Neonazi-Anwalt schockt Celle: Widerstand formiert sich Politik und Forum gegen Rechtsradikalismus wollen gegen Schulungszentrum vorgehen
Neonazi-Anwalt schockt Celle:
Widerstand formiert sich
Politik und Forum gegen Rechtsradikalismus wollen gegen Schulungszentrum vorgehen
«Völlig überrascht war die Celler Politik und Verwaltung gestern, als der rechtsradikale Anwalt Jürgen Rieger bei der Zwangsversteigerung des Landhauses Gerhus auftauchte. Als der zweite Schock mit dem Kaufvertrag, der bereits zwischen Rieger und den Eigentümern besteht, verdaut war, formierte sich der erste Widerstand.
Von Tore Harmening und Stefan Drößler
GELLE. Damit hatte keiner gerechnet: Der rechtsextreme Anwalt Jürgen Rieger erschien gestern Morgen bei einer Zwangsversteigerung im Celler Amtsgericht. „Das hätte ich nicht gedacht, dass er kommt", raunte es in Saal 14. Das Verfahren wurde kurz nach Beginn um 10 Uhr auf Betreiben der Gläubigerin, der Volksbank Südheide, abgesagt.
Ein paar Stunden später war klar: Rieger hat bereits einen Kaufvertrag für das Landhotel Gerdehaus zwischen Faßberg und Unterlüß abgeschlossen.
„Ach du Sch....", entfuhr es einigen Politikern, als sie die Nachricht durch die GZ erhielten, dass Rieger bereits Fakten geschaffen hatte. Doch für alle war auch sofort klar: Ein neues Schulungszentrum wie es in
den 90er Jahren in Hetendorf bestand, muss unbedingt verhindert werden.
„Ich hoffe, dass ein Vorkaufsrecht besteht", sagte Kirsten Lühmann. Wenn nicht, müssen wir parteiübergreifend und als Bürgergesellschaft dafür sorgen, dass von Gerdehaus kein rechtes Gedankengut verbreitet wird", so die SPD-Fraktionschefin im Kreistag.
Ähnlich äußerte sich Annegret Pfützner von den Grünen. „Dieser braune Sumpf würde auf ganz Gelle abfärben, dass müssen wir unbedingt verhindern." Alle rechtlichen Möglichkeiten müssten ausgeschöpft werden. Ähnlich äußerten sich FDP und CDU.
• Vorkaufsrecht: Ob jedoch das Vorkaufrecht besteht, womit die Gemeinde Faßberg zunächst das Heft des Handelns in der Hand behalten würde, ist umstritten. Die Gemeinde geht davon aus, dass es sich so verhält. Doch Günter Busche, Direktor des Celler Amtsgerichts, macht nicht viel Hoffnung, dass Rieger zu stoppen ist. „Das Vorkaufsrecht ist nicht im Grundbuch eingetragen", sagt er.
Noch hat Rieger aber den vollen Kaufpreis von 1,28 Millionen Euro nicht bezahlt. Er hatte lediglich im Vorfeld dem Gericht 100000 Büro als Bietersicherheit auf den Tisch gelegt.
Schon früher war Rieger offenbar an dem Objekt interessiert. Der Besitzer des Landhauses Gerhus, der damals, die Verhandlungen führte, ist jedoch im September 2008 gestorben. Die Erbengemeinschaft, die aus der 68-jährigen Witwe Elfriede Hennies und den beiden Söhnen besteht, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
• Neues Hetendorf: Nach dem Schulungszentrum in Hetendorf bei Hermannsburg droht dem Landkreis Gelle mit dem Verkauf nun erneut ein Zentrum für Neonazis. In Hetendorf hatte sich bis zu ihrem Verbot 1998 regelmäßig die Wiking-Jugend getroffen. Die Geschichte könnte sich nun wiederholen.
• Forum gegen Rechts kündigt Proteste an: Sollte Rieger wirklich in den Landkreis Gelle kommen, kann er sich auf massive Proteste gefasst machen. Hartwig Erb, DGB-Regionsvorsitzender und Sprecher des Forums gegen Gewalt und Rechtsextremismus, kündigte schon jetzt Widerstand gegen das Zentrum an.
Quelle: Cellesche Zeitung 18.10.2008
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