Radio Flora ist am Ende
Sie gehörten in den Achtzigern zu den Pionieren des Privatradios. Nun wollen Hannovers altgedienten Radioprofis mit einem neuen Sender die Nachfolge des Bürgerfunks Radio Flora antreten.
Andreas Kuhnt, vor 20 Jahren ffn-Mann der ersten Stunde, und seine damaligen Kollegen Uli Kniep und Christine Mühlenhof haben sich um die Lizenz beworben.
Sie wollen aus dem Lindener Sender ein „City-Radio“ mit einem Studio in der Innenstadt machen und haben nach eigenen Angaben von 96-Boss Martin Kind bis zu Hannover Tourismus bereits prominente Unterstützer.
Aber auch der jetzige Betreiber, der 550 Mitglieder starke Verein Freundeskreis Lokal-Radio Hannover, tritt mit völlig überarbeitetem Konzept an. Die Flora-Macher wollen weder den Ort ihres Senders in Linden noch seinen Namen beibehalten. Als drittes hat sich eine Neustädter Gruppe beworben, die schon jetzt bei Radio Flora Teile des Programms gestaltet.
Am Dienstag treffen sich die Konkurrenten erstmals gemeinsam mit dem Direktor der Landesmedienanstalten zu „moderierten Einigungsgesprächen“.
„Wir wollen, dass sich alle drei Bewerber zusammentun“, sagt der Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM), Reinhold Albert. In welcher Form dies allerdings geschehen soll, und wer am Ende das Sagen haben wird, ist weiterhin offen. Die NLM vergibt die Sendelizenz für den März 2009.
2007 hatte die NLM die Lizenz des Freundeskreises Lokal-Radio für den Bürgerfunk nicht verlängert. Eine Studie hatte ergeben, dass Flora im Vergleich zu anderen Bürgerradios in Niedersachsen nur wenig Akzeptanz genießt. Das soll sich durch die Neuausschreibung ändern.
Die drei Bewerber haben ihre Konzepte vorgelegt, um die Reichweite des hannoverschen Bürgerradios zu erhöhen. „Aus meiner Sicht hat Flora ohne einen kompletten Neuanfang keine Chance, aus der Nische herauszukommen“, sagt Kuhnt. Wenn es nach ihm geht, soll das Bürgerradio künftig „Schwitters 106,5 – Das lüttje Radio“ heißen.
Hierfür soll eine gemeinnützige Gesellschaft gegründet werden. Die meist ehrenamtlichen Mitarbeiter von Radio Flora sollen sich nach Vorstellung von Kuhnt in dem neuen Radio mit Ideen einbringen – allerdings nicht als Verein. „Wir glauben nicht, dass die Vereinsstruktur für das Projekt sinnvoll wäre“, sagt Kuhnt.
Das Radio soll aus der Innenstadt senden und in Musik und Beiträgen ein „breiteres Publikum“ ansprechen. Allerdings wolle man keinesfalls den Privatsendern Konkurrenz machen, sagt Kuhnt.
Radio Flora setzt auf eine Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Gesellschaft. „Nach unseren Vorstellungen sollten alle Bewerber zu gleichen Teilen daran beteiligt werden“, sagte Caren Beckers, Vorsitzende des Freundeskreises Lokal-Radio.
Der Sender, dem seit dem Sendestart 1997 ein linksliberales Image anhaftet, hatte bereits vor einem Jahr auf die Kritik der NLM reagiert und eine umfassende und viel gelobte Programmreform gestartet. Fremdsprachige und andere Spezialsendungen wurden in den Abend verlegt. Das Programm ist seitdem in der Kernzeit in weiten Teilen „durchhörbar“. Wie es aussieht, kam die Reform für Radio Flora, so wie es heute noch existiert, wohl zu spät.
Von Dirk Schmaler
Quelle: HAZ 28.03.2008
Werbung
Diesen Post teilen
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
R
/image%2F1377997%2F20150108%2Fob_508aca_kban.jpg)