Walsrode - Bildungsstreik mit Remmidemmi
Bildungsstreik mit Remmidemmi
Die Sprechchöre waren eindeutig formuliert: "Wir sind sauer, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut", war zu hören. Oder: "Bildung für alle und zwar umsonst". Eingestimmt hatte Streik-Initiator David Waack die Schüler am Walsroder Bahnhof mit den Parolen. Auch Johannes Marder, Student aus Hildesheim, appellierte an die Jugendlichen, bevor sich die Massen in Bewegung setzten: "Wir wollen zu eigenständigen Menschen erzogen werden und nicht so, wie uns die Wirtschaft braucht." Marder schimpfte Politik im Land: "Unser Auftreten hier zeigt, dass die CDU keine Bildungspolitik machen kann." Sein Widerstand richtete sich vor allem gegen das am Dienstag verabschiedete neue Schulgesetz und dem darin verankerten "Turbo-Abi", dass es auch an Gesamtschulen geben soll. Da verwunderte es nicht, dass sich SPD-Bundestagskandidat und Kreisvorsitzender Lars Klingbeil unter die Schüler gemischt hatte. Die SPD Soltau-Fallingbostel hatte mit zu dem Bildungsstreik aufgefordert. Während der Protestzug in Polizeibegleitung durch die Innenstadt Richtung Rathaus wanderte, suchte Klingbeil das Gespräch mit Schülern. "Ich bin hochzufrieden, dass so viele Jugendliche auf die Straße gehen, sich engagieren und ihre Zukunft damit selbst in die Hand nehmen", resümierte Klingbeil.
Sabrina Borchert aus Stellichte und Ole Backhaus aus Bosse sind zwei Schüler, die mit dem Bundestagskandidaten das Gespräch suchten. Während die Walsroder Gymnasiastin Sabrina die Abschaffung der Studiengebühren fordert sowie sich kleinere Klassen und mehr Lehrer wünscht, hofft Ole Backhaus auf mehr individuelle Förderung und Lernmittelfreiheit.
Die Schüler wandten sich auch gegen die Schulzeitverkürzung bis zum Abitur sowie gegen ein aus ihrer Sicht überholtes Notensystem. Nachdem am Rathaus Steffen Lübbert von der Verdi-Jugend und Charly Braun zu den Schülern sprachen, ergriff auch Initiator David Waack das Mikrophon. Er sprach jedoch nicht nur die Ziele des Bildungsstreikes an, sondern auch die Bedeutung der Freiheitsrechte. Alles in allem war er hoch zufrieden mit dem Verlauf der Demonstration: "Es sind mehr Leute, als wir erwartet haben." Die Polizei Walsrode zog nach der Demo eine positive Bilanz. Gesamteinsatzleiter Alexander Zimbehl sprach von etwa 1000 Schülern, unter denen sich auch Lehrer befanden. Trotz der Verkehrsbeeinträchtigungen habe es eine gute Resonanz aus der Bevölkerung und keine besonderen Vorkommnisse gegeben.
Quelle: Kreiszeitung Online 17.06.2009
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