Jugendliche haben Null Bock auf Demokratie
Kreis Stade (sh). Um das Demokratieverständnis der Jugendlichen im Kreis Stade steht es nicht allzu gut. Das ergab eine Befragung im Auftrag des Kreisjugendrings (KJR). 20 Prozent der befragten Jugendlichen lehnen Demokratie ab oder sind unentschieden. Noch schlechter ist es um die Kommunalpolitik bestellt: 47 Prozent der jungen Menschen haben davon keine Ahnung.
Das dürfte die Kreistagspolitiker besonders treffen. Die hatten sich schließlich vor einiger Zeit im Jugendhilfeausschuss die Frage gestellt, wie das Verhältnis der Jugend zur Kommunalpolitik aussehe. Nach den Ergebnissen, die die 25-jährige Diplom-Pädagogin Marlies Stelten zusammentrug, gibt es da einigen Nachholbedarf.
„Wir haben festgestellt, dass Jugendliche sehr wenig wissen über Kommunalpolitik und sich nicht angesprochen fühlen“, so Stelten. 66 Prozent der Befragten glauben nicht, dass Politiker sich darum kümmern, was junge Leute denken. 40,7 Prozent halten Politik für zu kompliziert und 61 Prozent halten sie schlicht für langweilig. Aber fast 80 Prozent meinen, junge Leute sollten in der Politik mehr zu sagen haben. Für Marlies Stelten und KJR-Mitarbeiterin Katrin Riedel eine Aufforderung, neue Beteiligungsformen für Jugendliche zu suchen. „Die Jugendlichen kennen gar nicht ihre Beteiligungsmöglichkeiten.“
Die Sonntagsfrage, wen die Jugendlichen wählen würden, wenn kommenden Sonntag Kommunalwahl wäre, beantworteten 35 Prozent mit „ich weiß nicht“. 5,3 Prozent würden gar die NPD wählen. Dennoch scheinen die Jugendlichen nicht politikverdrossener zu sein als die erwachsenen Wähler: Die Wahlbeteiligung war bei der letzten Kommunalwahl unter Jugendlichen mit 46 Prozent genauso schlecht wie bei den Großen.
Alarmierend sind die Ergebnisse zum Thema Ausländer: Mehr als 50 Prozent finden, es gebe zu viele Ausländer im Landkreis Stade. Jede Kultur solle unter sich bleiben, vertreten 28 Prozent. Und nur 16 Prozent der Jugendlichen lehnen Gewalt gegen Ausländer ab. Mehr als 60 Prozent glauben, dass ein starker Mann oder eine starke Partei die Probleme Deutschlands lösen könne.
Für Marlies Stelten sind diese Ergebnisse nicht gleich eine extremistische Tendenz. „Aber es zeigt ein Potenzial, wo angeknüpft werden kann und das wir nicht anderen überlassen sollen.“ Da Jugendliche ihre politische Meinung über Musik (22 Prozent) sowie Kleidung und Symbole (sieben Prozent) äußerten, müsse man in dem Punkt von den Rechten lernen. „Die NPD zieht ihren Nachwuchs über das Verteilen von CDs“, so Riedel, „warum kriegen das die anderen Parteien nicht hin?“ Die neuen Medien würden Zugangsplattformen für die Jugend bieten. Die müssten im Landkreis genutzt werden, etwa durch Werbespots für mehr Demokratie. Im Jugendhilfeausschuss seien kürzlich diese Ideen sehr positiv aufgenommen worden. Der Kreisjugendring will weiter Ideen entwickeln.
1371 Jugendliche von insgesamt 9714 zwischen 14 und 20 Jahren wurden per Fragebogen an allen Schulformen befragt. Der Schwerpunkt lag mit 84 Prozent bei der Altersgruppe der 14- bis 16-Jährigen. Die meisten Befragten besuchten die Realschule (38,8 Prozent), 28, 7 Prozent die Hauptschule, 25,8 Prozent das Gymnasium und 6,7 Prozent eine Berufsbildende Schule. Es wurden nur Antworten der Kinder verwertet, die im Kreisgebiet wohnen.
Artikel erschienen am: 19.06.2008
Quelle: Stader Tageblatt
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