CZ hetzt gegen Buntes Haus


Umstrittener Szene-Treffpunkt: das Bunte Haus.
Sorgen bereitet der Celler Polizei das Bunte Haus auf dem Gelände der CD-Kaserne. „Es gibt dort extremistische Aktivitäten”, sagt Gerd Schomburg, Leiter der Polizeiinspektion Celle. In den vergangenen drei Jahren hat sich das Haus von einem Treffpunkt der belächelten „Kinder-Antifa” zu einem Objekt entwickelt, das für die Beamten höchst interessant ist. Drogenkonsum, gewaltbereite Linksextreme – im Bunten Haus, das mit öffentlichen Mitteln gefördert wird, würden die Beamten sich gerne öfter einmal umschauen. Das geht aber anders als in allen anderen Lokalen nicht – die Polizei hat im Bunten Haus Hausverbot.
CELLE. „Die Nazis morden, der Staat schiebt ab – das ist das gleiche Faschistenpack!” „Gebt den Nazis die Straße zurück – Stein für Stein!” Parolen wie diese haben nach Erkenntnissen der Polizei vermummte autonome Antifaschisten gerufen, als sie am 19. Januar gegen einen NPD-Stand in der Celler Innenstadt demonstrierten. Damals gab es Verletzte. „Die Aktion war klar gewalttätig”, sagt Celles Polizeichef Gerd Schomburg. Gegen die Sprüchklopfer habe man ein Strafverfahren wegen Anstiftung zu einer Straftat eingeleitet. Dabei muss die Celler Polizei nach Verdächtigen nicht lange suchen. „Sie treffen sich im Bunten Haus”, sagt Polizeisprecher Guido Koch: „Es gibt dort extremistische Aktivitäten. Der Internet-Auftritt des Bunten Hauses schmückt sich mit der Fahne der Antifa – und die wird vom Verfassungsschutz beobachtet.”
Somit haben die Staatsschützer eine Einrichtung im Auge, das die CD-Kasernen-GmbH den Betreiber mietfrei zur Verfügung stellt. Also wird ein Treff öffentlich subventioniert, von dem nach Beurteilung der Polizei „organisierte Gewalt” ausgeht. Der Slogan „Schlagt die Faschisten, wo Ihr sie trefft” werde wörtlich genommen. Das Plenum des Bunten Hauses bezeichnet die Aussagen der Polizei als „völlig haltlos”. Für Aktionen seiner Nutzer sei das Bunte Haus nun mal nicht verantwortlich.
Nach einem Konzert in der CD-Kaserne hätten zum Beispiel 20 vermummte Linksextreme, die im Bunten Haus verkehrten, drei Rechtsextreme mit knüppeln und Reizgas attackiert, so Koch: „Eines der Opfer wurde krankenhausreif geschlagen.” Vor einem halben Jahr hätten Linksextreme aus dem Bunten Haus in der Heese Rechte mit einem Zimmermannshammer angegriffen, berichtet Koch: „Das ist schon heftig.” Kein Wunder, dass Celles Rechtsextremisten die Schließung des Bunten Hauses fordern. Bisher ohne Erfolg.
„Sehr deutliche Worte” wollte im Jahr 2002 CD-Kasernen-Aufsichtsratsvorsitzende Karin Hogenkamp (CDU) mit der Spitze des Bunten Hauses führen, nachdem man bei einer Versammlung, bei der es um die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK ging, Polizisten den Zutritt verwehrt hatte. „Wir haben dort immer noch praktisch Hausverbot”, sagt Guido Koch. Wollte die Polizei ihr verbrieftes Zutrittsrecht durchsetzen, befürchte man eine Eskalation der Gewalt.
„Dass Nutzer des Bunten Hauses in der Szene drin sind, ist mit bekannt”, sagt Kasernen-Geschäftsführer Kai Thomsen. Allerdings sei das Bunte Haus „rechtlich autonom”: „Uns liegen von Staatsanwaltschaft oder der Polizei keine Erkenntnisse vor, die auf illegale Praktiken des Bunten Haus verweisen. Solange es keine rechtskräftigen Urteile gibt, gibt es für eine Kündigung des Mietvertrags keinen Ansatzpunkt.” Man „beobachte” das Bunte Haus, so Thomsen.
Dann dürfte ihm die „Goa-Party” zu der dort kürzlich eingeladen wurde, nicht entgangen sein. Nach Einschätzung der Polizei gehört bei diesen bundesweit veranstalteten „Hippie-Partys” Drogenkonsum „dazu”. Die Goa-Party im Bunten Haus wurde übrigens offiziell abgesagt – wegen einer „Privatfeier”, wie es seitens des Bunten Hauses heißt. Irgendwie „Goa” war diese Privatfeier dann aber wohl doch. „Wow, das war echt mega. Hat Spaß gemacht. Danke für diese geile Lokation”, schreibt einer der zufriedenen Gäste des Bunten Hauses auf der Goa-Homepage goatrance.de.
Michael Ende
15.02.2008 15:27; aktualisiert:15.02.2008 21:40
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