Unfassbares Leid veranschaulicht

Zeitzeugen, einst standen sie sich bewaffnet gegenüber, heute sind sie befreundet: Josef Klein (li.) und Henrik Skrzypinski aus Polen
WITTENBURG/CASSINO - In Cassino trafen sie auf italienische Gleichaltrige, um sechs Tage lang gemeinsam mehr über die Schrecken des Krieges zu erfahren, darüber zu diskutieren und um sich näher kennen- und verstehen zu lernen. Ermöglicht hat diese aufwändige und kostenintensive Reise die Monte Cassino Stiftung mit Sitz in Rinteln. Richard Hartinger, Unternehmer mit Wahlheimat Schwechow in Mecklenburg verlor auf dem Monte Cassino Schlachtfeld seinen Vater, den Begründer der riha-Getränkegruppe mit heute mehr als 2000 Beschäftigten. (u.a. Fruchtquell in Dodow).
Zeitzeuge: "Irgendwie waren wir doch alle verblendet"Josef Klein (86), Mitbegründer der Monte Cassino Stiftung, erzählte anschaulich, wie er in den ersten Kriegswochen als ganz junger Mann noch ein euphorischer Soldat der Wehrmacht war und wie der Krieg ihn veränderte aufgrund der grausamen Schrecken, die er und auch alle anderen Soldaten erleiden mussten. "Ich war überzeugt davon mein Vaterland beschützen zu müssen", sagt er, "nicht für Hitler, sondern für die deutschen Menschen. Irgendwie waren wir doch alle verblendet damals." So wurde auch die Nazipropaganda und die politischen Umstände des Krieges, insbesondere der verheerenden Schlacht um Monte Cassino thematisiert.
"Es ist für mich unglaublich, dass es wieder einmal so einen Krieg geben könnte", erzählt Johanna (17) mit Tränen in den Augen. Für die 15jährige Alexandra aus Wittenburg ist die Gefahr eines solchen Krieges dennoch nicht gebannt. "Ich befürchte, dass die Menschen immernoch nicht genug aus diesen Kriegen gelernt haben", sagt sie. "Die Zusammenführung junger Menschen aus verschiedenen Nationen und das Aufzeigen der Kriegsschrecken oder des grausamen Regimes ist heute wichtiger denn je", meinen auch Staatssekretärin Dr. Margret Seemann und Landrat Rolf Christiansen, die der Jugendbegegnung in Cassino einige Tage beiwohnten. "Die generelle Erinnerungsarbeit hat in der Arbeit des Landkreises Ludwigslust einen sehr hohen Stellenwert", erläutert Landrat Christiansen. "Der Landkreis ist Mitglied im Verein Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin und im VBDK. Damit hat die gesamte Erinnerungsarbeit besonderes Gewicht in der Arbeit und kann nicht nur am Ort (u.a. Wöbbelin) gesehen werden, sondern ist in seiner Gesamtheit zu betrachten", so Landrat Rolf Christiansen. "Wenn Schülerinnen und Schüler sich mit diesem Thema intensiv auseinander setzen und sich auch im Rahmen von solchen Bildungsreisen einbringen, so gilt es, dies auch durch den Landkreis zu unterstützen. Darüber hinaus ist dies ein wichtiger Schritt zur Völkerverständigung."
Bei der gemeinsamen Gedenkfeier auf dem Rathausplatz in Cassino brachten einzelne Gruppen der Schulen in berührender Eintracht mehrsprachig ihren Wunsch nach Frieden zum Ausdruck und lasen u.a. Udo Lindenbergs Liedtext "Wozu sind Kriege da" auf deutsch und polnisch vor.
Wiedersehen in MecklenburgDie gewünschte Völkerverständigung stellte sich vom ersten Tag an ein, neben dem tragischen und dramatischen Thema des Krieges vereinte die jungen Leute auch die Freude an der Reise mit einem fröhlichen "Bella Italia Lebensgefühl". Nach dem letzten Geschichts-abstecher mit Besuch der Ausgrabungsstätte Pompeji wurden Adressen und Telefonnummern ausgetauscht. Sicher ist, dass man sich wiedersieht, denn Richard Hartinger lud alle Teilnehmer aufgrund des tollen Ablaufes der Reise im nächsten Jahr nach Mecklenburg ein.
Quelle: Schweriner Volkszeitung
/image%2F1377997%2F20150108%2Fob_508aca_kban.jpg)