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Delmenhorst: „Hinschauen und nicht wegsehen“

28. September 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Freiheitsrechte


Bürger werden für Zivilcourage geehrt



Zivilcourage ist für sie kein Fremdwort: Murat Akman, Jörg Zimmermann (Weisser Ring), Axel Meyer, Polizeichef Jörn Stilke, Henning Blume, Oberbürgermeister Patrick de La Lanne und die Klassensprecherin der 11b, Jana-Christin Wegner, (v. l.) bei der Preisverleihung. FOTO: andreas Nistler
Widerstand einer Willms-Klasse gegen den Hitlergruß wurde ebenso gewürdigt wie Hilfe für Opfer von Straftaten. Zivilcourage dürfe nicht mit Draufgängertum verwechselt werden, mahnte Polizeichef Stilke.
Von Bettina Pflaum
delmenhorst. „Ich habe gar nicht nachgedacht, ob mir dabei etwas passiert. Ich habe einfach geholfen.“ So oder ähnlich äußern sich alle Preisträger, die am Freitag in einer Zeremonie im Rathaussaal einen Preis für Zivilcourage von Oberbürgermeister Patrick de La Lanne erhalten haben.
„Mit dem Preis zeigen wir, dass es in Delmenhorst eine Kultur des Hinschauens gibt, und es gefällt mir, dass mutige Bürger sich für Opfer einsetzen“, begann de La Lanne seine Rede. Die Verleihung des Preises für Zivilcourage habe seit neun Jahren für die Stadt Delmenhorst und den Kriminalpräventiven Rat (KPR) höchste Priorität. Damit werde gezeigt, dass Delmenhorst Bürgerinnen und Bürger habe, die sich einsetzen, wenn anderen ein Unrecht geschehe. Dabei sei ein klarer Kopf, ein fester Standpunkt, ein Überblick über die Situation und vor allem Aufmerksamkeit für Zivilcourage unabdingbar. „Nur wenn man aufmerksam ist, schaut man hin, wenn ein Unrecht passiert“, meinte der Oberbürgermeister.
Jörn Stilke, Leiter der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburger Land, ging in seiner Ansprache besonders darauf ein, dass man Zivilcourage nicht mit Draufgängertum verwechseln solle. „Alle Preisträger haben besonnen reagiert“, machte er deutlich, „sie haben sozialen Mut gezeigt, keinen Leichtsinn.“ Jörg Zimmermann vom Weissen Ring ging seinerseits auf die Opferrolle ein.
Geehrt wurde die jetzige Klasse 11b des Willms-Gymnasiums. Die Jugendlichen hatten sich im Februar beherzt einem Lehrer entgegengestellt, der sie im Unterricht zum Hitlergruß und Marschlied-Singen aufforderte. „So ein Verhalten ist entsetzlich“, kommentierte de La Lanne das Vorgehen des Lehrers, „der Fall ging durch die nationale Presse, das habt ihr gut gemacht“, lobte er die Schüler, die einen Scheck über 500 Euro erhielten. Ein weiterer Preisträger ist Murat Akman. Er beobachtete im Februar nachts einen Straßenraub, verfolgte die drei Täter mit seinem Auto, stellte einen und trug zur Festnahme der Räuber bei. Ihm wurde ein Scheck über 250 Euro überreicht. Ralph Brockhoff, Henning Blume und Axel Meyer erhielten den Preis für Zivilcourage schließlich, weil sie im März einer 58-jährigen Frau beistanden, die nachmittags auf dem Hasporter Damm von einem jungen Mann überfallen wurde. Der Täter näherte sich ihr auf einem Fahrrad und entriss ihr die vollen Einkaufstaschen. Henning Blume und Ralph Brockhoff sahen diese Tat von ihrem Pritschenwagen aus, ebenso wie Axel Meyer in seinem Wagen. Gemeinsam stellten die drei den Täter und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Alle drei erhielten jeweils 250 Euro. „Der Preis soll ein Zeichen setzen und die Menschen dazu bringen, hinzuschauen“, erklärte Angelika von Ohlen vom KPR.

Quelle: Delmenhorster Kreisblatt 27.09.08
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