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Elternbrief zum KITA-Streik

25. Oktober 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #soziale Gerechtigkeit - gewerkschaftliche Kämpfe

Kindertagesstätten-Stadtelternrat     Hannover                                                             Hannover, 22.10.2008

Ricklinger Str. 39

30449 Hannover

 

An:

den AWO-Geschäftsführer, Herrn Burkhard

und an den Verdi-Sekretär Herr Memenga

 

Gemeinsamer Brief der Elternvertreterin der AWO-Kitas, Katrin Göllinger, im Kita-Stadtelternrat und des Kita-Stadtelternrates (Georg Weil, Sprecher) an den Geschäftsführer der AWO, Herrn Burkhard Teuber und an Verdi-Sekretär Harald Memenga, verfasst in der Sitzung des Kita-Stadtelternrates am Mittwoch, 22.10.2008:

 

 

Sehr geehrter Herr Teuber, sehr geehrter Herr Memenga,

unsere Kinder gehen in Kindergärten der Arbeiterwohlfahrt und wir wissen, dass sie dort gut betreut sind, weil der Qualitätsstandard in den Kindergärten hoch ist, was nicht zuletzt der Verdienst der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist.

Spätestens seit Pisa ist die grundlegende Bedeutung der Kitas für Bildung und Erziehung allseits bekannt.

Wie viel verdient eine Erzieherin / ein Erzieher, die / der unsere Kinder fünf Tage die Woche betreut und sie einen wichtigen Teil ihres Lebens begleitet? Es stimmt schon: den Beruf einer Erzieherin / eines Erziehers ergreifen zum allergrößten Teil nur diejenigen, die sich dazu berufen fühlen; wer sonst würde für dieses, im Vergleich doch geringe Gehalt, eine solche Verantwortung übernehmen.

Es darf nicht durch die Sparwut in Stadt, Land und Bund zu Lasten unserer Kinder zum Qualitätsabbau kommen. Und das um so weniger als jetzt Politiker die Bereitschaft zeigen, Bankern, die sich in zweifelhaften Investment-Banking-Geschäften verzockt haben, mit mehreren Hundert Milliarden Euro unter die Arme zu greifen. Der logische Menschenverstand sagt einem doch, dass es in der Kinderbetreuung nur zu einer kontinuierlichen Qualitätsverbesserung kommen darf, was nur über motivierte und gut ausgebildete Fachkräfte geht.

Wir Eltern sehen und verstehen die Ängste und Sorgen der Beschäftigten und zeigen uns mit ihnen solidarisch. Wir sehen das gleiche Ziel, den im KiTaG festgeschriebenen Bildungs- und Betreuungsauftrag für unsere Kinder so gut wie nur irgend möglich zu gewährleisten.

Kinder sind unser aller Zukunft. Das, was wir heute in sie investieren, zahlt sich morgen mehrfach aus, was wir allerdings heute an Ihnen sparen, das lässt sich morgen nicht wieder gut machen.

Wir Eltern unterstützen die Forderung nach einer besseren Bezahlung der Kita-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zugleich muss sukzessive die Ausbildung der Kita-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessert werden. Wir sehen uns als ein Glied einer Kette, wenn wir für eine weitere Verbesserung der Qualitätsstandards mit unseren möglichen Mitteln streiten und kämpfen. Wir hoffen dass Sie sowohl von Arbeitgeber- als auch von Arbeitnehmerseite wieder zusammenfinden, um gemeinsam mit uns Eltern für eine bessere Bezahlung als auch für eine Qualitätsverbesserung bei der Ausbildung der Kita-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzutreten.

 

Unabhängig vom weiteren Verlauf der Auseinandersetzung fordern die Eltern der Kita-Kinder, die aufgrund der Streikmaßnahmen die Kita tageweise nicht besuchen konnten, eine Rückerstattung der Elternbeiträge für die Streiktage, schließlich wurde den streikenden Mitarbeitern an diesen Tagen auch kein Gehalt überwiesen. Diese Kosteneinsparung ist vom Träger an die Eltern weiterzugeben, wie es auch Anfang des Jahres beim großen Streik des Öffentlichen Dienstes geschehen ist.

Bei der Planung von Notgruppen fordern wir Eltern, dass sich Arbeitgeber- und Gewerkschaftsseite zusammensetzen, um zu sozial verträglichen Lösungen zu kommen. Für viele Eltern und oft auch für die Kinder stellt jeder einzelne Kita-Streiktag eine enorme Belastung da, weil die Eltern längst nicht immer in der Lage sind, anderweitig eine Betreuung zu organisieren, ihnen aber zugleich ein Arbeitgeber im Nacken sitzt, der nicht immer das nötige Verständnis für die Sorgen der Eltern um ihre Kinder aufbringt. Da hilft es auch wenig wenn die Rechtssprechung klar davon ausgeht, dass im Zweifelsfall dass Kindeswohl Vorrang hat und kein Arbeitgeber die Anwesenheit am Arbeitsplatz verlangen kann, wenn eine alternative Versorgung der Kinder nicht gewährleistet ist.

Keinesfalls darf, wie es jetzt geschehen ist, es den einzelnen Kita-Leitungen aufgebürdet werden, ob und wenn ja wie sie eine Notversorgung gewährleisten. Damit werden bewusst Eltern gegen die Menschen vor Ort aufgebracht, denen sie tagtäglich ihre Kinder zur Erziehung anvertrauen.

Mit freundlichen Grüßen,

 

Hannover, 22.10.2008,

Katrin Göllinger, Elternvertreterin der AWO-Kindertagestätten im Kita-Stadtelternrat

Georg Weil, Kindertagesstätten-Stadtelternrat (Sprecher)

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