Frauentag – kein Grund zum Feiern
Frauentag – kein Grund zum Feiern
Auch 2009 sind Frauen im Berufsleben immer noch stark benachteiligtZum Frauentag am 8. März erinnert die ver.di Jugend an die weiterhin bestehenden ungleichen Chancen von Frauen im Arbeitsleben. Frauen verdienen nach wie vor weniger als ihre männlichen Kollegen. Und das auch oft bei gleicher Tätigkeit. Der Frauentag als Kampftag der Frauenbewegung habe daher nichts von seiner Bedeutung verloren, betont die ver.di Jugend.
Im EU-Durchschnitt verdienen Frauen 17 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Über das gesamte Erwerbsleben summiert sich das auf 160.000 Euro weniger, gab die EU-Kommission Anfang März 2009 bekannt. In Deutschland ist das Gefälle zwischen den Geschlechtern mit 23,9 Prozent am dritthöchsten.
Auch die Sonderauswertung der DGB-Jugend des Index "Gute Arbeit" deutet auf immer noch bestehende Ungleichheiten hin: Demnach leiden junge Frauen unter 30 Jahren mit 31 Prozent häufiger unter sehr schlechten Arbeitsbedingungen als junge Männer mit 27 Prozent. Sie beziehen auch häufiger extrem niedrige Armutslöhne trotz Vollzeitarbeit: zehn Prozent der jungen Frauen gegenüber nur 4 Prozent der jungen Männer.
Aber auch bei weiteren Kriterien des Berufslebens ziehen Frauen immer noch den Kürzeren, wie die Hans-Böckler-Stiftung Anfang März bekannt gab: Sie erhalten seltener Sonderzahlungen zusätzlich zu ihrem Gehalt, wie Weihnachts- und Urlaubsgeld oder Gewinnbeteiligungen. Sie arbeiten seltener in tarifgebundenen Betrieben und profitieren auch weniger von der Tarifbindung als ihre männlichen Kollegen.
Überstunden bekommen sie seltener mit Überstundenzuschlägen bezahlt und ihre Aufstiegschancen sind immer noch schlechter. Nur 18 Prozent von ihnen wurden schon einmal befördert, aber 26,6 Prozent der Männer. Männer sind auch zu 70 Prozent davon überzeugt, die Aufstiegschancen seien mittlerweile gleich. Frauen schätzen dies nur zu 54 Prozent falsch ein.
Zum Frauenlohnspiegel der Hans-Böckler-Stiftung.
Als Ursachen für diese Ungleichheiten führt die Stiftung folgende Punkte an:
Frauen:
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arbeiten vielfach in Wirtschaftszweigen und Berufen mit niedrige(re)m Einkommensniveau,
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sind in Leitungs- und Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert,
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haben Nachteile aufgrund von familienbedingter Berufsunterbrechung,
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arbeiten häufiger in - schlechter bezahlten - Teilzeitarbeitsverhältnissen,
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sind Opfer mittelbarer Diskriminierung - etwa durch nicht geschlechtsneutrale Tarifverträge oder durch falsche betriebliche Eingruppierung.
Der Frauentag wurde als Gedenk- und Kampftag der Frauenbewegung eingeführt und erinnert an den Streik von 129 Arbeiterinnen einer Textilfabrik in New York am 8. März 1908. Die streikenden Frauen wurden in ihrer Fabrik eingeschlossen und kamen dort anschließend bei einem Feuer ums Leben. Nur sehr wenige konnten sich lebend retten.
1910 rief die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz (100 Delegierte aus 17 Ländern) auf Initiative von Clara Zetkin den 8. März als Internationalen Frauentag aus, um für die Interessen der Frauen und gegen ihre Ausbeutung und Unterdrückung in Arbeit, Politik und Familie zu kämpfen.
Seit dem hat die Frauenbewegung einiges erreicht. Aber auch in Deutschland gibt es 99 Jahre nach dem ersten Frauentag genug Gründe, für Gleichberechtigung einzutreten.
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