„Heisenhof Herrenlos – Sind die Nazis weg?" - Bericht über die Veranstaltung
Verdener Nachrichten 28.02.2008 Seite 4
Drei Referenten,
eine Meinung
Info-Abend zum Rechtsextremismus vor 50 Zuhörern
Von unserer Redakteurin
Anke Landwehr
DÖRVERDEN. Um Kinder und Jugendliche
gegen die Einflüsterungen brauner Rattenfänger
zu immunisieren, muss ihre Persönlichkeit
frühzeitig gestärkt werden. Das
war die Quintessenz einer Veranstaltung
des Dörverdener Bündnisses gegen Rechtsextremismus,
zu der am Dienstag rund 50
Zuhörer kamen.
„Heisenhof Herrenlos – Sind die Nazis
weg?“ hatten die Gastgeber den Abend im
Kultursaal überschrieben. Eine Frage, die
erst zum Schluss auf den Tisch kam und von
Bündnissprecher Bernward Nüttgens mit einem
„Jein“ beantwortet wurde. Zwar hielten
sich auf dem Heisenhof keine Neonazis
mehr auf, doch sei der Rechtsstreit um die
Immobilie noch nicht beendet.
Wie berichtet, versucht der Rechtsextremist
Jürgen Rieger, als Nachtragsliquidator
eingesetzt zu werden. Nachdem er damit
vor dem Landgericht Gera gescheitert ist,
hat er als nächste Instanz das Oberlandesgericht
Gera angerufen. Eine Entscheidung
steht noch aus. Würde es Rieger gelingen,
seine Londoner Briefkastenfirma Wilhelm-
Tietjen-Stiftung für Fertilisation wiederzubeleben,
über die er den Heisenhof seinerzeit
ersteigert hatte, hätte er möglicherweise
keine schlechten Karten.
Allerdings hat er dies bereits mehrfach angekündigt,
doch lagen dem OLG noch vor
kurzem keine Erkenntnisse vor, dass Rieger
tatsächlich aktiv geworden ist. Die britischen
Behörden hatten die Gesellschaft gelöscht,
weil Rieger die Bilanz nicht rechtzeitig
vorgelegt hatte.
Zurück zum Informationsabend im Kultursaal,
bei dem das Bündnis gleich drei Referenten
aufbot. Allein die Ausführungen des
Rechtsextremismus-Experten André Aden
nahmen eineinhalb Stunden in Anspruch.
Nach seiner Einschätzung sind die Neonazis
weiter auf dem Vormarsch.Umihre Parolen
unters Volk zu bringen, bedienten sie
sich zunehmend professionell aufgemachter
eigener Nachrichtensendungen, die sie
über das Internet verbreiteten.
Ebenso sei in den vergangenen Jahren
eine Reihe von Merchandising-Läden eröffnet
worden, berichtete Aden. Dort sei alles
zu bekommen, was ein Neonazi an Zubehör
brauche, unter anderem Kleidung aus dem
eigenen Modelabel Thor Steinar. Ein Privatsender
in Brandenburg scheue sich nicht,
den Wetterbericht von dieser Firma präsentieren
zu lassen. Aden informierte weiter
über rechtsextremistische Bands, über äußerliche
Erkennungszeichen wie Symbole
und Zahlencodes und darüber, wie rechtsradikale
Gruppen unter anderem Namen weiterbestehen,
wenn sie verboten werden.
Rundfunkjournalist Stefan Schölermann
stellte insbesondere die Broschüre „Rechtsabbieger“
vor. Sie ist vor den niedersächsischen
Landtagswahlen als Gemeinschaftswerk
vom Verlag der Bremer Tageszeitungen
AG, zu dem auch die VERDENER
NACHRICHTEN gehören, und NDR info
herausgegeben worden. Schölermann erklärte,
dass sich die Berichterstattung über
neonazistische Aktivitäten „lohnt“. Sie
führe dazu, dass Menschen aufmerksamer
würden und sich gegen die Rechtsradikalen
zur Wehr setzten.
Ähnlich äußerte sich Charly Braun von
der Antifa-AG des niedersächsischen DGB.
Alle Redner waren sich darin einig, dass
nicht erst bei Pubertierenden mit der Arbeit
gegen rechts begonnen werden dürfe.
Schon Kindern ab etwa neun Jahren müssten
Angebote unterbreitet werden, in denen
sie ein positives Gruppengefühl ohne Ausgrenzung
anderer entwickeln könnten.
Nüttgens beklagte, dass die Öffnungszeiten
des Dörverdener Jugendtreffs bei weitem
nicht ausreichten. In der Jugendarbeit
müsse man „um jeden Cent kämpfen.“
Drei Referenten,
eine Meinung
Info-Abend zum Rechtsextremismus vor 50 Zuhörern
Von unserer Redakteurin
Anke Landwehr
DÖRVERDEN. Um Kinder und Jugendliche
gegen die Einflüsterungen brauner Rattenfänger
zu immunisieren, muss ihre Persönlichkeit
frühzeitig gestärkt werden. Das
war die Quintessenz einer Veranstaltung
des Dörverdener Bündnisses gegen Rechtsextremismus,
zu der am Dienstag rund 50
Zuhörer kamen.
„Heisenhof Herrenlos – Sind die Nazis
weg?“ hatten die Gastgeber den Abend im
Kultursaal überschrieben. Eine Frage, die
erst zum Schluss auf den Tisch kam und von
Bündnissprecher Bernward Nüttgens mit einem
„Jein“ beantwortet wurde. Zwar hielten
sich auf dem Heisenhof keine Neonazis
mehr auf, doch sei der Rechtsstreit um die
Immobilie noch nicht beendet.
Wie berichtet, versucht der Rechtsextremist
Jürgen Rieger, als Nachtragsliquidator
eingesetzt zu werden. Nachdem er damit
vor dem Landgericht Gera gescheitert ist,
hat er als nächste Instanz das Oberlandesgericht
Gera angerufen. Eine Entscheidung
steht noch aus. Würde es Rieger gelingen,
seine Londoner Briefkastenfirma Wilhelm-
Tietjen-Stiftung für Fertilisation wiederzubeleben,
über die er den Heisenhof seinerzeit
ersteigert hatte, hätte er möglicherweise
keine schlechten Karten.
Allerdings hat er dies bereits mehrfach angekündigt,
doch lagen dem OLG noch vor
kurzem keine Erkenntnisse vor, dass Rieger
tatsächlich aktiv geworden ist. Die britischen
Behörden hatten die Gesellschaft gelöscht,
weil Rieger die Bilanz nicht rechtzeitig
vorgelegt hatte.
Zurück zum Informationsabend im Kultursaal,
bei dem das Bündnis gleich drei Referenten
aufbot. Allein die Ausführungen des
Rechtsextremismus-Experten André Aden
nahmen eineinhalb Stunden in Anspruch.
Nach seiner Einschätzung sind die Neonazis
weiter auf dem Vormarsch.Umihre Parolen
unters Volk zu bringen, bedienten sie
sich zunehmend professionell aufgemachter
eigener Nachrichtensendungen, die sie
über das Internet verbreiteten.
Ebenso sei in den vergangenen Jahren
eine Reihe von Merchandising-Läden eröffnet
worden, berichtete Aden. Dort sei alles
zu bekommen, was ein Neonazi an Zubehör
brauche, unter anderem Kleidung aus dem
eigenen Modelabel Thor Steinar. Ein Privatsender
in Brandenburg scheue sich nicht,
den Wetterbericht von dieser Firma präsentieren
zu lassen. Aden informierte weiter
über rechtsextremistische Bands, über äußerliche
Erkennungszeichen wie Symbole
und Zahlencodes und darüber, wie rechtsradikale
Gruppen unter anderem Namen weiterbestehen,
wenn sie verboten werden.
Rundfunkjournalist Stefan Schölermann
stellte insbesondere die Broschüre „Rechtsabbieger“
vor. Sie ist vor den niedersächsischen
Landtagswahlen als Gemeinschaftswerk
vom Verlag der Bremer Tageszeitungen
AG, zu dem auch die VERDENER
NACHRICHTEN gehören, und NDR info
herausgegeben worden. Schölermann erklärte,
dass sich die Berichterstattung über
neonazistische Aktivitäten „lohnt“. Sie
führe dazu, dass Menschen aufmerksamer
würden und sich gegen die Rechtsradikalen
zur Wehr setzten.
Ähnlich äußerte sich Charly Braun von
der Antifa-AG des niedersächsischen DGB.
Alle Redner waren sich darin einig, dass
nicht erst bei Pubertierenden mit der Arbeit
gegen rechts begonnen werden dürfe.
Schon Kindern ab etwa neun Jahren müssten
Angebote unterbreitet werden, in denen
sie ein positives Gruppengefühl ohne Ausgrenzung
anderer entwickeln könnten.
Nüttgens beklagte, dass die Öffnungszeiten
des Dörverdener Jugendtreffs bei weitem
nicht ausreichten. In der Jugendarbeit
müsse man „um jeden Cent kämpfen.“
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