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Wider den Rassismus / Faschismus

16. Februar 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Antirassismus | Asyl

ThoKö 15.02.2008 20:04 Themen: Antirassismus
 
Ausländer nehmen uns die Arbeit weg oder sind faul! So lauten viele Vorwürfe, doch sie sind falsch. Öffentliche Zahlen, Statistiken belegen dies. Dieser Artikel nimmt einige Parolen der Ultrakonservativen und Nazis auf, um sie zu widerlegen.
Wider den Rassismus

Parolen wie „Ausländer nehmen uns die Arbeit weg“ oder „Türken sind gewaltbereit“ schlagen einem häufig um die Ohren. Gleichzeitig sind Deutsche empört, wenn Spanier sich über das ungebührliche Benehmen von Deutschen auf Mallorca aufregen. „Sind doch nicht alle so“ die lapidare Antwort. Eben. Es sind nicht alle so. Die meisten sind nicht so, aber es ist eben einfacher, alle über einen Kamm zu scheren und für viele Bürger sind die einfachen Antworten auch die schönsten Antworten. Leider ist einfach nicht immer richtig, sondern häufig sogar richtig falsch.

Ausländer nehmen uns die Arbeit weg!  Falsch
Ein beliebter und zugleich gefährlicher Spruch. Unerwähnt bleibt aber, dass Ausländer durch Selbstständigkeit 366.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen haben, 30 % dieser Arbeitsplätze werden von Deutschen besetzt, dies entspricht 122.000 Arbeitsplätzen. Pro Neugründung entstehen im Schnitt 5 zusätzliche Arbeitsplätze. Früher gab es unter Türken beispielsweise hauptsächlich Minimärkte und Restaurants, aber es gibt auch immer mehr Handwerker, Bauunternehmer und Dienstleister. Im Jahr 2005 erwirtschafteten sie einen Umsatz in Höhe von 18 Milliarden €. Das Rheinisch-Westfälische Institut hat nachgewiesen, dass die ausländischen Arbeitskräfte, die zwischen 1988 und 1992 in die deutsche Wirtschaft integriert wurden, allein 1992 durch ihren Beitrag 90.000 neue Arbeitsplätze in vor- und weiterverarbeitenden Branchen entstehen ließen. Außerdem kann ein Arbeitsplatz erst dann mit einem Nicht-EU-Ausländer besetzt werden, wenn sich zuvor kein Deutscher oder EU-Bürger für diese Stelle findet. Innerhalb der EU gilt das Prinzip der Freizügigkeit, so wie jeder Deutsche sich in jedem anderen EU-Land eine Arbeit suchen kann, so gilt das natürlich auch für die Bürger der anderen EU-Länder in Deutschland.
In den neuen Bundesländern hat die Beteiligung ausländischer Investoren mit mehr als 13,3 Milliarden € 146.000 Arbeitsplätze gesichert bzw. neu geschaffen (Stand 2005 oder 2004).

Die meisten Jobs, die von Ausländern getätigt werden, würden viele Deutsche nicht machen, da ihnen die Arbeit zu anstrengend oder zu dreckig ist. Andere beenden aus den gleichen oder ähnlichen Gründen schon nach kurzer Zeit ihre Arbeit. Häufig übernehmen also Ausländer die arbeiten, die Deutsche eh nicht machen wollen. Zu denken wäre da z.B. an die Spargelernte-
helfer.
Zudem ist der Zuzug von Ausländern enorm wichtig, denn die deutsche Bevölkerung nimmt immer mehr ab und wird älter. Durch dieses Schrumpfen geht natürlich der Konsum zurück, wodurch die Nachfrage sinkt und schließlich Arbeiter entlassen werden. Migranten sind natürlich mehr als nur Konsumenten oder Arbeitskräfte, die häufig dreckige und sehr anstrengende Arbeiten übernehmen. Aber die obigen Argumente zeigen, dass sie wichtig für unsere Wirtschaft sind und sogar mithelfen, Arbeitsplätze zu sichern.
Wer sagt: „Ausländer raus“ und „sie nehmen uns die Arbeit weg“ muss in Wirklichkeit viel eher damit rechnen, keinen Job zu bekommen oder noch schlechtere Chancen zu haben.

Einwanderung in die Sozialsysteme – Ausländer kosten uns zu viel!  Falsch
Durch die Drittstaatenregelung ist die Zahl der Asylanten drastisch zurückgegangen und befindet sich auf einem sehr niedrigen Niveau.
Sicherlich: Migranten sind von Arbeitslosigkeit stärker betroffen, als Deutsche. Aber laut einer RWI – Untersuchung zahlen die Migranten 50 Mrd. € in das Gemeinwesen ein und erhalten von dem Gemeinwesen Leistungen in Höhe von 35 Mrd. €, dies macht für das Gemeinwesen ein Plus von 15 Mrd. €. Bei dem sozialen Sicherungssystem sieht es auch gut aus: Nach einer Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) aus dem Jahr 2006 haben die Migranten 12,8 Mrd. € mehr in die sozialen Sicherungssysteme eingezahlt, als sie erhalten haben.
Gegen die Arbeitslosigkeit bei Migranten hilft am besten eine individuelle schulische Förderung, da muss sich in Deutschland noch viel tun.



Wir haben zu viele Ausländer in Deutschland! Falsch
Die Ausländerquote war im Kaiserreich wesentlich höher. Dort betrug die Bevölkerungszahl 6,5 Mio. Menschen; 6,5 Mio. von ihnen waren Ausländer, macht also einen Ausländeranteil von 10 %, heute beträgt er ca. 8,9 %.

Ausländer sind faul!  Falsch
Mit Verlaub, aber das können nur Menschen behaupten, die noch nie mit einem Migranten zusammen gearbeitet haben. Zudem belegt die Zahl der gegründeten Unternehmen, der Jahresumsätze und Steuerzahlungen von Migranten das Gegenteil.

Ausländer sind kriminell!  Falsch
Dank den Boulevardmedien und Roland Koch (CDU) ist diese Einschätzung beliebt, verbreitet und populär.
Man muss festhalten, dass die meisten Ausländer NICHT kriminell sind. Außerdem hat ein kriminologisches Institut festgestellt, dass die Kriminalitätsrate von Deutschen, die in sozial schwierigen Milieus aufwachsen, ungefähr genauso hoch ist wie bei Ausländern. Jugendgewalt und Kriminalität ist kein Problem einer Ethnie, sondern ein Schichtenproblem.
Zudem ist die Kriminalitätsrate bei Ausländern überproportional rückläufig:
“Der erfreuliche Trend eines überproportionalen Rückgang der nichtdeutschen Tatverdächtigen setzt sich fort. Nachdem deren Zahl in den Jahren 2003 uns 2004 bereits um 2,3 % bzw. 1,2 % gesunken war, ist 2005 nochmals ein spürbares Minus von 5 % zu verzeichnen (deutsche Tatverdächtige: -2,4 %)“ (aus der im Mai 2006 vorgelegten Kriminalitätsstatistik des Bundesinnenministers Schäuble).

Es gibt also weder zu viele Ausländer, noch nehmen sie uns die Arbeit weg, noch sind sie per se kriminell. Sie beuten auch unsere Sozialsysteme nicht aus.

Sie stellen eine wirtschaftliche und kulturelle Bereicherung dar.
Wir müssen nun sehen, wie wir Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund besser fördern und für den Arbeitsmarkt fit machen können. Unser Bildungssystem muss rigoros überarbeitet werden, damit es für alle Schüler (auch die Deutschen) eine bessere, individuelle Förderung gibt.
Ausländer sind eine Bereicherung für uns – kulturell, ökonomisch und menschlich. Man sollte auch Migranten nicht nur unter dem Gesichtspunkt von ökonomischen Daten sehen, also nicht so, wie ich es oben getan habe. Wir reden hier von keiner Ware, wir reden hier von Menschen. Menschen, die Träume und Hoffnungen haben, die sich sorgen und etwas bewirken wollen. Die für ihre Familien sorgen wollen. Helfen wir ihnen dabei durch ein sozialeres und besseres Bildungssystem und durch Toleranz.
 
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