Verdi-Streik: Kitas dicht
Verdi-Streik: Kitas dicht
In Niedersachsen und Bremen sind am Donnerstag mehrere
tausend Erzieher von Kindertagesstätten in den Warnstreik getreten.
Zahlreiche städtische Kitas blieben geschlossen. Alleine in
Hannover hätten sich rund 600 Erzieher von den 34 Kitas an dem
Ausstand beteiligt, teilte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mit.
Außerdem hätten 1600 Mitarbeiter
von Gemeindeverwaltungen,
Kliniken und Abfallbetrieben ihre
Arbeit für einen Tag niedergelegt. An
Protestkundgebungen in mehreren
niedersächsischen Städten nahmen
nach Angaben von ver.di und der
Kommunalgewerkschaft komba
mehr als 3200 Menschen teil. In der
Bremer Innenstadt beteiligten sich
nach Polizeiangaben etwa 1300
Menschen an einer Demonstration.
„Eltern wollen gute Bildung und
Betreuung für ihre Kinder, deshalb
verlangen wir von den Arbeitgebern, dass sie die Kita-Beschäftigten auch
gut bezahlen“, sagte ver.di-Landesleiter Siegfried Sauer in Bremen. Eine neu
eingestellte Erzieherin verdient laut ver.di als Vollzeitkraft derzeit 1300 Euro
netto. Dreiviertel der Erzieher seien aber in Teilzeit beschäftigt. In
Niedersachsen arbeiteten ungefähr 7000 Menschen als Erzieher, teilte
komba mit. Die Tarifverhandlungen sollen am Montag fortgesetzt werden.
Kita-Demo in Hannover
ver.di fordert für die Beschäftigten von Bund und Kommunen acht Prozent
mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro im Monat zusätzlich. Zudem verlangt
die Gewerkschaft die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden sowie
120 Euro mehr Ausbildungsentgelt monatlich. Die Arbeitgeber bieten bislang
für zwei Jahre und verteilt auf drei Schritte fünf Prozent mehr Gehalt bei
gleichzeitiger Verlängerung der Arbeitszeit. Dieses Angebot haben die
Gewerkschaften als Mogelpackung zurückgewiesen.
Elternvertreter haben nach Gewerkschaftsangaben mit Verständnis auf den
befristeten Ausstand reagiert. „Wir sehen das gleiche Ziel, die Betreuung
unserer Kinder so gut wie irgend möglich zu gewährleisten“, wird Saskia
Söder vom Gesamtelternbeirat der städtischen Kitas in Hannover in einer
ver.di-Pressemitteilung zitiert. Zustimmung kam auch vom Verband Bildung
und Erziehung (VBE). „Gemessen an den Aufgaben der Erzieher war die
Bezahlung schon immer zu niedrig“, sagte die niedersächsische VBELandesvorsitzende,
Gitta Franke-Zöllmer, der Deutschen Presse-Agentur
dpa. Erzieher seien für ihre Arbeit zu schlecht ausgebildet. Franke-Zöllmer
forderte, angehende Erzieher benötigten mindestens die Fachhochschulreife.
Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund hatte die Warnstreiks
dagegen scharf kritisiert. Die Arbeitsniederlegungen dürften nicht die
Schwächsten in der Gesellschaft treffen. Am Freitag wollen die Beschäftigten
der Verkehrsbetriebe in Hannover die Arbeit für 24 Stunden niederlegen.
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