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Jugend fand viel Beachtung bei Gedenkfeiern in Bergen-Belsen am 19.4.09

23. April 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Bergen Belsen

Jugend fand viel Beachtung bei Gedenkfeiern in Bergen-Belsen am 19.4.09

Zum Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen führten jüdische Gemeinden, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN/BdA), DGB und Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen e.V. zwei Gedenkfeiern durch.

Nachdem Mechthild Hartung vom VVN/BdA die Verbrechen der Wehrmacht an sowjetischen Kriegsgefangenen geschildert hatte, stellte auf dem sogenannten "Russenfriedhof" in Belsen-Hörsten der Veteran der Roten Armee, Illia Riaboi, die heutige Völkerfreundschaft heraus. Der Botschafter von Belarus, Alexander Levanovic, sprach über den militärischen Überfall Nazi-Deutschlands, dem fast ein Drittel der weißrussisschen Bevölkerung zum Opfer fiel.

DGB-Sekretär Lennard Aldag erklärte: "Dass wir uns heute als Gewerkschafter betätigen können, verdanken wir all denjenigen, die gegen die nationalsozialistische Herrschaft Widerstand geleistet haben" und den zigtausenden Rotarmisten, die in Hörsten, Oerbke und Wietzendorf begraben sind.


Jugendliche des Internationalen workcamps Bergen-Belsen hatten ein Transparent mitgebracht, das sie bei der Protestaktion gegen die rechtsextremistischen Ludendorffer in Dorfmark getragen hatten. In vielen Sprachen (auch Plattdeutsch) war "Gegen Rassismus" darauf zu lesen.
Nadine, Ole, Tim, Nantke, Raoul, Neel, Alisa und der workcamp-Verantwortliche Charly Braun berichteten davon, wie sie aus der Geschichte des Widerstandes der Celler Arbeiterbewegung und der Verfolgung und Vernichtung aus dem historischen Faschismus für heute und morgen gelernt haben. Am tieftsten hätten sie die Lebensgeschichten von Überlebenden beeindruckt.  Die internationale Gruppe stellte heraus, dass sie das Gelernte auch gleich in die Tat umsetzten und gemeinsam mit lokalen Gruppen gegen die Ostertagung der rassistischen Ludendorffer in Dorfmark protestiert hatten. Sie verabschiedeten sich mit ihrem Ruf von der Demonstration: "Youth against against racism!"

Bei der Gedenkfeier an der Bahnrampe bei Bergen war die Bergen-Belsen-Überlebende Dr. Yvonne Koch so überwältigt, dass sie kaum über die Nazi-Verbrechen reden konnte.

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Bericht der Jugendlichen des Internat. workcamps Bergen-Belsen - vorgetragen am 19.4.09 bei den Gedenkfeiern auf dem Stalag-Friedhof Hörsten und an der Bahnrampe Bergen:

"Aus der Geschichte für heute und morgen lernen"

Mit diesen Worten sind die Ergebnisse des Internationalen Jungendworkcamps vom 3. bis 13.4.09 in Bergen-Belsen, beschrieben.
Zum 15. mal hatten die christlichen und gewerkschaftlichen Jugendverbände zum Internat. workcamp nach Bergen-Belsen eingeladen und 68 Jugendliche aus 9 Ländern waren gekommen: aus Litauen, Rußland, Belarus, Polen, Slowakei, Israel, Südafrika, Niederlande und Deutschland.

Unsere Freunde sind inzwischen in ihre Heimatländer zurück gefahren. Wir sind von der deutschen Delegation: Nadine, Ole, Tim, Nantke, Raoul, Neel, Alisa und Charly Braun vom workcamp-Team.

Beim Stadtrundgang in Celle erfuhren die Teilnehmenden, wie der Widerstand der ArbeiterInnenbewegung von den Nazis verfolgt wurde, wer die Synagoge zerstörte und wer als Nazi-Verbrecher nach dem 2. Weltkrieg problemlos Karriere machen konnte, ja sogar Oberbürgermeister und Ehrenbürger werden konnte.

Die Geschichte des Holocaust   - erzählt von ehemaligen Häftlingen - 
hat jeden von uns und uns auch als Gruppe sehr bewegt. Als der Sinto Hugo Höllenreiner und der als Jude verfolgte Salomon Finkelstein (er wohnt heute in Hannover) über Folter und Mord, medizinische Versuche und schließlich über ihre Befreiung berichteten, war das viel eindrucksvoller als jedes Schulbuch. Die Dinge, von denen die Überlebenden der Lager berichteten, überstiegen manchmal schlichtweg unsere Vorstellungskraft, so grausam hörten sie sich an.

Eine Teilnehmerin aus Südafrika hat nach den Zeitzeugengesprächen ihre Gefühle aufgeschrieben:


"I am not a body that only listens, remembers, forgives and remembers. I am a Soul that seeks to know, understand, and take action. I am not defined by the standards I am told to uphold. For I have lived yesterday trough someone’s eyes and lived today because I got inspired to live for now."

By: Esinako Hintsa, 11.April 2009

 

Übersetzung:

"Ich bin nicht nur ein Körper der zuhört, sich erinnert, vergibt und sich erinnert. Ich habe eine Seele, die sich danach sehnt zu wissen, zu verstehen und zu handeln. Ich bin nicht nach den Standards festgelegt, die ich aufrecht erhalten soll. Weil ich die Vergangenheit durch die Augen eines anderen lebte, wurde ich inspiriert für heute zu leben."


Handwerklich bereiteten wir eine Denk-Station für den "Erinnerungsweg" vor. Die 6 km lange Stecke von der Bahnrampe ins Lager mußten sich die völlig ausgemergelten Häftlinge zu Fuß hinschleppen.
Nicht besser ging es den gefangenen Soldaten der Roten Armee, die ohne ein Dach überm Kopf in Erdlöchern hausten und zu zehntausenden in den Lagern am Truppenübungsplatz Bergen starben.
An den "Siebensteinhäusern", Findlingsgräber aus der Megalith-Kultur, mitten im Truppenübungsplatz, erklärte der Fallingbosteler Kriegsgegner Egon Hilbich Geschichte und Gegenwart des größten westeuropäischen Truppenübungsplatzes.


In der Musikgruppe beschäftigten wir uns z.B. mit dem Mädchenorchester von Auschwitz. Ein anderes Thema waren Ausgrenzung und Vorurteile, Rassismus und Neonazis. Und all unsere Arbeit wurde mit Foto und Film dokumentiert.

Wir haben in diesen Tagen gemeinsam gearbeitet. Neben den Arbeitsphasen gab es aber auch immer noch genug Zeit, sich mit den Teilnehmenden aus anderen Ländern kulturell auszutauschen. Wir haben viele neue internationale Freundschaften geschlossen.

Sinn des Internationalen Jugendworkcamps ist es, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, aber auch in die Zukunft zu schauen..

Wir haben das Gelernte sogleich in eine öffentliche Aktion gegen ein Rassistentreffen umgesetzt.

Während der Zeit unseres Internationalen Workcamps in Bergen-Belsen fand, wie bereits seit etwa 30 Jahren das Ostertreffen des "Bund für Gotterkenntnis (Ludendorffer) e.V.", auch Ludendorffer genannt, in Dorfmark (Kreis Soltau-Fallingbostel) statt.

Die germanisch-rassistisch-religiöse Ideologie der Ludendorffer wurde in den 1920er Jahren von Mathilde Ludendorff begründet.  Ihr Mann, General Erich Ludendorff, der 1923 zusammen mit Hitler einen Putschversuch unternahm, trug wesentlich zur Verbreitung dieser Lehre bei. Die Unterteilung der Menschen in "Licht- und Schachtrassen" ist eindeutig rassistisch, antisemitisch und anti-christlich.

Für uns war klar, dass wir, wie schon das Internationale Jugendworkcamp 2008, gegen das Rassisten-Treffen protestieren müssen.

So bereitete einer unserer workshops Informationen über den Rassisten-Verein für unsere Gruppe, sowie Sprech-Chöre und Transparente für die Demonstration vor und wir zogen Karfreitag los nach Dorfmark, um den Protest des örtlichen Bündnis gegen Rechts zu unterstützen.

In Dorfmark angekommen, wurden DemonstrantInnen sowie JournalistInnen angeherrscht und beleidigt. So drohte beispielsweise ein Anwohner, wegen der ihm zu großen Lautstärke damit, seinen Hund auf uns zu hetzen. Ebenso wurde uns der Stinkefinger gezeigt und ein Hakenkreuz in die Luft gemalt. Einer machte Affen-Bewegungen vor unseren FreundInnen aus Südafrika. Dies sind nur einige Beispiele für zahlreiche Aktionen von Dorfbewohnern, die andererseits ihre Ignoranz den Nazi-Aktivitäten gegenüber ausdrückt.

Kein Wunder, denn die Ludendorffer bringen Geld ins Dorf. Alle Hotels und Pensionen sind über Ostern ausgebucht.

Unser Protest war nötig und wurde auch vom Fernsehen wahrgenommen.

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Erschreckt stellten wir am Ostersamstag morgens fest, dass Winsen/ Aller mit etwa 70 Nazi-Plakaten voll-gekleistert war. Die Nazis riefen damit zum Aufmarsch am 1.MAI 2009 nach Hannover auf.

Gegen Nationalismus hilft nur Internationalismus. Wir freuten uns, dass noch am gleichen Abend auf nahezu allen Nazi-Plakaten "No Nazis" geschrieben stand.

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Für uns Jugendliche ist wichtig, dass wir aus der Geschichte für die Zukunft lernen. Aus dem Gedenken an die Opfer entwickeln wir den antifaschistischen Widerstand.

So jetzt noch mal unser Ruf von der Demo gegen die Ludendorffer:

"Youth against against Racism !!  Youth against against Racism "

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