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Entscheidung gegen radio flora - Unverständnis beim Freundeskreis

6. November 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #alternative Medien


Auf Unverständnis und auch Empörung ist die Entscheidung der
Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) gegen radio flora beim Vorstand
gestoßen. Der Vorstand erklärt dazu:
“Die Entscheidung der Versammlung der NLM gegen uns und für unseren
Konkurrenten ist nicht nur sehr bitter, wir können sie auch nicht verstehen.
Die Verweigerung der Lizenz ist eine Ohrfeige für die hunderte Ehrenamtlicher,
die unsere tägliche Radioarbeit prägen. Und sie bedeutet den Verlust ihres
Arbeitsplatzes für eine ganze Reihe von Beschäftigten.

Die Begründung für die Ablehnung unseres Antrages ist uns unverständlich.
Vom neuen
Betreiber unserer Lizenz wird eine größere Vielfalt erwartet.
Es mutet schon merkwürdig an, wenn man radio flora in dieser Weise Vielfalt
abspricht. Wir haben den Verdacht, dass vorgefasste Urteile und tiefsitzende
Bedenken gerade wegen der bunten Vielfalt unseres Senders zu der negativen
Entscheidung geführt haben. Weiter heisst es in der Begründung, man habe sich
die Entscheidung nicht leicht gemacht. Leicht veilleicht nicht, aber schnell ist
man gewesen: 30 Minuten hat die Versammlung der NLM gebraucht, um gegen einen
gut vernetzten und innovativen  Bürgerrundfunksender und Faktor in der Region
zu entscheiden.

Dass ein Anbieterkonsortium, das erst in den letzten Monaten seine
Medienkompetenz über Mitgesellschafter einwerben konnte, jetzt den Zuschlag
erhält, verwundert uns. Das gilt umso mehr, als unser Mitbewerber sich im Laufe
des Bewerbungsverfahrens so verändert hat, dass in ihm der
ursprüngliche
Antragssteller kaum noch zu erkennen ist.

Der Vorstand von radio flora hat in den letzten drei Monaten viel versucht und
viel erreicht: 5.500 Unterschriften dokumentieren das breite Interesse aktiver
Hörerinnen und Hörer an unserer Radioarbeit, weit über 140 neue
Vereinsmitglieder stehen für weiteres Engagement, zehn Gesellschafter haben
eine neue Betreibergesellschaft gegründet und beweisen damit deutlich mehr
gesellschaftliche Bandbreite als unser Mitbewerber.

Besonders irritiert sind wir darüber, dass uns gegenüber - auch aus der
Landesmedien-anstalt heraus - immer wieder bestätigt wurde, dass radio flora
hörbarer und professioneller geworden sei. Alle diese Anstrengungen und
Bemühungen der Redakteure in den letzten 1 1/2 Jahren sind von der
Landesmedienanstalt bzw. deren Versammlung jetzt ignoriert worden.

Stattdessen traut man jetzt unseren Konkurrenten das zu, was man bei
uns
täglich hören kann!

Wir haben trotz mancher interner Diskussionen stets ein ansprechendes Programm
on air gebracht. Wir wollten und wollen nach unserem Programmoutput bewertet
werden. Wir wollen danach beurteilt werden, wie viele Menschen bei uns und mit
uns Bürgerrundfunk machen und nach unserer Zugangsoffenheit und
Medienkompetenzvermittlung.

Ein Bürgerrundfunk, der wirklich Bürgerfunk sein will, muss auch mit
Querschüssen leben. Das mindert nicht die Leistung. Im Gegenteil beweist das,
dass wir nicht ausgrenzen und ausschließen, sondern unsere Stärke in der
Einbindung vielerlei Interessen liegt. Das mag manchen ein Dorn im Auge sein:
radio flora ist auch ein Sender mit Platz für gesellschaftliche Minderheiten,
für Migrantinnen und Migranten, für Behinderte und für sozial Schwache. Wir
sind stolz darauf, nicht Mainstream zu sein und - im positiven Sinne - keine
“Profis” zu sein. Das
hat vielen missfallen. Wir stehen dazu.

Die Lizenz wird uns genommen, aber wir können mit aufrechtem Gang das Funkhaus
räumen. Wir haben einen starken Abgang hingelegt und wir haben auf den letzten
Metern richtig was bewegt. Dass das keine Würdigung findet, ist das eigentlich
Empörende.”

Der Vorstand und die Geschäftsleitung von radio flora

-- radio flora - UKW 106,5 MHz | Kabel 102,15 MHz


Die Mitteilung der Landesmedienanstalt:

Nr. 19/2008

06.11.2008

Bewerbergemeinschaft um Radio Team Niedersachsen

erhält Bürgerradio-Frequenz 106,5 MHz  in Hannover

Hannover. Auf der Bürgerradio-Frequenz 106,5 MHz in Hannover sendet ab dem 01.04.2009 die „106,5 Rundfunkgesellschaft gGmbH“. Das entschied die Versammlung der Niedersächsi­schen Landesmedienanstalt (NLM) auf ihrer Sitzung am 06.11.2008. Damit hat sich die Bewerbergemeinschaft um das Radio Team Niedersachsen gegen die Bewerbergemeinschaft von Radio Flora, dem bisherigen Lizenzinhaber, durchgesetzt.

 

Von der Zusammensetzung aus professionellen Radiomachern, erfahrenen und reformorien­tier­ten Bürgerfunkern und einem großen Freiwilligen-Netzwerk erwartet die NLM auf Dauer die größere Vielfalt der Meinungen im Programm. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", stellte die Vorsitzende der Versammlung, Ortrud Wendt, fest. „Mit dem Neuanfang“, so Wendt weiter, „wollen wir die Akzeptanz des Bürgerradios in Hannover nachhaltig steigern“. Ausdrücklich hob die Vorsitzende hervor, dass „im neuen hannoverschen Bürgerradio alle inter­essierten Gruppen und Initiativen ihren Platz finden werden“.

 

Die NLM hatte die Bürgerradio-Lizenz im März 2007 neu ausgeschrieben. Fristgerecht bewar­ben sich bis Mitte Dezember 2007 Radio Flora, das Lokalradio Neustadt (LRN) sowie das Radio Team Niedersachsen (RTN). In den darauf folgenden Monaten unternahm die NLM zahlreiche Versuche, eine Einigung der drei Bewerber herbei zu führen. Diese kam jedoch nicht zustande. Lediglich RTN und LRN schlossen sich im Laufe der Verhandlungen zusammen. Gemeinsam mit dem Freiwilligenzentrum, dem Bürgerfernsehsender h1 sowie dem Förderverein Bürgerradio Hannover e.V. (FBH) gründeten RTN und LRN Ende Oktober die „106,5 Rundfunkgesellschaft gGmbH“. Der FBH ist vom ehemaligen, bis August 2008 amtierenden Flora-Vorstand gegründet worden und besteht aus ehemals bei Radio Flora aktiven Bürgerfunkern.

 

Die Sendelizenz von Radio Flora endet am 31.03.2009. Der 106,5 Rundfunkgesellschaft gGmbH wird die Zulassung für einen Zeitraum von sieben Jahren, also bis zum 31.03.2016 erteilt.

NLM – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Uta Spies


Pressemitteilung Die Linke Region Hannover:

Presse-Information

Hannover, den 6. November 2008

Entscheidung gegen Radio Flora: „Schlag ins Gesicht engagierter Bürger“

„Die Entscheidung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt gegen eine Lizenzvergabe an

Radio Flora ist ein Schlag in das Gesicht der vielen hundert dort ehrenamtlich engagierten

Bürger“. So kommentiert Ratsherr Oliver Förste (DIE LINKE) die heute getroffene

Entscheidung, die Lizenz für den Bürgerfunk in Hannover an die neu gegründete

„Rundfunkgesellschaft 106,5“ zu vergeben.

„Mit einer gezielten Kampagne wurde ein politisch missliebiger Sender zuerst in Misskredit

gebracht, um ihn dann planmäßig abzuschalten“, so Förste weiter. „Damit zeigt die CDU im

Niedersächsischen Landtag, die hier im Hintergrund die Strippen gezogen hat, was sie

wirklich von der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit hält.“ Insbesondere der

Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Ulrich Dütemeyer, habe als Vorstandsmitglied der

Versammlung der Landesmedienanstalt die Hörerquote zum Maßstab der Entscheidung

hochstilisiert. Damit habe er das im Landesrundfunkgesetz als zentral hervorgehobene

Kriterium der Bürgerbeteiligung schlicht und einfach ausgehebelt.

„Dieser parteipolitisch gesteuerten Entscheidung fallen nicht nur ein gutes Dutzend

Arbeitsplätze zum Opfer, sondern auch die 13 muttersprachlichen Redaktionen und

Sendungen, die einen wichtigen Beitrag zur Integration von Migrantinnen und Migranten in

Hannover geleistet haben“, bedauert Förste. Auch die lokale Musikszene verliert damit ein

wichtiges Medium.

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