"Rechte gibt's in jedem Ort"
"Rechte gibt's in jedem Ort"
Polizei informiert in der Schützenhalle Kampen über den Umgang mit Radikalen
Corinna Panek
Kampen. In jüngster Zeit hat es in der Samtgemeinde Tostedt einige Vorfälle gegeben, die die Jugend- und Bürgerorganisationen alarmiert und dazu veranlasst haben, über die Gefahren von Rechts zu informieren. In der Schützenhalle Kampen haben am Sonnabend die Dorfjugend, Vertreter von Vereinen, die Jugendarbeit betreiben, und Mitglieder des Tostedter Forums für Zivilcourage erfahren, wie es um rechtsradikale Aktivitäten in der Samtgemeinde bestellt ist.
So hatten Rechtsradikale gedroht, eine Fete von einigen Mädchen im Ort zu sprengen. "Wir wollen nicht, dass sich die Zustände wie Anfang der 1990er-Jahre wiederholen", sagte Karsten Berg, Geschäftsführer beim Schützenverein Kampen. Damals war Tostedt aufgrund mehrerer rechtsradikaler Vorfälle überregional in die Schlagzeilen geraten.
Für den Vortrag wurde Verena Barthauer als Referentin eingeladen. Sie ist bei der Polizei in Buchholz in der Abteilung Polizeilicher Staatsschutz tätig und hält Vorträge in Schulen. Für Fragen stand auch ihr Kollege Karl-Heinz Langner, Leiter der Tostedter Polizeistation, zur Seite. So erörterte sie zunächst Begriffe und Ursachen für rechtsradikale Tendenzen. Der Verfassungsschutz habe ermittelt, dass es etwa 33 000 organisierte Rechtsradikale bundesweit gebe, von denen ein Drittel als gewaltbereit eingestuft werde. Aus dem Publikum kam daraufhin die Frage, warum ein NPD-Verbot so schwer umzusetzen sei.
Langner sagte, zum einen ließe sich eine legale NPD leichter überwachen als eine im Untergrund tätige Organisation. "Man kann die NPD auch bekämpfen, indem man sie lächerlich macht und als nicht wählbar hinstellt."
Verena Barthauer informierte des Weiteren über verbotene Organisationen, Symbole und Musik. Rechtsradikale würden aufgrund von Verboten neue Symbole kreieren und mit verschiedenen Codes und Abkürzungen arbeiten. Bestimmte Sportbekleidungsmarken würden missbraucht etwa Lonsdale, was sich auf einem T-Shirt unter einer halb geöffneten Jacke als "NSDA" lese. Der Hersteller steuere jetzt gegen, indem er Dunkelhäutige für sich werben lässt.
Schwierig sei, "die Skinheads" auszumachen, da es unterschiedlichste Gruppierungen gebe von fremdenfeindlichen, gewaltbereiten Rechten bis hin zu unpolitischen "Spaßmachern" und sogar Linken. Verena Barthauer stellte zwei Musikbeispiele vor, bei denen zu bekannten Melodien rechte Parolen gesungen werden. Dabei widersprachen sich die zwei Beispiele sogar: Eines handelte vom Holocaust, im anderen wurde bestritten, dass es ihn jemals gab. Solche Musik öffentlich abzuspielen, sei strafrechtlich gesehen Volksverhetzung und werde mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft.
Zur Situation im Landkreis berichteten die Polizeivertreter, dass es keine organisierten Kameradschaften gebe. Einzelne stünden aber unter Beobachtung. Eine latente rechte Szene gibt es in jedem Ort", sagte Langner. "Das muss eine Demokratie aber aushalten."
Mit dem Info-Nachmittag sollten die Jugendlichen deshalb sensibilisiert werden, auch bei ihren Freunden und Bekannten nachzufragen, warum sie bestimmte Markenklamotten tragen oder Softair-Waffen besitzen. Alarmierend sei für die Polizei der Vorfall der von Jugendlichen im Wald vergrabenen Softair-Waffen gewesen (die HAN berichteten). "Seit 1. April sind sogenannte Anscheinswaffen in der Öffentlichkeit verboten. Man darf sie kaufen, aber nur, um sie zu Hause in die Vitrine zu stellen", formulierte es der Polizeichef. Er lobte die Arbeit des Forums für Zivilcourage, das sich für eine Sensibilisierung der Thematik einsetze.
Wer Verena Barthauer als Referentin einladen will, kann sich unter 0 41 81/28 50 an die Polizei Buchholz wenden.
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