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Rechtsextreme quartieren sich in Dorfmark ein

27. April 2009 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Artikelserie "Ludendorffer"

Von Stefan Schölermann

Dorfmark. „Alle Zimmer belegt“ – Gemeinden
können sich in der Regel glücklich
schätzen, wenn zu Ostern dieses Schild von
guten Umsätzen der Hotels und Pensionen
künden. Auch in der 4000 Seelen-Gemeinde
Dorfmark (Kreis Soltau-Bad Fallingbostel)
wird man diese und ähnliche Schilder
sehen können. Doch nicht jeder wird
froh darüber sein.
Für Umsätze sorgen Angehörige einer antisemitischen
Organisation, die es seit mehr
als dreißig Jahren zum Osterfest nach Dorfmark
zieht: der sogenannte „Bund für Gotterkenntnis“,
im Volksmund auch die „Ludendorffer“
genannt. Rund 200 Angehörige
dieser Gruppierung sind es, die sich in Dorfmark
über „Rassefragen“ austauschen wollen.
Viele Jahre lang hat kaum jemand in
der Gemeinde Anstoß an dem Erscheinen
der „Ludendorffer“ genommen. Vielen
Gastwirten waren sie ein willkommener Umsatzbringer
nach den touristisch mageren
Wintermonaten.
Im vergangenen Jahr aber war es zum
Eklat gekommen, als Angehörige eines internationalen
Jugendcamps aus der nahen
Gedenkstätte Bergen-Belsen in Dorfmark
gegen das Erscheinen dieser
Gruppierung protestierten. Die
jungen Leute, unter ihnen
die Nichte des südafrikanischen
Friedensnobelpreisträgers Nelson
Mandela, mussten sich von
Dorfmarkern rassistische Sprüche
anhören. Es fielen Sätze wie
„Sprich doch mal deutsch hier,
du dummer Sack, wir sind doch
in Deutschland“ oder „Kanaken
geht lieber arbeiten“. Äußerungen,
die deutlich machten, auf
wessen Seite mancher Dorfmarker
steht. Das Geschehen
sorgte bundesweit für Schlagzeilen.
Besonnene wollten keine Wiederholung
des Geschehens und gründeten ein „Bündnis
für Demokratie und gegen Extremismus“.
Federführend war dabei der niedersächsische
Landespräventionsrat, der das
Thema nach den spektakulären Vorfällen
auf seine Agenda setzte. Präventionsratsmitglied
Gerhard Bücker holte Sportvereine,
Kirchen, Gewerkschaften und sogar die
Kommune ins Boot. Informationsveranstaltungen
zum Thema
Rechtsextremismus wurden organisiert,
der kirchliche Gemeindebrief
veröffentlichte „Thesen
gegen Rechtsextremismus aus
christlicher Sicht“, der Sportverein
schickte seine Jugendmannschaften
in T-Shirts auf den Fußballplatz,
die mit einem Aufdruck
für Toleranz und gegen
Extremismus warben. Also alles
gut in Dorfmark zu Ostern 2009?
Gewiss nicht. Rund 120 „Ludendorffer“
werden trotz aller Gegeninitiativen
in Hotels und Pensionen der
Gemeinde über Ostern Quartier beziehen.
Mancher Gastwirt verweist auf die dringend
benötigten Einnahmen.
Ein Argument, dass Hotelbetreiber aus
dem Umland für unglaubwürdig halten.
„Wer seinen Betrieb nur mit den Einnahmen
von drei oder vier Übernachtungen zu
Ostern über Wasser halten kann, bei dem
stimmt etwas nicht im Betrieb“ , sagt Zimmervermieter
Heiko Bostelmann aus dem
nahen Bad Fallingbostel. Weil sie das Erscheinen
der „Ludendorffer“ in Dorfmark
nicht akzeptieren wollen, werden einzelne
Mitglieder des Bündnisses mit einer Mahnwache
vor dem Tagungszentrum des „Bundes
für Gotterkenntnis“ morgen protestieren.
„Den Ludendorffern muss direkt klargemacht
werden, dass sie in Dorfmark unerwünscht
sind“, sagt Horst Kröger.
Dorfmarks Bürgermeister ist kein Freund
direkter Konfrontationen. „Wir werden weiter
daran arbeiten, dass dieser Personenkreis
hier nicht mehr erscheint. Aber wir wollen
nicht mit dem Kopf durch die Wand, wir
wollen Veränderung im Kopf“, sagt Rainer
Schmuck. Und das dauere bekanntlich etwas
länger.
Der Autor Stefan Schölermann ist Redakteur bei NDRInfo

 

Quelle: Weser Kurier 09.04.2009

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