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"Aus der Geschichte für heute und morgen lernen"

25. April 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Bergen Belsen

"Aus der Geschichte für heute und morgen lernen"
Mit diesen Worten sind die Ergebnisse des Internationalen Jungendworkcamps vom 3. bis 13.4.09 in Bergen-Belsen, beschrieben.
Zum 15. mal hatten die christlichen und gewerkschaftlichen Jugendverbände zum Internat. workcamp nach Bergen-Belsen eingeladen und 68 Jugendliche aus 9 Ländern waren gekommen: aus Litauen, Rußland, Belarus, Polen, Slowakei, Israel, Südafrika, Niederlande und Deutschland.

Von der IGS-Linden waren Steffen, Tim, Nantke, Raoul, Neel und als Teamer der IGS-Elternvertreter Charly Braun dabei.. Und grad spontan hierher gekommen sind die workcamp-Teilnehmerin Alisa und Pierre, sicher einer der besten Teamer.

Beim Stadtrundgang in Celle erfuhren die Teilnehmenden, wie der Widerstand der ArbeiterInnenbewegung von den Nazis verfolgt wurde, wer die Synagoge zerstörte und wer als Nazi-Verbrecher nach dem 2. Weltkrieg problemlos Karriere machen konnte, ja sogar Oberbürgermeister und Ehrenbürger werden konnte.

Die Geschichte des Holocaust   - erzählt von ehemaligen Häftlingen - 
hat jeden von uns und uns auch als Gruppe sehr bewegt. Als der Sinto Hugo Höllenreiner und der als Jude verfolgte Salomon Finkelstein (er wohnt heute in Hannover) über Folter und Mord, medizinische Versuche und schließlich über ihre Befreiung berichteten, war das viel eindrucksvoller als jedes Schulbuch. Die Dinge, von denen die Überlebenden der Lager berichteten, überstiegen manchmal schlichtweg unsere Vorstellungskraft, so grausam hörten sie sich an.

Handwerklich bereiteten wir eine Denk-Station für den "Erinnerungsweg" vor. Die 6 km lange Stecke von der Bahnrampe ins Lager mußten sich die völlig ausgemergelten Häftlinge zu Fuß hinschleppen.
Nicht besser ging es den gefangenen Soldaten der Roten Armee, die ohne ein Dach überm Kopf in Erdlöchern hausten und zu zehntausenden in den Lagern am Truppenübungsplatz Bergen starben.
An den "Siebensteinhäusern", Findlingsgräber aus der Megalith-Kultur, mitten im Truppenübungsplatz, erklärte der Fallingbosteler Kriegsgegner Egon Hilbich Geschichte und Gegenwart des größten westeuropäischen Truppenübungsplatzes.


In der Musikgruppe beschäftigten wir uns z.B. mit dem Mädchenorchester von Auschwitz. Ein anderes Thema waren Ausgrenzung und Vorurteile, Rassismus und Neonazis. Und all unsere Arbeit wurde mit Foto und Film dokumentiert.

Wir haben in diesen Tagen gemeinsam gearbeitet. Neben den Arbeitsphasen gab es aber auch immer noch genug Zeit, sich mit den Teilnehmenden aus anderen Ländern kulturell auszutauschen. Wir haben viele neue internationale Freundschaften geschlossen.

 

Sinn des Internationalen Jugendworkcamps ist es, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, aber auch in die Zukunft zu schauen..

Wir haben das Gelernte sogleich in eine öffentliche Aktion gegen ein Rassistentreffen umgesetzt.

 

Während der Zeit unseres Internationalen Workcamps in Bergen-Belsen fand, wie bereits seit etwa 30 Jahren das Ostertreffen des "Bund für Gotterkenntnis (Ludendorffer) e.V.", auch Ludendorffer genannt, in Dorfmark (Kreis Soltau-Fallingbostel) statt.


Die germanisch-rassistisch-religiöse Ideologie der Ludendorffer wurde in den 1920er Jahren von Mathilde Ludendorff begründet.  Ihr Mann, General Erich Ludendorff, der 1923 zusammen mit Htler einen Putschversuch unternahm, trug wesentlich zur Verbreitung dieser Lehre bei.

Die Unterteilung der Menschen in "Licht- und Schachtrassen" ist eindeutig rassitisch, antisemitisch und anti-christlich.

 

Für uns war klar, dass wir, wie schon das Internationale Jugendworkcamp 2008, gegen das Rassisten-Treffen protestieren müssen.

So bereitete einer unserer workshops Informationen über den Rassisten-Verein für unsere Gruppe, sowie Sprech-Chöre und Transparente für die Demonstration vor und wir zogen Karfreitag los nach Dorfmark, um den Protest des örtlichen Bündnis gegen Rechts zu unterstützen.

 

In Dorfmark angekommen, wurden DemonstrantInnen sowie JournalistInnen angeherrscht und beleidigt. So drohte beispielsweise ein Anwohner, wegen der ihm zu großen Lautstärke damit, seinen Hund auf uns zu hetzen. Ebenso wurde uns der Stinkefinger gezeigt und ein Hakenkreuz in die Luft gemalt. Einer machte Affen-Bewegungen vor unseren FreundInnen aus Südafrika. Dies sind nur einige Beispiele für zahlreiche Aktionen von Dorfbewohnern, die andererseits ihre Ignoranz den Nazi-Aktivitäten gegnüber ausdrückt.

Kein Wunder, denn die Ludendorffer bringen Geld ins Dorf. Alle Hotels und Pensionen sind über Ostern ausgebucht.

Unser Protest war nötig und wurde auch vom Fernsehen wahrgenommen.

 

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Erschreckt stellten wir am Ostersamstag morgens fest, dass Winsen/ Aller mit etwa 70 Nazi-Plakaten voll-gekleistert war. Die Nazis riefen damit zum Aufmarsch am 1.MAI 2009 nach Hannover auf.

Gegen Nationalismus hilft nur Internationalismus. Als noch am gleichen Abend auf nahezu allen Nazi-Plakaten "No Nazis" geschrieben stand,  freuten wir uns klammheimlich über diese guten Taten.

 

(siehe hierzu unseren Bericht).

 

Für uns Jugendliche ist es wichtig, dass wir aus der Geschichte für die Zukunft lernen. Aus dem Gedenken an die Opfer entwickeln wir den antifaschistischen Widerstand.
So jetzt noch mal unser Ruf von der Demo gegen die Ludendorffer:

"Youth against against racism !    Youth against against racism !"

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DGB-Chor Hannover übergibt 1005 Euro an Jugendarbeit in Bergen-Belsen.
Lieder gegen Rechts vor der IGS Hannover-Linden am  Donnerstag 16.4.09 um 16 Uhr 

Der DGB-Chor hatte am 9. November 2008 zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht ein "Chöre-Konzert gegen Rechts" mit 30 Chören aus Niedersachsen und Hamburg organisiert. An diesem Tag wurden 1.005 Euro an Spenden und Einnahme-Überschüssen gesammelt, die entsprechend der angekündigten Zielsetzung der Veranstaltung zur Unterstützung antifaschistischer Jugendpräventionsarbeit eingesetzt werden soll.

 

Die Übergabe des Betrages an die AG Jugendarbeit in Bergen-Belsen des Landesjugendrings Niedersachsen erfolgte am  Donnerstag 16.4.09 um 16 Uhr vor der IGS Hannover-Linden, im Beisein der Bürgermeisterin Ingrid Lange. Charly Braun, DGB-Verantwortlicher für die Bergen-Belsen-Jugendarbeit und im Schulelternratsvorstand der IGS- Linden aktiv, war 1993 Mitbegünder des Jugendprojektes. Der 16. April war der erste Schultag nach den Ferien und liegt einen Tag nach dem Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen. 
 
SchülerInnen, Lehrkräfte und Eltern der IGS-Linden waren dabei, denn die IGS-Linden hat im Rahmen der AG Jugendarbeit der christlichen und gewerkschaftlichen Jugendverbände eine Patenschaft zur Pflege der baulichen Reste des Gefangenenblocks Nummer 9 in der Gedenkstätte Bergen-Belsen übernommen - und die IGS Linden ist als "Schule gegen Rassismus - Schule mit Courage" auch gegen Umtriebe von Neonazis engagiert.

Dabei waren auch die IGS-Linden-SchülerInnen Tim, Nantke, Raoul, Steffen und Neel, die  gerade vom Internationalen Jugendworkcamp Bergen-Belsen zurück waren, bei dem Charly Braun  Teamer war.

Vor der IGS Linden gab es 

  • Lieder gegen Rechts des DGB-Chores Hannover 
  • die Übergabe von 1.005 Euro an die AG Jugendarbeit in Bergen-Belsen des Landesjugendrings Niedersachsen
  • Frische Erfahrungen der Lindener "Courage"-SchülerInnen aus Bergen-Belsen und vom Engagement gegen Neonazis.
  • Grußwort von Bürgermeisterin Ingrid Lange

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