"Steine und Ziegel auf Agnes Miegel"
"Steine und Ziegel auf Agnes Miegel"
Rund 150 Menschen haben am heutigen Sonnabend in Bad Nenndorf gegen die Verherrlichung Nazi-Dichterin Agnes Miegel protestiert. Anlass waren die diesjährigen "Agnes-Miegel-Tage". Etwa 200 Polizisten hielten die DemonstrantInnen vom Protest direkt vor dem Tagungshotel der FaschistInnen ab. Neonazis versuchten, AntifaschistInnen abzufilmen, wurden jedoch nach wenigen Minuten von einigen engagierten Linken zurückdrängt. Das Motto der Demonstration: "Mit dem Agnes-Miegel-Kult-Brechen! Gegen Opfermythen und Revisionismus!".

Lautstark protestieren 150 Menschen gegen den "Agnes-Miegel-Kult".

Cops am Bahnsteig.
Bis 14 Uhr, dem eigentlichen Beginn der Demonstration durch die Bad Nenndorfer Innenstadt hatten sich einige Dutzend TeilnehmerInnen auf dem Bahnhofsvorplatz eingefunden. Starker Sturm und Regen machte nicht nur das Warten vor dem Bahnhof unangenehm, sondern sorgte für zahlreiche Zugausfälle, sodass viele AntifaschistInnen aus Hannover und anderen Teilen Niedersachsens erst gegen 15 Uhr in Bad Nenndorf ankamen. Minuten später begann die Demonstration in Richtung Stadtmitte.
Rund 15 Neonazis sollen mit dem Zug aus Lindhorst nach Haste gefahren sein und dort versucht haben weiter nach Bad Nenndorf zu gelangen. Eigentlich hätten die Rechtsradikalen in Lindhorst aufgehalten werden können, denn bereits um 12 Uhr waren acht Polizei-Fahrzeuge am Lindhorster Bahnhof. Unter den NeofaschistInnen sollen Marco Siedbürger, weitere Mitglieder der "Nationalen Offensive Schaumburg" (NOS) und Rechtsextreme aus Verden gewesen sein.
Bevor sich die Demonstration formiert hatte, kamen drei Neonazis - aus dem Spektrum der NOS - und filmten die Demonstrationsteilnehmer. Engagierte AntifaschistInnen drängten sie ab. Erst nach etwa sechs Minuten - als der Streit mit den drei jungen männlichen Neofaschisten zu eskalieren drohte - gingen Polizisten dazwischen. Von zweien der Faschisten wurden die Personalien aufgenommen. Der Kameramann der Neonazis - angeblich das "Phantom" - entfernte sich zügig noch bevor die Polizei ihn kontrollierte. Die beiden anderen blieben noch ein wenig und ließen sich von Polizisten schützen.

Kurz nach dem Demo-Start.
Während der Demonstration, die an dem Winklerbad vorbei in Richtung Innenstadt zog, wurden zwei weitere Neonazis in einem Auto gesichtet. Die Polizei begleitete die Demonstration, die von 14 bis 20 Uhr angemeldet war, mit einem Großaufgebot. BereitschaftspolizistInnen aus Hannover und weitere Einheiten aus Nienburg unterstützten die Schaumburger Polizei. Angeblich soll es zu einer Festnahme - möglicherweise am Haster Bahnhof - gekommen sein. Haste diente für viele DemonstrationsteilnehmerInnen als Umstiegsbahnhof. Bereits gegen 13 Uhr kontrollierten Polizisten mehrere Personen - während strömenden Regen. "Das ist doch reine Schikane", sagte einer der Kontrollierten. Mit dem Abfilmen der Demonstration hielt sich die Polizei zurück.

Zwei Staatsschutz-Autos.
Der Staatsschutz aus Nienburg war mit mindestens zwei Wagen vor Ort. Unauffällig postierten sie sich erst am Bahnhof, dann am Rande der Demonstrationsstrecke.

Warten an der Demoroute: Staatsschutz und Bereitschaftscops.
"Steine und Ziegel auf Agnes Miegel" und "no nation, no border, fight law and order" waren einige der Parolen. "Nazis raus!"-Rufe schallten ebenso wie das bekannte "ACAB" durch die Stadt.

Abgeriegelt: Das "Hotel Hannover".
In der Innenstadt, nahe des "Hotels Hannover", in dem sich mehr als 20 RechtsextremistInnen aufhielten, waren Polizei-Absperrungen aufgebaut worden. Ein direkter Protest vor dem Hotel war daher nicht möglich. Die DemonstrantInnen mussten mehrere Meter vor dem Gitter warten, während ein "Konflikt-Manager"-Polizist die AntifaschistInnen provozierte, indem er sich vor das Transparent stellte.

Provozieren wo es nur geht: Die DemonstrantInnen verhalten sich friedlich als der Polizist sich vor sie stellt.

Die Demonstration verlief äußerst friedlich.

Ein Wagen aus Paderborn sorgte zeitweise für Aufregung - der Staatsschützer (rechtes Bild).

Mitten durch den kleinen Ort führte die Demonstration.
JournalistInnen wurde von Polizisten mit körperlicher Gewalt gedroht, sollten sie es nicht unterlassen, den Einsatz zu dokumentieren.

Das Front-Transparent in voller Pracht.
In den Redebeiträgen, die über den Lautsprecherwagen verlesen wurden, griffen die AutorInnen Miegels Nähe zum NS-Regime und Sympathien zum selbsternatten "Führer" Adolf Hitler auf. Weitere Informationen zum "Agnes-Miegel-Kult" gibt es unter www.badnenndorf.tk. Der "offizielle" Bericht ist unter http://de.indymedia.org/2008/03/209351.shtml zu finden.
Gegen 16.40 erreichte der Demonstrationszug den Bahnhofsvorplatz. Bis 17.18 Uhr verblieben die meisten TeilnehmerInnen dort, sodass eine große Gruppe zurück nach Haste fuhr und sich dort aufteilte.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof.
Red Star Hannover | Email: red-star-hannover@gmx.net
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