen zu sein. Das Aktionsbündnis gründete sich im unter dem Eindruck steigender Neonaziaktivitäten im Bremer Umland. Das Nazi-Rezept: Rechtsextreme wollten und wollen sich hier durch die Bereitstellung von Erlebniswelten besonders für Jugendliche interessant machen. Diese versuchen sie zunehmend durch eine Kombination von Freizeitwelt, Lebensgefühl und politischen Botschaften zu schaffen. Musik bietet sich dabei als idealer Köder an: Sie ist „Einstiegsdroge Nr. 1“ in die rechte Szene, gehört zur Lebenswelt Jugendlicher  und spielt somit als verbindendes Element eine wichtige Rolle.

Reaktion auf NPD-Schulhofoffensiven

Gut zu beobachten war diese Strategie auch im Bremer Umland: Mit ihrer sog. „Schulhofoffensive“
wollte die NPD gezielt Schüler mit Hilfe von Propaganda-CDs ansprechen. Sollten Jugendliche
Interesse zeigen, wären sie nach dieser Strategie zunächst durch Freizeitaktivitäten  weiter an den rechten Rand herangeführt worden, bevor die eigentliche politische „Schulung“ begonnen hätte.

Das aufMUCKEn stellt eine Gegenstrategie dar: Über das Konzert und die Musik  soll das Thema auf die Tagesordnung gesetzt werden. Besuchern bietet das Konzert einen
Treff- und Kristallisationspunkt, um einerseits Gleichgesinnte zu treffen und um andererseits
ungezwungen politisch zu diskutieren oder einfach nur soziale Kontakte zu pflegen.
Über die Homepage www.aufmucken.com fungiert es außerdem als erster „Anlaufpunkt“ für Jugendliche, die Probleme mit Neonazis haben.

Gleichzeitig zeitig bietet das Konzert die Möglichkeit auch nicht betroffene oder unpolitische
Jugendliche ohne „erhobenen Zeigefinger“ für das Thema sensibel zu machen, um so
auch weniger anfällig für rechte Propaganda zu sein. Weiterhin ist es eines der wenigen großen
Freizeitangebote für Jugendliche in Weyhe. Zusätzlich zum Konzert wird versucht, durch Informationsveranstaltungen, Diskussionen o.ä. das Thema auch inhaltlich weiter zu beleuchten. Durch eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist es gelungen, das Konzert in weitergehende Aktionen einzubetten.



29.8. Acht Bands für Toleranz in Alfeld an der leine

Plakat der Veranstaltung in Alfeld
Bereits am 29. August findet auf dem Alfelder Marktplatz eine Veranstaltung mit Live-Musik, Informationen, Sport und Aktionen statt, die für Gemeinschaft, Toleranz und Zivilcourage werben sollen. Das Kernstück des Events ist ein Open Air – Festival mit 8 Bands, die ab 16 Uhr im Herzen Alfelds auftreten – Alive At Last, Bloodstain, Code Of Honour, COP, MisterME, LERkoerpa, pflugblatt und Seasonsky. Zuvor, in den Vormittagsstunden findet ein nicht-öffentliches von der DGB-Jugend betreutes Präventions-Angebot für Schulklassen im Alfelder Jugendzentrum Treff statt. Im Kino wird in 2 Sondervorstellungen „Die Welle“ gezeigt. Um den Marktplatz herum sind am Nachmittag die Besucher eingeladen, sich über Themen wie Extremismus oder Gewalt zu informieren und sich an Spielen oder sportlichen Aktionen zu beteiligen.

Veranstalter ist der Stadtjugendring Alfeld e. V. in Zusammenarbeit mit der Jugendpflege der Stadt Alfeld. Der Stadtjugendring Alfeld e. V. (SJR) ist der Dachverband Alfelder Verbände, Institutionen undOrganisationen, die die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu ihren Aufgaben zählen.
Die Veranstalter möchten mit der Veranstaltung „GeTZ – für Gemeinschaft, Toleranz und Zivilcourage“ bei den Bürgerinnen und Bürgern und insbesondere bei Jugendlichen für ein harmonisches Zusammenleben werben, das allen gerecht wird, das von gegenseitigem Respekt und Entgegenkommen geprägt ist und bei man sich füreinander einsetzt – seien die Menschen noch so verschieden. Dabei ist es den Veranstaltern wichtig, vor Gewalt und den Gefahren von unsozialem und extremistischem Gedankengut zu warnen und auch darüber zu informieren, wie insbesondere rechtsextremistische Gruppierungen heutzutage auftreten und junge Menschen versuchen zu „rekrutieren“.

Am 6.9. Rock me Amadeu in Finow bei Eberswalde

Plakat Rock me Amadeu 2008
Eine Woche nach dem "aufMUCKEN"-Konzert in Weyhe findet am 6.9.2008 ab 16 Uhr zum dritten Mal in  Finow bei Eberswalde ein ähnlich großes Konzert statt: Rock me Amadeu mit  jungen Bands, die sich gegen Rassismus engagieren. Ort ist der Park am Weidendamm, bei Regen der Rockbahnhof Finow, der Eintritt beträgt 3 Euro. Der Hintergrund: Am 25. November 1990 wurde der Angolaner Amadeu Antonio in Eberswalde von Heavy Metals bei einem Angriff auf einen Treffpunkt von Vertragsarbeitern schwer verletzt. Am 6. Dezember 1990 starb Amadeu Antonio nach zweiwöchigem Koma an den Folgen des rassistischen Überfalls. Mit Rock me Amadeu wollen Schüler jährlich zur Erinnerung an ihn ein musikalisches Zeichen für Vielfalt und gegen Rassismus setzen.

Damals wie heute besitzt Eberswalde eine aktive rechtsextreme und neonazistische Szene. Das hat sich unlängst auf beängstigende Weise im benachbarten Bad Freienwalde gezeigt.


Brandanschlag im benachbarten Bad Freienwalde

Dort wurde  in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni 2008 ein Brandanschlag auf den selbstverwalteten Jugendclub »Maquis« verübt. In dem Gebäude, einer alten Baracke im Industriegebiet, trafen sich seit fast einem Jahr eher linke und alternative Jugendliche und organisierten dort Konzerte und Veranstaltungen. Unverständlich bleibt vor diesem Hintergrund die Informationspolitik der zuständigen Behörden. Obwohl sich am 30.06.08 ein mutmaßlicher Täter aus dem rechtsextremen Spektrum der Polizei stellte, wurde die Öffentlichkeit nicht über die Hintergründe der Tat in Kenntnis gesetzt, beklagt die Opferberatungsstelle Opferperspektive in Brandenburg und listet mehrere Fälle rechtsextremer Bedrohungen auf:

28. Dezember 2007:

Eine Gruppe von sieben Rechten taucht in dem Gebäude auf und versucht durch verhörartiges Ausfragen der Anwesenden, Informationen über Personen des linken Spektrums in Bad Freienwalde zu erhalten. Sie drohen damit, dass das Gebäude sicherlich gut brennen würde und die Anwesenden vorsichtig sein sollten.

02. Februar 2008:

Drei Mitglieder der rechtsextremen Szene versuchen, sich gewaltsam Zugang zu den Räumen zu verschaffen, dabei schlagen sie ein Fenster ein. Zwei Personen im Inneren der Baracke alarmieren die Polizei.

03. Februar 2008:

Eine Gruppe Rechtsextremer verlangt Zutritt zu einem Konzert. Als sie am Betreten der Räume gehindert werden, schlägt einer der Rechten einen Jugendlichen ins Gesicht...


Ebenfalls am 6.9.: Rock am Rain in Isny im Allgäu

Zum zweiten Mal findet zeitgleich zum Konzert in Finow ein Benefizkonzert in Isny im Allgäu statt. Dort stellen sich mehrere Initiativen gegen Rechtsextremismus vor, es gibt einen Skater-Contest u.a.m. Die Initiative www.keinbockaufnazis.de unterstützt das Konzert. Organisiert wird das Festival ehrenamtlich von vier jungen Leuten zwischen 21 und 25. Es spielen ab 17 Uhr Shitheadz (Bull-Rock), The Blackout Argument (Hardcore), Rejected Youth (Streetpunk), Rantanplan (Ska), Les Babacools (Reggae / Dancehall) und Russkaja. Tickets im Vorverkauf kosten 5 Euro, an der Abendkasse 10. Mehr unter www.rock-am-rain.de.

WEITERE KONZERTE GEGEN RECHTSEXTREMISMUS im Terminkalender.
UND NEU: Laut gegen Nazis bloggt....


www.mut-gegen-rechte-gewalt.de / hk


26.08.2008
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