Kino achteinhalb - Programm Dezember
Liebes Publikum,
letztes Mal ging unsere Programmail über 3 Monate, die Idee kam wohl nicht bei allen gut an, daher jetzt wieder monatlich. Dennoch steht unser Programm bis Ende März fest, es steht auf unser Internetseite:
www.kino-achteinhalb.de
Generell möchte ich mir Folgendes anzumerken erlauben: Beim Kino achteinhalb geht es ausschließlich um inhaltliche Dinge, wir verfolgen u.a. ein programmatisches Konzept. Sprich würde unser Publikum z.B. nur noch Hollywoodproduktionen sehen wollen, dann würden wir diese Filme unter keinen Umständen zeigen sondern dann hätte sich das achteinhalb halt erledigt.
Wir betreiben einen grossen Aufwand bei der Programmauswahl, will sagen, wir richten uns nicht danach, welche Starschauspieler mitspielen, wie ein Film beworben wird, welchen Bekanntheitsgrad ein Film hat, wie die Zuschauerzahlen in anderen Kinos sind. Wir haben in unserem Programm immer wieder unbekannte Perlen, bei denen die wenigen Besucher, die dann im achteinhalb waren, sich ganz angetan äußerten und bedauerten, dass dieser Film so wenig Resonanz hatte. Wenn ich mit hochkarätigen Profis wie Sybille Mollzahn von der nordmedia, die die Kunstfilmreihe konzipiert, die auch das Kammerkino von der nordmedia abonniert hat oder mit Daniel Karg, der gewerblicher Programmgestalter ist spreche, kennen sogar sie einige unserer Filme nicht. Z.B. seit September waren bzw. sind das die Filme: Simon, AlleAlle, Die Frau und der Fremde, Tangos, Old Joy, Hölle Hamburg.
Wir haben diese bekannten da mit großem Aufwand beworbenen Filme aber teilweise benötigt, um mit den Eintrittsgeldern dieser Filme unbekanntere Filme mitzufinanzieren. Die Konkurrenz durch das Kammerkino und vor allem das Palasttheater ist bei diesen Filmen aber grösser geworden. Sprich wir kriegen einfach einige dieser Filme nicht mehr bzw. das Palast hat sich jetzt darauf kapriziert, zu linsen was wir spielen, um dann unsere Filme vorzuspielen.
Da es was das Palast und uns angeht mittlerweile diverse Gerüchte zu geben scheint, habe ich einen Brief von mir an eine Verleiherin auf unsere Internetseite gestellt, der die Angelegenheit aus unserer Sicht darstellt. Die Seite ist nicht verlinkt und nur über diese URL direkt erreichbar:
www.kino-achteinhalb.de/programm/Z
Wer also Interesse hat, bitte...
jeweils Freitag und Samstag um 20.30 Uhr:
5. und 6. Dezember
Le Silence de Lorna - Lornas Schweigen
Drama
Belgien 2008
Kinostart: 9. Oktober 2008
109 Minuten
Regie/Buch/Produktion: Jean-Pierre Dardenne und Luc Dardenne
Lorna, eine junge Albanerin, ist eingewoben in ein Netz aus (illegalen) Geldströmen: Sie soll gegen Bezahlung einen Russen heiraten, um diesem die belgische Staatsbürgerschaft zu beschaffen, nachdem sie selbst zuvor den begehrten Pass durch die gekaufte Ehe mit dem Junkie Claudy gewonnen hat. Allerdings steht Claudy den Plänen von Lornas Boss Fabio im Weg: Eigentlich sollte der Junkie längst tot sein; stattdessen rafft er sich sogar zum Entzug auf und weckt in Lorna, bisher ein gut funktionierendes Rädchen im mafiösen Getriebe, unvorhergesehene Gefühle der Mitmenschlichkeit und moralischen Verantwortung. Als ihre Komplizen Claudy ermorden wollen, um das Geschäft mit dem Russen nicht zu gefährden, versucht Lorna zu intervenieren.
Cannes 2008: Bestes Drehbuch Luc Dardenne und Jean-Pierre Dardenne
LUX-Filmpreis des Europäischen Parlaments
Jury der Evangelischen Filmarbeit: Film des Monats Oktober 2008
12. und 13. Dezember
Ich habe den englischen König bedient
Literaturverfilmung
Tschechien 2006
Kinostart: 21. August 2008
118 Minuten
Regie/Buch: Jirí Menzel
Buchvorlage: Bohumil Hrabal "Ich habe den englischen König bedient"
In einer skurrilen Zeitreise, die von den 1920er- bis in die 1950er-Jahre führt, erzählt Jirí Menzel vom Aufstieg und Fall eines tschechischen Kellners. Die kleinwüchsige Hauptfigur erinnert sich dabei an die Zeit der ersten tschechischen Republik, der deutschen Besatzung und des Nachkriegs. Politische Umbrüche und heftige Amouren erhalten in seiner Rückblende ein ähnliches Gewicht, wobei es dem Film vorrangig um das Charakterbild eines um Anpassung bemühten und primär am eigenen Fortkommen interessierten Kleinbürgers geht. Dabei nähert sich Menzel seinem Helden eher zärtlich als mit dem Gestus der Abrechnung, bevorzugt weiche Töne und sinnliche Bilder und jongliert lustvoll mit der Filmgeschichte. Der schöne, vielleicht etwas altväterliche Abschluss eines meisterlichen Lebenswerks.
Berlinale 2007: Filmpreise der internationalen Filmkritiker- und Filmjournalisten-Vereinigung FIPRESCI
19. und 20. Dezember
Tage und Wolken
Italien 2007
Kinostart 9. Oktober 2008
115 Minuten
Regie/Buch: Silvio Soldini (Brot und Tulpen)
Der Mitinhaber einer Firma in Genua wird von seinen Partnern aus dem Job gedrängt, wodurch er und seine Ehefrau finanziell in solche Nöte geraten, dass sie ihre luxuriöse Wohnung verkaufen und in die Vorstadt ziehen müssen. Während es der Frau bald gelingt, auf die veränderten Lebensumstände zu reagieren, verliert der Ex-Manager zwischen Wut und Selbstmitleid zunehmend die Orientierung. Präzise beobachtetes Sozialdrama, das den Folgen sozialer Deklassierung in feinen Nuancen nachspürt, ohne fatalistisch zu sein
26. und 27. Dezember
Couscous mit Fisch
Frankreich 2007
Kinostart: 4. September 2008
151 Minuten
Regie/Buch: Abdel Kechiche
Sinnlicher Einblick in das Leben einer entzweiten franko-arabischen Familie, die in der dritten Generation in Südfrankreich lebt, wobei sowohl Vorurteile gegen die so genannten "beurs" als auch die Mythen der Emigranten unterlaufen werden. Im Mittelpunkt steht das ehemalige 60-jährige Oberhaupt, das mit einer anderen Frau und deren Tochter zusammenlebt. Als er entlassen wird, ermutigt diese ihn, ein Restaurant zu eröffnen. Ein ebenso unterhaltsamer wie intellektueller Film, der sein Sujet realistisch, aber mit spürbarer Zuneigung angeht.
César 2008 für den besten Film
Venedig 2007: Großer Preis der Jury: Abdel Kechiche
Marcello-Mastroianni-Preis" für die beste schauspielerische Nachwuchsleistung: Hafsia Herzi
2. und 3. Januar 2009
Old Joy
USA 2006
Kinostart: 23. Oktober 2008
76 Minuten
Regie/Buch/Schnitt: Kelly Reichardt
OmU, Englisch mit deutschen Untertiteln
Zwei alte Freunde, die vor Jahren in einer Wohngemeinschaft lebten, verabreden sich zu einem Wanderausflug, um eine tief im Wald gelegene heiße Quelle zu finden. Doch schon kurz nach dem Wiedersehen wird deutlich, dass sich beide auseinander gelebt haben und nur noch wenig miteinander anzufangen wissen. Die wortkarge Spannung löst sich, als sie am überwältigenden Ziel ihrer Wanderung angekommen sind. Ein minimalistisch inszenierter Film, der die Entfremdung der Protagonisten auf kontemplative Weise erfahrbar macht und durch Auslassungen und kluge Zurückhaltung mit stiller Schönheit beglückt.
letztes Mal ging unsere Programmail über 3 Monate, die Idee kam wohl nicht bei allen gut an, daher jetzt wieder monatlich. Dennoch steht unser Programm bis Ende März fest, es steht auf unser Internetseite:
www.kino-achteinhalb.de
Generell möchte ich mir Folgendes anzumerken erlauben: Beim Kino achteinhalb geht es ausschließlich um inhaltliche Dinge, wir verfolgen u.a. ein programmatisches Konzept. Sprich würde unser Publikum z.B. nur noch Hollywoodproduktionen sehen wollen, dann würden wir diese Filme unter keinen Umständen zeigen sondern dann hätte sich das achteinhalb halt erledigt.
Wir betreiben einen grossen Aufwand bei der Programmauswahl, will sagen, wir richten uns nicht danach, welche Starschauspieler mitspielen, wie ein Film beworben wird, welchen Bekanntheitsgrad ein Film hat, wie die Zuschauerzahlen in anderen Kinos sind. Wir haben in unserem Programm immer wieder unbekannte Perlen, bei denen die wenigen Besucher, die dann im achteinhalb waren, sich ganz angetan äußerten und bedauerten, dass dieser Film so wenig Resonanz hatte. Wenn ich mit hochkarätigen Profis wie Sybille Mollzahn von der nordmedia, die die Kunstfilmreihe konzipiert, die auch das Kammerkino von der nordmedia abonniert hat oder mit Daniel Karg, der gewerblicher Programmgestalter ist spreche, kennen sogar sie einige unserer Filme nicht. Z.B. seit September waren bzw. sind das die Filme: Simon, AlleAlle, Die Frau und der Fremde, Tangos, Old Joy, Hölle Hamburg.
Wir haben diese bekannten da mit großem Aufwand beworbenen Filme aber teilweise benötigt, um mit den Eintrittsgeldern dieser Filme unbekanntere Filme mitzufinanzieren. Die Konkurrenz durch das Kammerkino und vor allem das Palasttheater ist bei diesen Filmen aber grösser geworden. Sprich wir kriegen einfach einige dieser Filme nicht mehr bzw. das Palast hat sich jetzt darauf kapriziert, zu linsen was wir spielen, um dann unsere Filme vorzuspielen.
Da es was das Palast und uns angeht mittlerweile diverse Gerüchte zu geben scheint, habe ich einen Brief von mir an eine Verleiherin auf unsere Internetseite gestellt, der die Angelegenheit aus unserer Sicht darstellt. Die Seite ist nicht verlinkt und nur über diese URL direkt erreichbar:
www.kino-achteinhalb.de/programm/Z
Wer also Interesse hat, bitte...
jeweils Freitag und Samstag um 20.30 Uhr:
5. und 6. Dezember
Le Silence de Lorna - Lornas Schweigen
Drama
Belgien 2008
Kinostart: 9. Oktober 2008
109 Minuten
Regie/Buch/Produktion: Jean-Pierre Dardenne und Luc Dardenne
Lorna, eine junge Albanerin, ist eingewoben in ein Netz aus (illegalen) Geldströmen: Sie soll gegen Bezahlung einen Russen heiraten, um diesem die belgische Staatsbürgerschaft zu beschaffen, nachdem sie selbst zuvor den begehrten Pass durch die gekaufte Ehe mit dem Junkie Claudy gewonnen hat. Allerdings steht Claudy den Plänen von Lornas Boss Fabio im Weg: Eigentlich sollte der Junkie längst tot sein; stattdessen rafft er sich sogar zum Entzug auf und weckt in Lorna, bisher ein gut funktionierendes Rädchen im mafiösen Getriebe, unvorhergesehene Gefühle der Mitmenschlichkeit und moralischen Verantwortung. Als ihre Komplizen Claudy ermorden wollen, um das Geschäft mit dem Russen nicht zu gefährden, versucht Lorna zu intervenieren.
Cannes 2008: Bestes Drehbuch Luc Dardenne und Jean-Pierre Dardenne
LUX-Filmpreis des Europäischen Parlaments
Jury der Evangelischen Filmarbeit: Film des Monats Oktober 2008
12. und 13. Dezember
Ich habe den englischen König bedient
Literaturverfilmung
Tschechien 2006
Kinostart: 21. August 2008
118 Minuten
Regie/Buch: Jirí Menzel
Buchvorlage: Bohumil Hrabal "Ich habe den englischen König bedient"
In einer skurrilen Zeitreise, die von den 1920er- bis in die 1950er-Jahre führt, erzählt Jirí Menzel vom Aufstieg und Fall eines tschechischen Kellners. Die kleinwüchsige Hauptfigur erinnert sich dabei an die Zeit der ersten tschechischen Republik, der deutschen Besatzung und des Nachkriegs. Politische Umbrüche und heftige Amouren erhalten in seiner Rückblende ein ähnliches Gewicht, wobei es dem Film vorrangig um das Charakterbild eines um Anpassung bemühten und primär am eigenen Fortkommen interessierten Kleinbürgers geht. Dabei nähert sich Menzel seinem Helden eher zärtlich als mit dem Gestus der Abrechnung, bevorzugt weiche Töne und sinnliche Bilder und jongliert lustvoll mit der Filmgeschichte. Der schöne, vielleicht etwas altväterliche Abschluss eines meisterlichen Lebenswerks.
Berlinale 2007: Filmpreise der internationalen Filmkritiker- und Filmjournalisten-Vereinigung FIPRESCI
19. und 20. Dezember
Tage und Wolken
Italien 2007
Kinostart 9. Oktober 2008
115 Minuten
Regie/Buch: Silvio Soldini (Brot und Tulpen)
Der Mitinhaber einer Firma in Genua wird von seinen Partnern aus dem Job gedrängt, wodurch er und seine Ehefrau finanziell in solche Nöte geraten, dass sie ihre luxuriöse Wohnung verkaufen und in die Vorstadt ziehen müssen. Während es der Frau bald gelingt, auf die veränderten Lebensumstände zu reagieren, verliert der Ex-Manager zwischen Wut und Selbstmitleid zunehmend die Orientierung. Präzise beobachtetes Sozialdrama, das den Folgen sozialer Deklassierung in feinen Nuancen nachspürt, ohne fatalistisch zu sein
26. und 27. Dezember
Couscous mit Fisch
Frankreich 2007
Kinostart: 4. September 2008
151 Minuten
Regie/Buch: Abdel Kechiche
Sinnlicher Einblick in das Leben einer entzweiten franko-arabischen Familie, die in der dritten Generation in Südfrankreich lebt, wobei sowohl Vorurteile gegen die so genannten "beurs" als auch die Mythen der Emigranten unterlaufen werden. Im Mittelpunkt steht das ehemalige 60-jährige Oberhaupt, das mit einer anderen Frau und deren Tochter zusammenlebt. Als er entlassen wird, ermutigt diese ihn, ein Restaurant zu eröffnen. Ein ebenso unterhaltsamer wie intellektueller Film, der sein Sujet realistisch, aber mit spürbarer Zuneigung angeht.
César 2008 für den besten Film
Venedig 2007: Großer Preis der Jury: Abdel Kechiche
Marcello-Mastroianni-Preis" für die beste schauspielerische Nachwuchsleistung: Hafsia Herzi
2. und 3. Januar 2009
Old Joy
USA 2006
Kinostart: 23. Oktober 2008
76 Minuten
Regie/Buch/Schnitt: Kelly Reichardt
OmU, Englisch mit deutschen Untertiteln
Zwei alte Freunde, die vor Jahren in einer Wohngemeinschaft lebten, verabreden sich zu einem Wanderausflug, um eine tief im Wald gelegene heiße Quelle zu finden. Doch schon kurz nach dem Wiedersehen wird deutlich, dass sich beide auseinander gelebt haben und nur noch wenig miteinander anzufangen wissen. Die wortkarge Spannung löst sich, als sie am überwältigenden Ziel ihrer Wanderung angekommen sind. Ein minimalistisch inszenierter Film, der die Entfremdung der Protagonisten auf kontemplative Weise erfahrbar macht und durch Auslassungen und kluge Zurückhaltung mit stiller Schönheit beglückt.
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