„Braune Soße" in der Heide unerwünscht: Faßberger gegen Schulungszentrum Gerhus
„Braune Soße" in der Heide unerwünscht: Faßberger gegen Schulungszentrum Gerhus
Bewohner des Nordkreises lehnen rechtsextremen Szenetreff einheitlich ab
Die Nachricht, dass der rechtsradikale Anwalt Jürgen Rieger das Landhaus Gerhus kaufen will, hat unter den Bewohnern Faßbergs unterschiedliche Sorgen hervorgerufen. In einem Punkt sind sich die Menschen vor Ort aber einig: Ein Schulungszentrum muss verhindert werden.
Von Eike Frenzel
FASSBERG. Besorgt, entnervt, aber auch verängstigt und enttäuscht: So lassen sich die Reaktionen der Bewohner in Faßberg und den umliegenden Ortschaften zusammenfassen, nachdem bekannt geworden ist, dass der Hamburger Rechtsanwalt und stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Jürgen Rieger das Landhaus Gerhus in Gerdehaus kaufen will. Ein Hotel mit Seminarangebot - sprich: ein Schulungszentrum - wolle der rechtsextreme Anwalt in Gerdehaus in der Gemeinde Faßberg einrichten, wie er gegenüber der CZ erklärte. Die Einwohner vor Ort bringen unterschiedliche Aspekte gegen diese Pläne vor, die dennoch eines mehrheitlich ausdrücken: Sie lehnen ein mögliches rechtsideologisches Schulungszentrum in ihrer Nachbarschaft entschieden ab.
Dietmar Wasmund aus Trauen sagt: „Ich finde das überhaupt nicht gut. Wenn diese Leute hier Veranstaltungen machen, was ist dann hier los?" Seine Sorge: „Das läuft alles auf Randale hinaus." Auch Alexander Rout aus Unterlüß kann der Vorstellung an einen rechtsextremen Treffpunkt in unmittelbarer Nähe
nichts abgewinnen. „Erst kommen viele junge Leuten hierher und dann kommt die Polizei."
Ganz andere Bedenken beschäftigen die Faßbergerin Cornelia Granobs. Die Mutter zweier Kinder im Teenager-Alter befürchtet, dass Kinder und Jugendliche von einer neonazistischen Weltanschauung indoktriniert werden könnten, sollte sich die Gründung eines rechtsextremen Szenetreffs mit entsprechenden Aktivitäten vor Ort bewahrheiten. Auch die Auswirkungen auf die touristische Attraktivität der umhegenden Naherholungsgebiete hält sie für absolut katastrophal. „Es wäre wünschenswert, wenn das jemand verhindern könnte", so Granobs hinsichtlich eines Schulungszentrums á la Hetendorf bei Hermannsburg - doch geht es ihr bei dieser Hoffnung wie den meisten Einwohnern der Gegend, sie fühlt sich von der lokalen Politik allein gelassen: „Man weiß nicht, wie das gehen soll." So sieht es auch Sandra Marwede aus Sülze. Sie findet: „Wir brauchen diese Menschen hier nicht - aber was sollen wir dagegen machen?"
Michael Vollack aus Müden hat ebenfalls Sorgen wegen der Anziehungskraft, die von den häufig als aktionsgeladene Ferienlager verharmlosten Schulungsaktivitäten rechtsextremer Gruppierungen ausgehen könnten: „Die Kinder hängen heute viel auf der Straße rum. Da könnte versucht werden, sie für solche Sachen zu gewinnen."
Nach den Erfahrungen, die die Einwohner des Nordkreises in der Vergangenheit mit dem rechtsradikalen Schulungszentrum „Hetendorf 13" machen mussten, reagiert Ernst Wolf gereizt anlässlich einer Neuauflage HJ-inspirierter Neonazi-Treffen: „Wir haben genug von diesem Volk hier in der Heide", erklärt der Unterlüßer. Schießlärm von der Firma Rheinmetall und regelmäßige Manöver der Bundeswehr haben außerdem bereits ihre Spuren bei Wolf hinterlassen: „Wir wollen die Natur hier so behalten, wie sie ist." Die Vorstellung, dass die Heide künftig erneut als Aufmarschgebiet von Rechtsradikalen herhalten könnte, passt Wolf - wie den wohl meisten Bewohnern der Gegend - folglich überhaupt nicht: „Braune Soße brauchen wir hier schon gar nicht."
Quelle: Cellesche Zeitung 20.10.2008
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