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Das Geschäft mit der Nazi-Musik

26. Januar 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

Serie | 23.01.2008 08:50 Uhr
Auf dem Rücken eines jungen Mannes steht: "Schwarz ist die Nacht, in der wir Euch kriegen. Weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen. Rot ist das Blut auf dem Asphalt". © recherche-nord

Die Liedermacherin Anett Müller aus Bad Lauterberg ist ein Star in der rechten Musikszene und sie steht auf Platz 20 der NPD-Liste zur Landtagswahl. Mit ihrem Ehemann Michael, ebenfalls NPD-Listenkandidat, betreibt sie ein Tonstudio in der Harzstadt. Hier wird Rechtsrock produziert. Eine Musik die auch für den 14 Jahre alten Dennis aus dem Landkreis Osterode die "Einstiegsdroge" in die Szene und damit in eine rechtsextreme Karriere war: "Meistens haben wir uns in der großen Lagerhalle getroffen. Dann haben wir da laut Musik gehört und Bier getrunken. Ja und dann haben wir uns über Deutschland unterhalten, und wie tief Deutschland gesunken ist, wie viel Ausländer es hier gibt und wie wenig Deutsche nur noch, und dann sind wir halt immer 'rausgegangen - auf die Straße mit unseren Sachen und haben dann 'rumgeprollt."

Doch beim 'Rumprollen' - also beim Angeben - bleibt es nicht: Erst sind es nur die anderen - dann macht auch Dennis mit, bis aus dem Spaß plötzlich blutiger ernst wird. "Wenn sie besoffen oder allgemein aggressiv waren, haben sie irgendwelche Türken oder Ausländer angemacht", sagt Dennis. "Und wenn die dann irgendetwas zurückgesagt haben, haben sie dann die Ausländer zusammengeschlagen."

Musik als Ausdrucksmittel

Dennis ist tief hineingerutscht in die Szene- und er ist kein Einzelfall und bei vielen, die eine ähnliche Entwicklung durchmachen ist Musik die Einstiegsdroge. Das weiß Christian Dohrenbusch, ein Journalist aus Niedersachsen, der seit 20 Jahren über die rechte Musikszene schreibt: "Gerade bei Jugendlichen ist es der Tabubruch, der in diesen Texten begangen wird. Etwas anzusprechen, was man eigentlich nicht laut sagt. Aber dabei wird meines Erachtens auch schon offensichtlich, dass diese Jugendlichen etwas daran finden, was sie denken, was sie sich aber nicht trauen, auszusprechen und da fungiert dann diese Musik als Ausdrucksmittel für sie."

Guter Verdienst mit Nazi-Mode

Ein gutes Dutzend Rechtsextremer Bands sind in Niedersachsen bekannt - fast ebenso viele Konzerte zählt Niedersachsens Verfassungsschutz jährlich. Ganz nebenbei wird nicht nur rechtsextremes Gedankengut verbreitet, sondern es wird auch gut verdient - sechsstellige Summen, so schätzen Experten. Nicht nur mit Tonträgern wird Geld gemacht: Einschlägige Klamotten, Computerspiele, Filme und braune Accessoires sorgen dafür, dass Neueinsteiger schell in eine sogenannte rechtsextreme Erlebniswelt eingebunden werden, sagt Christian Dohrenbusch: "Es hat so einen gewissen Sektencharakter. Man glaubt nur noch an die eigenen Botschaft, an die eigene politische Meinung - und alle anderen hält man für geistig verwirrt, oder eben für die Stimme des Feindes."

Dennis ist ausgestiegen

Dennis zumindest hat nach einiger Zeit dieser Welt den Rücken gekehrt - als er genug hatte von Schlägereien und Gewalt: "Dann sind sie halt 'rausgegangen und haben irgendwelche zusammengeschlagen. Das hat mir nicht gefallen, wie die anderen am Boden gelegen haben. Alle gegen einen oder zwei. Das war nicht gut. Das ist nicht schön."

Dafür wurde er am Ende von seinen vermeintlichen früheren Freunden bestraft: Dennis wurde mit einer Dachlatte schwer verletzt.

Autor: Stefan Schölermann

Rechtsabbieger. Die unterschätzte Gefahr in NIedersachsen, Titelfoto der Broschüre von NDR Info und Weser-Kurier (Ausschnitt) © "b mal x" Kommunikation, Bremen
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