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Quotenkiller Rechtsextremismus

22. März 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Personen

Quotenkiller Rechtsextremismus

Andrea Röpke ist eine der wenigen Journalisten, die sich regelmäßig mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigt. Sie wurde diese Woche in der US-Botschaft in Berlin als "woman with courage" für ihr Engagement geehrt, kontinuierlich über Neonazis zu berichten und dabei auch deren oft rücksichtslosen Umgang mit Frauen zu thematisieren. Im MUT-Interview fordert sie eine ständige Auseinandersetzung mit dem Thema.

Das Interview führte Antonie Rietzschel

Frau Röpke, Sie wurden überraschend von der US-Regierung für Ihre Arbeit gegen den Rechtsextremismus in Deutschland ausgezeichnet. Wird diese Arbeit  in unserem Land eigentlich ausreichend honoriert?


Es geht nicht um Honorierung.


Sondern?


Ich will eine ordentliche Auseinandersetzung mit diesem Problem, wenn die wiederum Anerkennung erfährt ist das schön.


Und beides ist nicht der Fall?

Ein klares Nein. Was mich an dieser Stelle besonders nervt ist diese Einstellung, vor allem des Bundes: Wir tun doch was, wir geben ja Geld für Projekte. Aber Partizipation kann man sich nicht erkaufen. Die alternativen Jugendlichen sind meist die, die kreativ gegen Rechtsextremismus kämpfen und müssen viel mehr gestärkt werden. Ihnen muss signalisiert werden, das ihre Arbeit richtig und wichtig ist. Allerdings werden sie oft stigmatisiert, indem sie alle in die linke Ecke gepackt werden. Wenn sie eine kreative Gegenveranstaltung zu einem Nazi-Aufmarsch planen, wird sie von der Stadt verboten, mit der Begründung, dass es zu Krawallen kommen könnte. Dabei muss man den Nazis doch immer zeigen, dass sie nicht geduldet werden. Man muss den Leuten das Gefühl geben, dass soziales Engagement unheimlich wichtig ist und das nicht nur im Bezug auf Kampf gegen Rechtsextremismus. Dieses Bemühen ist der erste Ansatz für weiteres gesamtgesellschaftliches Engagement. Statt immer nur zu reagieren, sollten wir agieren.

Gilt das auch für die Medien, die das Thema Rechtsextremismus immer dann aufgreifen wenn es schon zu spät ist?

Naja, ich würde mir wünschen, dass sie besonnener mit dem Thema umgehen. Für mich war der Umgang der Medien mit dem Fall Mannichl aus Passau ein einschneidendes Erlebnis. Wie schnell sich da plötzlich die Sympathie der Medien verändert hat: Vom hochgelobten Kämpfer gegen Rechtsextremismus zu einem Mann, der sich möglicherweise das mit dem rechtsextremen Überfall nur ausgedacht haben soll. Das fördert auf der einen Seite nicht gerade die Zivilcourage, auf der anderen Seite führt das dazu, dass sich Opfer rechter Gewalt eher zurückziehen.

Was sollten die Medien im Umgang mit Rechtsextremismus anders machen?

Meine Kritik richtet sich nicht generell gegen alle Medien. Das möchte ich hier nochmal betonen. Ich würde mir allerdings wünschen, dass sich einige Redaktionen nicht ihre Arbeit von den Neonazis "diktieren" lassen, indem sie immer nur darüber berichten, wenn irgendwas passiert ist. Und wenn sie darüber berichten, sollten sollten sie manchmal mehr Geld und Zeit in die eigene Recherche stecken, Dann würden auch nicht solche Sachen passieren, dass zum Beispiel Auszüge aus Pressemitteilungen der NPD unkommentiert zu übernommen werden oder Teile professioneller Neonaziartikel. Zum Beispiel arbeiten Neonazis auch mit falschen Fakten, Zahlen - die müssen kritisch hinterfragt werden. Unsere Aufgabe ist es solche Leute zu entlarven.


Die Medien helfen also der NPD ihr Bild als eine normale Partei zu festigen.

Sagen wir es so: Besonders in der NPD findet eine Intellektualisierung und Professionalisierung statt. NPD-Parteichef Udo Voigt hat dazu mal gesagt: „Klasse statt Masse.“ Ein Beispiel: Die NPD macht sich in der Region für ein lokales Thema wie Umwelt oder Bildung stark und bietet sich als Ansprechpartner den Lokalzeitungen zu diesen Thema an. Die stellen die dann wie ganz normale Leute da.


Sie sind ja eine der wenigen, die sich als Journalist regelmäßig mit dem Thema Rechtsextremismus auseinander setzt, haben Sie manchmal Probleme Ihre Beiträge los zu werden?


Also manchmal wird man das Thema gar nicht los. Es gilt ja oft als Quotenkiller. In den Sommerferien ist es zum Beispiel besonders schwierig einen Beitrag über Rechts zu senden. Dann sind andere Themen angesagt. Aber wenn Wahlen sind oder zum Beispiel gerade ein rechtsextremer Übergriff publik geworden ist, ist das Interesse der Medien da.


Frustriert Sie das nicht?

Ach, ich versuche dann einfach dran zu bleiben und es woanders anzubieten oder erst mal in Ruhe weiter zu recherchieren. Ehrlich gesagt nerven mich ganz andere Dinge bei meiner Arbeit.


Was denn?


Die Polizei. Es nervt mich, dass wenn wir zum Beispiel von einer Nazi-Demo berichten wollen, ein Polizist zu mir sagt, dass ich besser zuhause geblieben wäre. Sie verstehen uns meist als Störenfriede. An der Stelle würde ich mir wünschen, dass bei der Polizei mehr Aufklärung über unsere Arbeit betrieben wird.


Im Internet kursieren Steckbriefe von Ihnen, vor zwei Jahren wurden Sie von Neonazis niedergeschlagen, als Sie über die HDJ berichten wollten. Ihre Arbeit ist nicht gerade ungefährlich.


Wir werden auf Demonstrationen mal bespuckt, rumgeschubst und bedroht. ich wurde schon zuhause gefilmt. Das hat in der letzten Zeit auch verstärkt zugenommen, woran man sehen kann, dass die Szene immer aggressiver aber auch immer selbstbewusster wird. Aber ich bin Journalistin und ich möchte, dass meine Berichte authentisch sind und fahre deswegen immer vor Ort.


Aber haben sie denn das Gefühl mit Ihrer Arbeit etwas erreichen zu können?


Ich arbeite ja nicht nur als Journalistin. Mit meinen Kollegen arbeite ich auch sehr basisorientiert, indem wir Vorträge halten und an Schulen gehen. Eigentlich könnte ich nur das machen, weil das Interesse an Aufklärung über Rechtsextremismus sehr hoch ist.


Sie setzen sich einem hohen Risiko aus, ist es das wert?


Natürlich ist es das wert, wenn man sich für eine stärkere Zivilgesellschaft einsetzt.

Mehr zum Thema:Journalisten als Opfer. Von Andrea Röpke.

                                  The Secretary of State´s 2009 International Women of Courage Awards


www.mut-gegen-rechte-gewalt.de / as /  Fotos: kulick


12.03.2009
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