Auf dem rechten Auge blind?
Offener Brief an das Fanprojekt Braunschweig
Auf dem rechten Auge blind?
Liebe Verantwortliche des Fanprojektes,
mit Verwunderung haben wir eurer Internetseite entnommen, dass am 28. Juni 2008 bei dem von
euch organisierten „2. Hacky-Meier-Gedächtnisturnier“ die Fangruppierung „Fette Schweine /
Hungerhaken“ teilnehmen konnten und nun auf eurer Seite mit Photos als Turniersieger
präsentiert werden.
Die „Fetten Schweine / Hungerhaken“ sind, und das müsste euch als intime Kenner der
Braunschweiger Fußballfanszene eigentlich bekannt sein, nicht nur hooliganorientiert, sondern
auch verstrickt in die extrem rechte Szene der Region.
Die „Fettenschweine / Hungerhaken“ (FS/HH) sind
nach eigenen Angaben 30 Mann stark, darunter 9
Leute mit Stadionverbot.
In einem selbsterstellten und im Internet
verbreiteten Video präsentieren sich die FS/HH in
T-Shirts mit Motiven der extrem rechten Szene
oder zeigen den „Hitlergruß“. Unterlegt ist das
Video mit Musik der Rechtsrock-Band „Kategorie
C“.
1 Mitglied der „Sektion Wolfenbüttel“ der FS/HH
ist u.a. Mario Blütchen. Blütchen ist schon seit
mehreren Jahren in der extrem rechten Szene
aktiv und beteiligt sich immer wieder an
Aufmärschen der NPD und anderen faschistischen
Organisationen. So war er z.B. Teilnehmer der
NPD-Aufmärsche am 29.10.2005 in Göttingen und
am 18.06.2005 in Braunschweig.
Mario Blütchen bewegt sich im Umfeld von NPD
und neonazistischer Kameradschaftsszene. Zu
seinem Umfeld gehörte u.a. Matthies Müller, einer
der verantwortlichen „Hooligans“ für den
Brandanschlag auf den DGB-Jugendtreff im April
2006. Auch Dennis Dick aus Wolfenbüttel,
verantwortlich für die vor wenigen Tagen ins
Leben gerufene Internetseite „Autonome
Nationalisten Wolfenbüttel Salzgitter“ gehört zu
seinem Freundeskreis.
Neben Blütchen sind auch andere Mitglieder der
„Fetten Schweine / Hungerhaken“ immer wieder
durch extrem rechte, rassistische und
antisemitische Aussprüche, durch Teilnahme an
Veranstaltungen der rechten Szene und durch
Angriffe gegen Linke, MigrantInnen oder andere
Jugendliche aufgefallen.
1
zur Einschätzung der Band siehe: http://projekte.free.de/lotta/pdf/31/lotta31_kc.pdf
Die „Fetten Schweine / Hungerhaken“ als Sieger beim
Fanturnier. Hintere Reihe - 2. von rechts: Mario Blütchen.
Rechts daneben David Bauer in einer Jacke der rechten
Marke „Thor Steinar“ . Quelle: www.fanprojektbraunschweig.
de
Mario Blütchen (ganz rechts) und Dennis Dick (links daneben)
beim NPD-Aufmarsch am 29.10.2005 in Göttingen
Im Gästebuch der Internetseite
der FS/HH (www.fetteschweinebraunschweig.
de.tl) finden sich
immer wieder offen rassistische
Einträge. Hier ein paar Beispiele:
Am 21.06.2008 findet sich von
„sektion wf“ folgender Eintrag:
„jetzt spilen wir gg die sch.....
Türken den werden wir es zeigen
deutschland h... d..“
(Rechtschreibfehler
übernommen). Einige Tage zuvor
schreibt ein Besucher:
„ Deutschland-Kroatien 1:2... das
muss besser werden Jungs! Mit
schlagfesten Grüßen vom Acker...
Hoffentlich Viertelfinale
Deutschland-Türkei...dann k ommt
der Tag da machen wir sie
platt...dann säubern wir unsere
Heimatstadt!!“
Dominik Kues, ebenfalls mit in der
Mannschaft der FS/HH beim
Fanturnier (auf dem Foto untere Reihe ganz links), feiert in einem Kommentar auf einer Internetseite den
Turniersieg mit den Worten: „Wir sind Fette, Asoziale. Wir machen überall Randale und unsere Farben
sind schwarz-weiß-rot, wir bleiben treu bis in den Tod“.
Eurer Internetseite entnehmen wir, dass das Fanprojekt eigentlich einen eindeutigen
antirassistischen Standpunkt vertritt. Heißt es doch in der Selbstdarstellung:
„ Wir sagen, dass es Dinge gibt, die rein gar nichts mit aktiver Fan-Kultur zu tun haben. Dazu
zählen Rassismus, Gewalt, Alkoholmissbrauch und der illegale Einsatz von Feuerwerkskörpern.
So etwas unterstützen wir nicht - im Gegenteil: Hier liegt unsere Aufgabe eindeutig im
präventiven Bereich.“
Wir fragen Euch deshalb:
·
Wie verträgt sich diese Aussage mit der Teilnahme der „Fetten Schweine / Hungerhaken“
an eurem Fanturnier?
·
Ist es für euch Prävention gegen Rassismus, wenn „Fans“ mit antisemitischen,
rassistischen und faschistischen Einstellungen an eurem Fanturnier teilnehmen und sich
dann auch noch auf den Siegerfotos in Kleidung der rechten Modemarke „Thor Steinar“
·
Wieso verleugnet der Leiter des Fanprojektes, Karsten König, in der Sitzung des
Jugendhilfeausschusses am 28. Februar 2008 auf Nachfrage der Vertreterin der Partei Die
Linke, Gisela Ohnesorge, die Existenz einer „rechtsextremen Szene im Stadion“ ?
Braunschweig, den 5. August 2008
Antifaschistisches Plenum & Jugend Antifa Aktion (JAA)
2
zu „Thor Steinar“ siehe: www.investigatethorsteinar.blogsport.de
2
präsentieren können?
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