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Familie Atarov: Letzter Strohhalm zerbrochen?

25. August 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antirassismus | Asyl

Familie Atarov: Letzter Strohhalm zerbrochen?

Trotz Aussicht auf Ausbildungsplatz und Wohnung darf der älteste Sohn nicht wieder nach Deutschland einreisen

Sie leben in einem Zimmer bei einer anderen Familie, der Vater ist immer noch auf der Flucht seit er sich der Abschiebung in Deutschland entzogen hat, die Kinder dürfen nicht zur Schule gehen, eine Aussicht auf Arbeit gibt es für Yeziden in Armenien schon gar nicht. Was nützt da schon die gute Schulausbildung, die die Kinder in Bomlitz genossen haben? Und während die Unterstützergruppe wenigstens dafür kämpft, dass der älteste Sohn zurück nach Deutschland kommen darf, bangt Familie Atarov um ihr Leben – beim jüngsten Telefonat mit Sandra Schwolow in Bomlitz berichtete Oro Atarov von einer yezidischen Familie, die in der Nachbarschaft umgebracht wurde. Vater, Mutter, Kinder.

[Bomlitz.] Es ist fast auf den Tag genau zwei Jahre her, als der Landkreis in einer, wie es die Beteiligten und die Freunde der Familie Atarov empfunden haben, Nacht- und Nebelaktion die Familie ausgewiesen und von Bomlitz zurück nach Armenien geschickt hat. Noch nicht einmal die Kinder wurden verschont, sie hatten nicht verraten, dass die Eltern damals bei den deutschen Behörden aus Angst einen falschen Namen angegeben hatten. Doch Kinder verraten ihre Eltern nicht. Und so mussten auch die vier Kinder Bomlitz und Deutschland verlassen. Sie mussten zurück in ein Land, dessen Amtssprache Armenisch sie nie gelernt hatten und in dem sie als Minderheit gerade mal gut genug zum Schafe hüten sind.

„Immerhin konnten wir Oro vom Militärdienst freikaufen, wie gut, dass das Land so korrupt ist“, sagt Manfred Straub von der Bomlitzer Unterstützergruppe mit einem bitteren Unterton in der Stimme. 13.000 Euro hat die Gruppe dafür aufgebracht, „sonst wäre Oro als Yezide dort der Prügelknabe gewesen“. Obwohl dramatische Zustände für Familien wie die Atarovs in Armenien herrschen, gibt es für armenische Bürger kaum eine Chance auf Asyl in Deutschland, da die Behörden von wirtschaftlichen Gründen ausgehen. „Offiziell gibt es keine politische Verfolgung in Armenien.“ Zudem drängt das Land in Richtung EU.

Heirat oder Arbeit, das sind die einzigen beiden Möglichkeiten, die der Landkreis Soltau-Fallingbostel zumindest Oro, dem ältesten Atarov-Sohn, für eine Rückkehr aufgezeigt hat. Doch jetzt, wo es soweit sein könnte, kam die Hiobsbotschaft vom zuständigen Sachbearbeiter, der in einem Schreiben an Manfred Straub „keine Chance“ sieht in diesem Fall. (Mehr darüber in der WZ-Printausgabe)

 


Quelle: WZ-Online Artikel vom: 25.08.2009
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