In Dorfmark nichts Neues - Einheimische beschimpfen junge Demonstranten gegen rechts
Von Stefan Schölermann und Christine Kröger
Dorfmark. In Dorfmark nichts Neues: Als im
vergangenen Jahr Teilnehmer eines internationalen
Jugendcamps der KZ-Gedenkstätte
Bergen-Belsen nach Dorfmark (Kreis
Soltau-Fallingbostel) kamen, um gegen das
„Ostertreffen“ der antisemitischen und rassistischen
„Ludendorffer“ in der 4000-Seelen-
Gemeinde zu protestieren, bezeichneten
Einheimische sie als „Kanaken“ und „Affen“.
Gestern bekamen junge Leute wieder
ganz Ähnliches zu hören: „Ihr kommt wohl
aus dem Irrenhaus.“
Tatsächlich kamen die jungen Leute aus
mehr als zehn Nationen aus der nahen KZGedenkstätte
Bergen-Belsen, in der sie sich
mit Themen wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
beschäftigt hatten. Dort waren
auch die Ausfälle in Dorfmark diskutiert
worden, die vor einem Jahr bundesweit für
Schlagzeilen sorgten.
In diesem Jahr war der Empfang nicht
freundlicher, als die Jugendlichen mit ihren
bunten Transparenten erschienen. Ein Anwohner
herrschte sie an: „Ihr seid mir zu
laut. Wenn ihr so weitermacht, lasse ich die
Hunde los.“ Die „Ludendorffer“ hingegen
fühlten sich nach eigenem Bekunden in
Dorfmark bestens aufgehoben: „Wir kommen
seit 35 Jahren und wissen, dass wir hier
viele Freunde haben“, sagte einer in der Tagungsstätte
Hotel „Deutsches Haus“. Zumindest
bei den Wirtsleuten aber schien die
Stimmung doch etwas angespannt.Zum ersten
Mal hatten sie an der Eingangstür ein
Schild angebracht: „Geschlossene Gesellschaft.
Bund für Gotterkenntnis e.V.“. Als
ein junger Mann dieses Schild fotografieren
wollte, griff der Wirt ihm an die Kehle.
„Bund für Gotterkenntnis“ nennen sich
die „Ludendorffer“ offiziell. Ihr „Ostertreffen",
zu dem sie aus dem ganzen Bundesgebiet
anreisen, ist für die Hotels und Pensionen
der Region offenbar ein willkommenes
Zubrot. Gestern jedenfalls waren es überwiegend
Menschen aus anderen Orten , die
vor dem „Deutschen Haus“ gegen die „Ludendorffer“
protestierten.
Nicht nur die rund 80 jungen Leute aus
dem Jugendcamp in Bergen-Belsen empfanden
das „Ostertreffen“ der Gruppe als Provokation,
rund 40 Teilnehmer einer Mahnwache
sahen das ganz genauso. Sie hatten
sich am Nachmittag vor dem Tagungslokal
postiert. Nur ein knappes Dutzend von ihnen
aber wohnt in Dorfmark.
Auf Initiative des niedersächsischen Landespräventionsrates
hatten sich schon vor
Monaten örtliche Vereine und Verbände zusammengeschlossen,
die die „Ludendorffer“
nicht mehr unter sich haben wollen.
Doch dieser Zusammenschluss ist über ein
„Bündnis in Gründung“ nicht hinausgekommen.
Diese Kritiker hatten vor den Ostertagen
mit verschiedenen Veranstaltungen vor
den Gefahren des Extremismus gewarnt,
doch von den Protesten vor Ort hielten sie
sich gestern fern, „um Konfrontationen zu
vermeiden“.
So überließ die Mehrheit der Dorfmarker
gestern erneut denjenigen Einheimischen
das Feld, die aus ihrem Rassismus keinen
Hehl machten – und denen auch eine Berichterstattung
über ihre Pöbeleien offensichtlich
ungelegen kam: „Wenn du das
nicht lässt, haue ich dir dahin, wo es dir weh
tut“, wurde ein Kameramann angeschrieen.
Und eine Journalistin musste sich von einem
Besucher des „Deutschen Hauses“ als „Gesindel“
beschimpfen lassen.
Der Autor Stefan Schölermann ist Redakteur bei NDRInfo
Quelle: Weser Kurier 11.04.2009
Dorfmark. In Dorfmark nichts Neues: Als im
vergangenen Jahr Teilnehmer eines internationalen
Jugendcamps der KZ-Gedenkstätte
Bergen-Belsen nach Dorfmark (Kreis
Soltau-Fallingbostel) kamen, um gegen das
„Ostertreffen“ der antisemitischen und rassistischen
„Ludendorffer“ in der 4000-Seelen-
Gemeinde zu protestieren, bezeichneten
Einheimische sie als „Kanaken“ und „Affen“.
Gestern bekamen junge Leute wieder
ganz Ähnliches zu hören: „Ihr kommt wohl
aus dem Irrenhaus.“
Tatsächlich kamen die jungen Leute aus
mehr als zehn Nationen aus der nahen KZGedenkstätte
Bergen-Belsen, in der sie sich
mit Themen wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
beschäftigt hatten. Dort waren
auch die Ausfälle in Dorfmark diskutiert
worden, die vor einem Jahr bundesweit für
Schlagzeilen sorgten.
In diesem Jahr war der Empfang nicht
freundlicher, als die Jugendlichen mit ihren
bunten Transparenten erschienen. Ein Anwohner
herrschte sie an: „Ihr seid mir zu
laut. Wenn ihr so weitermacht, lasse ich die
Hunde los.“ Die „Ludendorffer“ hingegen
fühlten sich nach eigenem Bekunden in
Dorfmark bestens aufgehoben: „Wir kommen
seit 35 Jahren und wissen, dass wir hier
viele Freunde haben“, sagte einer in der Tagungsstätte
Hotel „Deutsches Haus“. Zumindest
bei den Wirtsleuten aber schien die
Stimmung doch etwas angespannt.Zum ersten
Mal hatten sie an der Eingangstür ein
Schild angebracht: „Geschlossene Gesellschaft.
Bund für Gotterkenntnis e.V.“. Als
ein junger Mann dieses Schild fotografieren
wollte, griff der Wirt ihm an die Kehle.
„Bund für Gotterkenntnis“ nennen sich
die „Ludendorffer“ offiziell. Ihr „Ostertreffen",
zu dem sie aus dem ganzen Bundesgebiet
anreisen, ist für die Hotels und Pensionen
der Region offenbar ein willkommenes
Zubrot. Gestern jedenfalls waren es überwiegend
Menschen aus anderen Orten , die
vor dem „Deutschen Haus“ gegen die „Ludendorffer“
protestierten.
Nicht nur die rund 80 jungen Leute aus
dem Jugendcamp in Bergen-Belsen empfanden
das „Ostertreffen“ der Gruppe als Provokation,
rund 40 Teilnehmer einer Mahnwache
sahen das ganz genauso. Sie hatten
sich am Nachmittag vor dem Tagungslokal
postiert. Nur ein knappes Dutzend von ihnen
aber wohnt in Dorfmark.
Auf Initiative des niedersächsischen Landespräventionsrates
hatten sich schon vor
Monaten örtliche Vereine und Verbände zusammengeschlossen,
die die „Ludendorffer“
nicht mehr unter sich haben wollen.
Doch dieser Zusammenschluss ist über ein
„Bündnis in Gründung“ nicht hinausgekommen.
Diese Kritiker hatten vor den Ostertagen
mit verschiedenen Veranstaltungen vor
den Gefahren des Extremismus gewarnt,
doch von den Protesten vor Ort hielten sie
sich gestern fern, „um Konfrontationen zu
vermeiden“.
So überließ die Mehrheit der Dorfmarker
gestern erneut denjenigen Einheimischen
das Feld, die aus ihrem Rassismus keinen
Hehl machten – und denen auch eine Berichterstattung
über ihre Pöbeleien offensichtlich
ungelegen kam: „Wenn du das
nicht lässt, haue ich dir dahin, wo es dir weh
tut“, wurde ein Kameramann angeschrieen.
Und eine Journalistin musste sich von einem
Besucher des „Deutschen Hauses“ als „Gesindel“
beschimpfen lassen.
Der Autor Stefan Schölermann ist Redakteur bei NDRInfo
Quelle: Weser Kurier 11.04.2009
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