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Kritik am Schwarzen Block

8. November 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Politik


Die Kritik am “Schwarzen Block”, so entzückende Bilder er uns bisher auch liefern konnte, ist eigentlich längst hinfällig. Das gerade ER Zusammengehörigkeit symbolisiert, der Gruppe nach innen sowie nach außen Stärke verleiht und hauptsächlich dem Zweck der “inneren Sicherheit” des Demonstrationszugs dient, mag teilweise noch plausibel klingen. In der Theorie muss man dem nicht unbedingt widersprechen.
Doch in Folge progressiver Polizeitaktiken, die einem revolutionären Block folgerichtig als widerborstigste Erscheinungsart des Protests ausgemacht haben, sollte man den “Faktor Sicherheit” einem Direktvergleich mit anderen Erscheinungsformen unterziehen. Stellt der Schwarze Block nicht letztendlich ein Magnetpol für den Bullenspalier dar? Rückt nicht insbesondere die schwarze Kleidung in den Focus der Überwachung? So primitiv diese Frage auch klingt, so deutlich müsste die Antwort darauf sein.

Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie eine neuartige unterschwellige Uniformierungstendenz dem alten Habitus des schwarzen Mackers entgegenwirken kann. Die gegebenen sozialisationsgebundenen Grundtypen des uniformen (kollektiven) Strebens, könnten ein neues Muster des Kampfes und der effektiven Tarnung darstellen. Mit dem in Kauf zu nehmenden Nachteil, dass wir nicht mehr ganz so cool aussehen, könnte man (insbesondere im Sommer) den Auflagen des Militanzverbotes auf smarte und produktive Weise trotzen. Eindeutig wollen wir im Rahmen dieser Internetpräsenz nicht werden, doch kann man zweierlei Vorzüge des facettenreichen Auftretens genießen. Die Demonstration kann durch vermeintlich individuelle Bekleidung den Cops die Übersichtlichkeit erschweren. Gerade auf größeren Zweckbündnisdemonstrationen, ist dadurch ein besseres Tarnungsverhalten garantiert.

Kam es auf solchen Demonstrationen zu Auseinandersetzungen, war eine Distanzierung bisher allein durch die klar erkennbare Blockbildung gewährleistet. Solidarisches Handeln mit Demonstrationsteilnehmern aus den Reihen des Schwarzen Blocks wurde damit von anderen Demoteilnehmern praktisch automatisch unterbunden. Eine “offensive” Herangehensweise eines schwarz gekleideten Jugendlichen, ging fast immer mit dem Unverständnis anderer Protestpersonen einher. Oftmals distanzierten sich Bündnisgruppen im Verlauf einer Demonstration vom revolutionären Block.
Der Block als solches soll von uns (bezüglich unserer kritischen Auseinandersetzung mit ihm) nicht geschwächt werden, er soll nur seine Funktionalität wieder in Richtung Produktivität finden.
Durch den Focus der Aufmerksamkeit (auf den Block) wurde der Polizei die Arbeit bisher eher erleichtert, als erschwert. Dies hatte einerseits die Kontrolle des Blocks, andererseits ein zügelloseres Vorgehen der Polizei zur Folge. Die Kontrahenten waren somit “unter sich”. Wen kümmert ein niedergeknüppelter Chaot?
Polizeigewalt konnte demnach nicht im Focus der Öffentlichkeit thematisiert werden. Ausschreitungen wurden - mediengerecht plausibel dargestellt - von Demonstranten begonnen.
Das dadurch auch jegliches politisches Anliegen unter dem “Banner” der Militanz rückt, ist leider auch die Konsequenz des militanten Auftretens.
Etwaige Auseinandersetzungen die von bürgerlich wirkender Seite ausgehen, verstärken hingegen das Zusammengehörigkeitsgefühl der gesamten Demonstration. Demobeobachtungen im Zusammenhang mit Protestaktionen gegen Castortransporte bestätigen, dass militante Aktionen des Schwarzen Blocks verurteilt wurden, während teils identische Aktivitäten aus (vermeintlich) bürgerlichen Reihen, auf breites Verständnis gestoßen waren.
Eine zivilere Bekleidung erleichtert dagegen auch das Verlassen einer Demonstration, ermöglicht das berühmt berüchtigte Untertauchen in der Masse, bzw. das plötzliche (manchmal sich von großem Nutzen erweisende) Abtauchen in die Strömung der konsumorientierten unbeteiligten Fußgänger.
Der ggf. fehlende Mut, der durch die zivile Bekleidung befürchtet wird, genauso wie der Verlust der Wirkung des “geschlossenen Auftretens” kann über kleine Umwege umgangen werden. Entsprechende Bezugsgruppen im Kollektiv können weiterhin ein offensives Gemeinschaftsgefühl signalisieren, dies haben psychologische Untersuchungen ergeben - [von der Mitteleuropäischen Polizeiakademie in Wien in Auftrag gegebene Untersuchungen]. Tatsächlich erweisen sich Beamte in Zivil auch nicht gerade als ängstlicher als ihre uniformierten Kollegen. Manchmal machen Beamte in Zivil sogar Festnahmen, obwohl sie in der absoluten Minderheit sind.
Das Argument, durch geschlossenes Auftreten in einheitlicher Kleidung die Personenerkennung durch die Polizei zu erschweren wird zunehmend fraglicher. Gewiss sticht ein rotes Oberteil eines Demonstranten ins Auge, wenn der Personenkreis in dessen Umgebung einheitlich schwarz gekleidet ist. Durch eine komplette Streuung des “Farbspektrums” bleibt der Effekt der Widererkennung jedoch nachweislich auf der Strecke. Schließlich gilt es ja auch nicht, möglichst ausgefallene Bekleidung in grell gelben Farben zu benutzen, sondern aus der bereits gegebenen Vereinheitlichung zu schöpfen.*

Es gibt alternative Möglichkeiten zur Uniformierung des Protests:
Gegenaktivitäten zu Naziaufmärschen werden durch zivile Kleidung vereinfacht, sofern man sich taktisch den Massenansammlungen in Kleingruppen entzieht. Der klandestine Demonstrationstypus wird sich rasch als vollkommen geschickt erweisen. Spezifisch operierende Gruppen in unauffälliger Bekleidung erschweren den Zugriff der Polizei, sie vereinfachen ihn nicht.
Den Nazis wird eine Angriffsfläche entzogen und sie werden dadurch selber angreifbarer. Das Mitführen von Accessoires wird (u.a. der Unkenntlichmachung) paradoxerweise vereinfacht, d.h. diese müssen nicht zwangsläufig auf der Strecke bleiben.

Die indirekte Uniformierung wiederum, die sich als taktisch überlegenswert erweisen könnte, bezieht sich auf Demonstrationen ohne aktionistischen Charakter, d.h. auf Demos ohne Konfrontationswahrscheinlichkeit mit Nazis. Eine genauere Definition dieses Typus werden wir demnächst in internen Kreisen formulieren.
*Es sei nur soviel verraten: Das Militanzverbot richtet sich (sofern man dies glauben kann) zunächst mal nur gegen Uniformierungen mit einschüchterndem Charakter. Das fast jeder Mensch eine Jeanshose besitzt (so traurig diese Feststellung auch manchmal sein mag) und sich dadurch nicht zwingend von anderen in seiner Individualität abhebt, könnte ein Teil neuer Möglichkeiten sein. Die Adaption des Mainstreams missfällt uns verständlicherweise oft, um unser modischen Charakter Ausdruck zu verleihen, er kann uns allerdings zur Mobilisierung verhelfen.
Es geht keineswegs um die Akzeptanz totalitärer Polizeiwillkür, um das Gutheißen neuer Polizeigesetze oder ihren perversen Versuch, öffentlichen Protest von Grund auf im Keim zu ersticken.
Vielmehr möchten wir mit den Einschränkungen des Demonstrationsrechts dahingehend umzugehen wissen, dass wir noch andere Chancen nutzen können unseren Protest erfolgreich organisieren zu können. Und wer weiß, selbst wenn sich dieser Text für so manchen ein wenig zu optimistisch anhört, ist es doch eine Notwendigkeit, sich neuere Ausdrucksformen in der Bewegung der revolutionären Linken zu überlegen.
Es ist an der Zeit auf die Repressionen und Willkür des Staates mit eigener Kreativität zu reagieren.
Black ist verdammt beautiful, aber lasst uns vor neuen Möglichkeiten nicht zurückschrecken.

Die genauere Beschreibung der neuen These liegt einer psychologischen Untersuchung zugrunde und wird im Sinne eines "Kassibers" genauer verdeutlicht.

Quelle: Infoladen Ludwigsburg
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