Mutter aus Walsrode kämpft um Nazi-Sohn
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Serie | 12.01.2008 08:50 Uhr Original - NDR
Ulrike Hopf (Name von der Redaktion geändert) aus Walsrode ist eine Frau mit viel Geduld: Mehr als drei Jahre hat die Mutter dreier Kinder mit ansehen müssen, wie ihr ältester Sohn Michael immer tiefer in die rechte Szene abrutscht.
Nazi-Fete bestätigt Verdacht
Erst sind es nur Springerstiefel und Bomberjacke, die der damals 14-Jährige sich von seinem Taschengeld kauft, dann kommen CDs mit Skinheadmusik hinzu und am Ende feiert der Junge im Elternhaus eine Party mit Rechtsrock und Hitler-Gruß. Ulrike Hopf ist schockiert: "Ganz deutlich ist es geworden, als ich an einem Wochenende weg war. Als ich wiederkam, haben die Nachbarn mir gesagt, dass bei uns eine Fete stattgefunden hat - mit Nazi-Leuten."
Ulrike Hopf fragt bei der Polizei nach. Dort sind die meisten Gäste dieser Party einschlägig bekannt - als Neonazis. Ihr Sohn steckt offenbar tief in der Szene, und Hopf versucht alles, um ihn dort wieder herauszuholen. Endlose Diskussionen mit dem Sprössling folgen, doch der Erfolg sei gleich null, sagt Ulrike Hopf und ergänzt: "Da kann man überhaupt nichts machen, du kannst reden, reden und bist hilflos ausgeliefert. Und wenn man ihn fragt: Warum glaubst du so etwas?, kann er nicht ins Detail gehen. Er kann es mir nicht erklären, warum er so denkt. Darum bin ich der Meinung, dass sie ihm das eintrichtern - wie eine Gehirnwäsche - und er das am Ende tatsächlich glaubt."
Suche nach Hilfe
Selbstzweifel und Schuldgefühle plagen die alleinerziehende Mutter jahrelang: "Zuerst habe ich geglaubt, es liege vielleicht daran, dass ich alleine mit drei Kindern bin, aber ich habe ihm ja alles gegeben. Vielleicht war das der Fehler: Er hatte nie Einbußen." Ihren Sohn aber will sie nicht verloren geben, sucht Rat und Hilfe bei der Polizei und bei Behörden. Das Ergebnis ist für sie enttäuschend, wie sie feststellt: "Ich bin zum Jugendamt gegangen und die haben gesagt: Was erwarten Sie? Sollen wir eine Schublade mit einer Lösung aufmachen? Wissen Sie überhaupt, was das kostet, wenn ihr Sohn in eine Einrichtung kommt?" Hilfe erfährt sie schließlich bei einer kirchlichen Institution. Dort hört man ihr zu, sucht gemeinsam nach Lösungen.
Mutter zieht Schlussstrich
Das Zusammenleben mit Sohn Michael aber wird inzwischen immer unerträglicher. Am Ende stellt sie ihn vor die Alternative: "Entweder Du trennst dich von Deinen Freunden, oder Du trennst dich von Deiner Familie". Es war einer der schwersten Momente im Leben von Ulrike Hopf. "Wir konnten so nicht mehr miteinander leben. Ich habe noch zwei weitere Jungs von 15 und elf Jahren. Da musste ich einen Schluss-Strich ziehen, sonst gucken sie sich das ab. Das wollte ich nicht und habe gesagt: Nein - hier ist Schluss", so die Mutter.
Michael entscheidet sich gegen die Familie. Diesen Tag wird Ulrike Hopf nicht vergessen: "Es war ein großer Schmerz. Ich habe gedacht: Das ist nicht mehr mein Sohn, der er vorher einmal war - ein ganz anderer Mensch. Ich hätte nie gedacht, dass er sich für sie entscheidet und nicht für uns." Michael kommt in eine pädagogische Einrichtung, weit weg von Zuhause. Dort lebt der mittlerweile 18-Jährige immer noch. Irgendwann werde er zur Einsicht kommen, hofft seine Mutter: "Ich kämpfe, dass er irgendwann aufwacht und sagt: Vielleicht hat sie doch Recht. Ich will ihn nicht verlieren."
Stand: 12.01.2008 08:50 Uhr
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