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Das Schweigen in Walsrode

16. Januar 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - lokal

"Rechtsabbieger - Die unterschätzte Gefahr: Neonazis in Niedersachsen"
Hakenkreuz-Schmiererei an einer Berufsschule in Walsrode. © recherche-nord

Walsrode ist eine beschauliche Heidestadt mit 30.000 Einwohnern. Eigentlich lässt es sich hier gut leben, doch es gibt Menschen in dieser Stadt, die ständig auf der Hut sein müssen, die Angst haben vor Übergriffen brutaler Neonazis. Zu ihnen gehören zum Beispiel die 21 Jahre alte Katharina und der 22 Jahre alte Sebastian: "Meinem Freund und mir ist schon häufiger etwas passiert: Wir wurden angepöbelt und hatten einfach nur Glück. Wir haben dann den Rückzug angetreten und das Lokal verlassen. Ich versuche auch, immer wegzulaufen und Gefahrensituationen auszuweichen. Aber manchmal reicht es eben nicht. Und ich habe mir jetzt Pfefferspray geholt für den Fall, dass sie mich doch irgendwann kriegen sollte. Das habe ich jetzt immer dabei - zur Selbstverteidigung".

Durch die Fußgängerzone gejagt

Das Problem: Katharina und Sebastian sind im Jugendzentrum der Stadt aktiv. Dort gibt es regelmäßig Informationsveranstaltungen gegen rechtsextremistische Aktivitäten in der Heideregion. Das passt den Neonazis nicht, deshalb machen sie gezielt Jagd auf junge Menschen wie Katharina - am helllichten Tag, mitten in der Fußgängerzone: "Die Neonazis sind uns hinterhergelaufen. Wir sind einfach nur noch weggelaufen. Wir sind mitten durch die Stadt gelaufen, durch die Fußgängerzone. Da waren lauter Leute, die haben uns nicht geholfen. Wir sind zum Jugendzentrum gelaufen und beim Jugendzentrum haben sie es dann aufgegeben."

Und das ist kein Einzelfall, wie DGB-Regionsvorstand Charli Braun zu berichten weiß. Er engagiert sich seit mehr als 20 Jahren gegen Rechtsextremisten in der Region. Immer wieder seien das Jugendzentrum und seine Mitarbeiter nach Veranstaltungen gezielt attackiert worden: "Auf den Nachhausewegen in bestimmte Stadtviertel haben es Jugendliche schwer, einzeln nach Hause zu gehen. Sie gehen dann in Gruppen, weil sie Angst haben, von Nazis angemacht oder gar überfallen zu werden. Beispiele dafür gibt es leider einige."

Walsrode schweigt über Rechtsextreme

In der Walsroder Öffentlichkeit wird von alledem kaum Notiz genommen, obwohl Neonazis mehrfach hunderte rechtsextremistische Aufkleber an Schulgebäuden angebracht und - nach Recherchen des Bremer Weserkurier - auch Autos ihnen missliebiger Personen demoliert haben. Das Problem ist im Walsroder Stadtrat nur selten Thema. Und Walsrode ist kein Einzelfall. Von einer einheitlichen Linie im Kampf gegen aktive Neonazistrukturen auf kommunaler Ebene sei man in Niedersachsen mancherorts noch ein gutes Stück entfernt, meint der Koordinator des Landespräventionsrates, Gerhard Bücker: "Es gibt sehr viele positive Beispiele, dass in niedersächsischen Regionen gegen Rechtsextremismus und für Demokratie und Toleranz agiert wird, die Bildung von regionalen Netzwerken stattfand und stattfindet, und dass dort auch ehren- und hauptamtlich agiert wird. Andererseits gibt es offenkundig auch Regionen im Land Niedersachsen, in denen das Thema - aus welchen Gründen auch immer - zu klein gehalten oder gar nicht angesprochen wird."

Bücker hält nichts davon, das Problem zu verschweigen: "Es stärkt leider das Selbstbewusstsein der Akteure der rechtsextremen Szene. Sie können dann versuchen, ein lokales Bedrohungsszenario aufzubauen und fühlen sich zum anderen mehr und mehr als normaler Teil der Gesellschaft. Sie treten zunehmend selbstbewusst auf und schleichen sich in das Bild der Gesellschaft ein".

Autor: Stefan Schölermann

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